München

NS-Dokuzentrum und Literaturhaus verschieben Veranstaltung

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Nach Kritik von Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, ist eine ursprünglich für den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar geplante Veranstaltung des Münchner NS-Dokumentationszentrums und des Literaturhauses München um drei Tage vorverlegt worden. Bei der Lesung soll die Schauspielerin Iris Berben im Literaturhaus München aus einem Werk der Autorin Chaja Polak über Israel und Gaza vortragen.

Seit 1996 ist der 27. Januar in der Bundesrepublik der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Der Tag erinnert an die Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor fast 80 Jahren, in dem mehr als eine Million Menschen ermordet wurden.

Bereits am Mittwoch war auf der Internetseite von Droemer Knaur zu lesen –dem Verlag, der Polaks Buch Brief in der Nacht - Gedanken über Israel und Gaza in Deutschland herausgibt–, dass die Lesung nun am 24. Januar stattfinden soll.

Josef Schuster hatte dem Nachrichtenmagazin »Focus« und der »Jüdischen Allgemeinen« zuvor gesagt: »Mit dem Thema von Frau Polaks Essay habe ich grundsätzlich kein Problem.« Es irritiere ihn aber, »dass die aktuelle Situation in Israel im Mittelpunkt einer Veranstaltung am Gedenktag an die Opfer der Schoa steht.« Es drohten »Vermischungen und falsche Assoziationen, die nicht im Interesse der Beteiligten sein sollten«.

Bei Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, rief die ursprüngliche Wahl des Datums laut »Focus« »Stirnrunzeln hervor«. Die Kombination von Thema und Datum scheine »nicht glücklich gewählt«, sagte der Politiker dem Nachrichtenmagazin. Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle, der ursprünglich bei der Lesung ein Grußwort sprechen wollte, hatte laut Informationen des Magazins »aus Termingründen« zurückgezogen.

Lesen Sie auch

Die Veranstaltung mit Iris Berben ist Teil einer»Literarischen Woche gegen Antisemitismus« (21. bis 27. Januar 2025), einer gemeinschaftlichen Initiative der Stiftung Internationale Jugendbibliothek, der Monacensia im Hildebrandhaus, der
Münchner Volkshochschule, dem NS-Dokumentationszentrum München, der Stiftung Literaturhaus München, der Stiftung Lyrik Kabinett und dem Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Die Kritik an der Veranstaltung erfolgte auch vor dem Hintergrund eines Wissenschaftlerstreits. Verschiedene Stimmen stellen die Singularität der Schoa und der NS-Judenverfolgung infrage, da sie angeblich Kritik an Israel verhindere. Gegner dieser Position mahnen, die Opfer der Schoa und der Kriege in Nahost dürften nicht gegeneinander aufgerechnet werden.

Die Koordinatorin der Pressearbeit zur »Literarischen Woche gegen Antisemitismus« teilte am Donnerstag mit, es handele sich bei Chaja Polaks Brief in der Nacht »um den persönlichen, literarischen Blick einer
Holocaust-Überlebenden auf den durch die Terrorattacke der Hamas auf Israel neu entflammten Nahost-Konflikt und dessen Folgen. Ihr Text ist ein humanistisches Plädoyer für Verständigung und
Frieden«.

Nichts liege der Autorin und den Veranstaltenden ferner, »als die Singularität der Schoa in Frage zu stellen oder die Opfer der Schoa und des Nahost-Konflikts ›gegeneinander aufzurechnen‹, so die Pressekoordinatorin weiter. Eine von «Focus» zu diesem Thema verbreitete Agenturmeldung sei «irreführend». Die Veranstaltenden «bedauern es zutiefst, wenn durch die Terminierung der Veranstaltung am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, dieser Eindruck entstanden sein sollte. Deshalb hat das Literaturhaus gemeinsam mit der Autorin Chaja Polak eine Vorverlegung der Veranstaltung auf den 24. Januar 2025 beschlossen». ag

Lettland

Deutsche Städte gedenken der nach Riga deportierten Juden

1941/42 wurden mehr als 25.000 Juden aus Deutschland und Österreich zur Vernichtung in die lettische Hauptstadt deportiert. Daran gedachten nun Vertreter aus 30 deutschen Städten

 03.07.2026

Gesellschaft

Filmproduzentin Brauner: Die Erinnerungskultur ist gescheitert

Die Hintergründe

von Hannah Krewer  03.07.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Auf dem Weg zum »Mustard Belt«: Am 4. Juli gehtʼs um die Wurst

von Katrin Richter  03.07.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  02.07.2026 Aktualisiert

Fußball

Länderspiel verlegt: Irland verzichtet auf Israel-Boykott

Irlands Fußballverband FAI will das UEFA-Nations-League-Spiel gegen Israel nun in Serbien austragen - auch, um einen Abstieg zu vermeiden

 02.07.2026

Großbritannien

London ehrt Stefan Zweig

84 Jahre nach seinem Tod wird der berühmte österreichische Schriftsteller Stefan Zweig in London geehrt. Dorthin war er 1936 vor den Nazis geflohen

 02.07.2026

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Kulturkolumne

In der Hitze des Sommers

Zwischen Deutschland und Israel: Wenn die Luft sich nicht bewegt und die Zeit stillsteht

von Laura Cazés  02.07.2026

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026