Wuligers Woche

Toleranz ist schön. Dessous sind schöner

Am nächsten Mittwoch ist Welttag des Fernsehens. Dann läuft auf RTL »Sylvies Dessous Models« – ein Grund zum Feiern.

Wuligers Woche

Toleranz ist schön. Dessous sind schöner

Freitag ist »Internationaler Tag der Toleranz«. Ich feiere nicht mit

von Michael Wuliger  12.11.2018 18:35 Uhr

Der Freitag dieser Woche ist ein besonderes Datum. Die Welt feiert den Internationalen Tag der Toleranz. Ausgerufen wurde er 1995 von der UNESCO. Das ist die Unterorganisation der Vereinten Nationen, deren eigene Toleranz aufhört, wenn es um die jüdische Geschichte Jerusalems und des Tempelbergs geht. Aber das nur nebenbei.

In Deutschland wird der Tag der Toleranz 365-mal im Jahr begangen. Hier ist jede Form von Intoleranz gesellschaftlich verpönt, ausgenommen die Laktoseintoleranz. Auf seine Toleranz ist Deutschland stolz. Es gibt dafür sogar Preise, verliehen unter anderem von der Stadt Münster, der Evangelischen Akademie Tutzing und dem Jüdischen Museum Berlin.

Autokorsos Auch im Alltag herrscht Toleranz. Als Bürger toleriert man lautstark hupende Autokorsos von Hochzeitsgesellschaften, übel riechende Bettler in der U-Bahn und Leute, die einen samstags früh aus dem Schlaf klingeln, um an der Haustür Jesus Christus anzupreisen.

Vor allem im gesellschaftlichen Diskurs ist Toleranz das höchste Gut. Jeder hat nicht nur das Recht, seine Meinung frei zu äußern, sondern mittlerweile auch den Anspruch, damit ernst genommen zu werden, auch wenn es um Chemtrails geht oder um die Weltmacht der Rothschilds. Mehr noch: Man muss als toleranter Mensch solche Meinungen nicht nur mit Respekt anhören; man darf ihnen auch nicht widersprechen, sie gar für unsinnig erklären. Das wäre intolerant. Deshalb gilt Homöopathie als anerkannte Heilmethode und gelten Genderstudien als Wissenschaft.

Von Juden wird Toleranz besonders gerne eingefordert. Schließlich, so die Begründung, hatten gerade sie selbst häufig unter Intoleranz zu leiden. Ganz besonders tolerant sein sollen Juden, wenn es ihnen an den Kragen geht, meinen manche gar. Groß ist das Unverständnis unter toleranten Deutschen deshalb, wenn jüdische Organisationen BDS den öffentlichen Raum nicht ungehindert überlassen, nur weil die Boykottbewegung die Zerstörung Israels zum Ziel hat. Das ist nur schwer zu tolerieren.

Muslimbrüder Intolerant finden viele auch, dass Juden nicht mit Muslimbrüdern in interreligiösen Dialogveranstaltungen plaudern mögen, bloß weil die sie als »Söhne von Affen und Schweinen« bezeichnen. Und dass die AfD bei Schoa-Gedenkveranstaltungen nicht willkommen ist, zeugt nach Meinung dieser Partei ebenfalls von mangelnder Toleranz.

Möglicherweise haben wir tatsächlich ein Toleranzproblem. Man sehe es uns bitte nach. Sprachlich geht das Wort Toleranz auf das lateinische »tolerare« zurück, übersetzt »erdulden«, »ertragen«. Im Erdulden und Ertragen hat das jüdische Volk sein historisches Soll übererfüllt.

Vielleicht brauchen wir mal eine kurze Pause zur Erholung. Der Internationale Tag der Toleranz wird deshalb ohne mich auskommen müssen. Dafür feiere ich am nächsten Mittwoch mit. Dann ist Welttag des Fernsehens. Auf RTL läuft Sylvies Dessous Models.

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