»Comedians in Cars Getting Coffee«

Unendlicher Spaß

Kate McKinnon dreht mit Jerry Seinfeld in einem 1962er Fiat Runden durch Manhattan. Foto: dpa

Das Tolle an guter Unterhaltung ist, dass sie nicht viel Aufwand benötigt. Zwei Menschen an einem Tisch sind dafür schon vollkommen ausreichend. Jerry Seinfeld, der mit einer nach ihm benannten Sitcom berühmt wurde, hat aus diesem Konzept eine Serie gemacht.

In jeder Folge von Comedians in Cars Getting Coffee holt er einen anderen Komiker mit dem Auto ab und fährt mit ihm in ein Café oder ein Restaurant. Sie essen etwas, unterhalten sich, und er bringt seinen Gast danach wieder nach Hause. Fertig. Mehr passiert nicht, und mehr muss auch nicht passieren, um eine der unterhaltsamsten Serien zu produzieren, die es aktuell zu sehen gibt.

Showbusiness Seit 2012 gibt Seinfeld nun schon den Chauffeur und hat in mittlerweile 72 Episoden sowohl Ikonen des Showbusiness als auch junge Talente an seiner Seite gehabt. Die Liste geht dabei von Mel Brooks über David Letterman, Chris Rock, Kate McKinnonm, Jon Stewart, Tina Fey und Sarah Jessica Parker bis zu Amy Schumer, Sarah Silverman und Trevor Noah.

Mit seinen Gästen bespricht Seinfeld die großen Fragen der Welt, heruntergebrochen auf kleine Alltagsbeobachtungen, und tauscht sich über die Arbeitsweise seiner Gäste aus. Dass er Comedy als ein Handwerk begreift, bei dem Erfahrung und Technik die entscheidenden Faktoren sind, wird dabei in jeder Episode deutlich. Es ist diese Mischung aus Leichtigkeit und diskreten Blicken hinter die Kulissen, wenn bekannte Komiker über ihre Anfänge, Inspirationen und Selbstzweifel erzählen, die diese Serie so spannend macht.

Nebenbei erschafft Seinfeld mit seiner Serie auch das ungewöhnlichste Nachschlagewerk zur Unterhaltungsindustrie, das es gibt. Wer sich die Serie anschaut, wird immer wieder die gleichen Namen alter Legenden hören, die auch heutige Comedians inspiriert haben, wobei so mancher davon selbst in der Serie auftritt. So sitzen Steve Martin, Don Rickles und Carl Reiner mit Seinfeld im Auto und erzählen von alten Zeiten, Frank Sinatra und Las Vegas.

Haltung Diese Serie macht zugleich aber deutlich, wie schnelllebig das Showbusiness ist. So trifft Seinfeld auf junge Komiker, denen er irritiert von Vorwürfen erzählt, er würde zu wenige Frauen und Schwarze in seine Serie einladen. Auch sie berichten davon, dass sich etwas an der Erwartungshaltung des Publikums geändert hat.

Soziale und politische Haltung würde eine größere Rolle spielen, vor allem jüngeren Zuschauern würde es oft nicht mehr reichen, einfach nur unterhalten zu werden. Die Unterhaltung solle auch einer guten Sache dienen, wie der Gleichstellung von Homosexuellen oder der #MeToo-Bewegung. Seinfeld, für den das einzige Kriterium für guten Humor darin besteht, ob etwas lustig ist oder nicht, kann mit dieser Aufladung nichts anfangen – was ihn in Zeiten oft übertrieben zwanghafter politischer Korrektheit nur noch sympathischer macht.

In einer berührenden Episode besucht Seinfeld den Komiker Jerry Lewis, der auch noch mit über 90 Jahren eine erstaunliche Wachheit und Schlagfertigkeit bewies. Mitten in ihrem Gespräch hielt Lewis inne und meinte beinahe pathetisch: »Was wir hier haben, werde ich nie vergessen. Diese Freiheit zu lachen und nicht überlegen zu müssen, warum.« Im Grunde steckt in diesen Worten das ganze Geheimnis großen Humors. Genau darum geht es in Comedians in Cars Getting Coffee.

»Comedians in Cars Getting Coffee« läuft bei Netflix.

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