Wuligers Woche

Tea for Two

Wuligers Woche

Tea for Two

Mein Name ist Birnstein, ich weiß von nichts

von Michael Wuliger  31.10.2019 11:28 Uhr

Das Elend der deutschen Antisemitismusbekämpfung hat einen Namen: Uwe Birnstein. Der evangelische Theologe und Publizist hat sich vergangene Woche im Bayerischen Rundfunk Gedanken über Judenhass gemacht. Den gibt es nämlich nicht nur in der Mitte der Gesellschaft, sondern sogar in der eigenen Familie. »Da saß ich bei meiner geliebten Tante am Sofatisch, bei selbst gebackenem Eierlikörkuchen, der Kandis zischte unter dem heißen Tee, wir plauderten über dies und das.« Und über Halle. Womit man bei den Juden war. Mit denen hat es die Tante nicht so.

»Ja, mit den Juden, das sei aber auch schwierig. In der Pfalz, wo sie herkommt, da seien die Juden doch ziemlich geschäftstüchtig gewesen – sogar mehr als das: Hätten ganz normale Deutsche übers Ohr gehauen. Irgendwie würden die Juden auch im Hintergrund zusammenwirken und seien ziemlich mächtig in unserer Gesellschaft. Uff. Verdutzt musste ich die Kuchengabel niederlegen. Ich war sprachlos. Und zog mit einer niederschmetternden Erkenntnis von dannen: Antisemitismus gibt’s überall.«

So richtig scheinen Dialog und Begegnung nicht geeignet zu sein, Judenhass abzubauen. Dafür steht Birnstein höchstselbst.

Na, so was aber auch. Zum Glück weiß Uwe Birnstein, wie man dem beikommt. Nämlich erstens mit mehr Antisemitismusbeauftragten, jetzt auch in der Evangelischen Kirche, zweitens mit mehr Dialog: »Mit jüdischen Menschen reden. Ihre Gottesdienste besuchen. Mit ihnen feiern. Sie als Menschen kennenlernen. Denn Begegnung ist ein wunderbares Mittel, um Angst und Vorurteile vor Fremdem abzubauen und Interesse füreinander zu entwickeln. Ich werde meine Tante einladen, mit mir in eine Veranstaltung der Synagoge zu gehen. Und hinterher trinken wir dann dort Tee und kommen mit den Menschen ins Gespräch.«

DIALOG Mal abgesehen davon, dass Herr Birnstein hoffentlich vorher die Juden auch fragt, ob sie wirklich so scharf darauf sind, Antisemiten in der Synagoge als Gäste zu begrüßen und mit ihnen Tee zu trinken: So richtig scheinen Dialog und Begegnung nicht geeignet zu sein, Judenhass abzubauen. Dafür steht der Autor höchstselbst. Gibt man seinen Namen bei Wikipedia ein, erscheint dort unter dem Zwischentitel »Kontroverse« der Verweis auf einen Text, den Uwe Birnstein 2006 in der »Evangelischen Wochenzeitung für Bayern« veröffentlicht hat. Dort profilierte sich der Theologe als Nahostexperte.

Der »Ursprung der Gewalt« zwischen Israelis und Palästinensern liege nicht, wie allgemein angenommen, im 20. Jahrhundert, sondern sei 3000 Jahre älter, korrigierte Birnstein die gängige Geschichtsschreibung. Die »Unterjochung der Bevölkerung Palästinas« habe mit der Eroberung Kanaans angefangen, ließ er in einem fiktiven Interview mit dem biblischen Josua den Anführer der Israeliten schamerfüllt gestehen.

Uwe Birnsteins Tante hätte ihm da sicherlich zugestimmt. Ja, mit den Juden, das ist aber auch schwierig. Wohin sie kommen, machen sie Ärger. Das war schon immer so. Es steht ja sogar in der Bibel. Ihr Neffe, der Theologe, kann das bestätigen. Darauf einen selbst gebackenen Eierlikörkuchen!

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Berlin

Tricia Tuttle bleibt Berlinale-Chefin

Die Amerikanerin muss sich allerdings an Auflagen halten

 04.03.2026

Shkoyach!

Eine Begegnung vor dem Krieg Oder Frieden. Schalom. Saleh.

Die Mullahs mit ihrem rasenden Hass auf Israel als Staatsdoktrin haben bei vielen Iranern genau das Gegenteil bewirkt. Eine Begegnung vor dem Krieg

von Sophie Albers Ben Chamo  04.03.2026

Lebende Legende

Wolf Biermann feiert 90. Geburtstag mit drei Festkonzerten

Vor 50 Jahren wurde der Liedermacher aus der DDR ausgebürgert. Zudem feiert er seinen 90. Geburtstag. Mit Konzerten blickt er auf ein bewegtes Leben voller Musik und politischer Haltung zurück

 04.03.2026

Berlin

Nächste Krisensitzung: Wie geht es weiter bei der Berlinale?

Lebhaft wurde in den vergangenen Tagen über die Zukunft des Filmfestivals und Intendantin Tricia Tuttle diskutiert. Nun trifft sich der Aufsichtsrat erneut

 04.03.2026

Programm

Kleine Großstadtdektive, ein musikalischer Golem und Gespräche: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 5. bis zum 12. März

 03.03.2026

Kult-Comics

80 Jahre Lucky Luke: Der Cowboy mit dem smarten Pferd

Zwar trägt Lucky Luke keinen Davidstern. Der jüdische Autor René Goscinny trug aber entscheidend zum Witz und dem großen Erfolg der Serie bei

 03.03.2026

Berlin

Tuttle will bei Berlinale bleiben - ist der Streit vorbei?

Die US-Amerikanerin Tricia Tuttle leitet das renommierte Filmfestival seit 2024. Nach Vorwürfen und Kontroversen legt sie sich fest: Sie will weitermachen. Aber längst nicht alle Fragen sind geklärt

von Verena Schmitt-Roschmann, Sabrina Szameitat  03.03.2026

Berlin

Weimer: »Auf gutem Weg« zu zukunftsfester Berlinale

Die US-Amerikanerin Tricia Tuttle will Leiterin des Filmfestivals bleiben. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien reagiert knapp

 03.03.2026