Auktion

Selbstbildnis mit Bella

Unterm Hammer: »Les fiancés aux anémones« Foto: Chris Hartung

Der große Saal im renommierten Auktionshaus »Villa Grisebach« war bis auf den letzten Platz gefüllt, als das Unternehmen zur 313. Auktion seiner Geschichte rief. Werke namhafter Künstler der letzten 100 Jahre wurden vergangene Woche im Minutentakt an die meist anonymen Bieter gebracht.

Als besonderes Highlight der Versteigerung wurde vom souverän agierenden Auktionator Markus Krause ein Gemälde bezeichnet, das Marc Chagall im Alter von 91 Jahren an seinem Alterssitz im südfranzösischen Saint-Paul-de-Vence malte. Der Titel des Gemäldes: »Les fiancés aux anémones«.

Nach Aussage des Künstlers handelt es sich bei dem abgebildeten Verlobungspaar um ein Selbstbildnis an der Seite seiner 1944 im US-Exil verstorbenen ersten Ehefrau Bella. Da im Hintergrund jedoch Saint-Paul-de-Vence zu sehen ist, beschreibt Grisebach das Kunstwerk – zutreffend – als ein »wunderbares, farbintensives Gemälde, in dem sich Traum und Wirklichkeit liebevoll vereinen«.

privatsammler Lange war das Bild im Besitz von Ida Chagall, der Tochter des Künstlers, ehe es im Jahr 2006 in den Besitz eines Schweizer Privatsammlers überging. Der anonyme Sammler wollte es nun veräußern, und Grisebach rief ein Mindestgebot von einer Million Euro auf. Im Katalog wird auf den ungewöhnlichen Umstand hingewiesen, dass fast der gesamte Hammerpreis dem Schweizer christlich-jüdischen Hilfswerk Kiriat Yearim zugutekommen wird. Die im Jahr 1951 gegründete Institution betreibt in der Nähe von Jerusalem das gleichnamige Kinderdorf mit einer Internatsschule.

Für wenige Minuten war das Gemälde erstmalig einer Öffentlichkeit zugänglich, und die Angebote kamen im Sekundentakt herein.

Für wenige Minuten war das Gemälde erstmalig einer Öffentlichkeit zugänglich, und die Angebote kamen im Sekundentakt herein, ehe die Summe bei 975.000 Euro stehen blieb. Trotz der Bemühungen des Auktionators wurde kein höheres Angebot mehr abgegeben. Krause blieb nichts anderes übrig, als den Zuschlag »unter Vorbehalt« zu gewähren.

wunschpreis Würde der Schweizer Sammler das Gemälde womöglich zurückziehen, nur weil das Angebot um zweieinhalb Prozent unter seinem Wunschpreis geblieben ist? Auf dem anschließenden Empfang ging niemand davon aus, da auch Grisebach erklärte, »auf einen großen Teil der Kommission zugunsten der Stiftung zu verzichten«.

Eine konkrete Aussage aber, ob der Verkauf über die Bühne ging, war bislang nicht in Erfahrung zu bringen. Und auch nicht, wer der potenzielle Käufer ist. Damit bleibt die Frage unbeantwortet, ob Chagalls Werk künftig in einem der großen Museen einem breiten Publikum dargeboten oder abermals in einer privaten Sammlung verschwinden wird.

Zeitgeschichte

Entebbe und kein Ende

Der Historiker Jan Gerber zeigt in seinem neuen Buch, wie aus dem Antizionismus der 68er-Generation radikale antisemitische Praxis wurde

von Ralf Balke  01.07.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. Juli bis zum 9. Juli

 01.07.2026

Künstliche Intelligenz

Ich schreibe, also bin ich

Noch nie war es so einfach, Gedanken mit KI in Worte zu fassen. Doch was bedeutet das für unser Denken, unseren Journalismus und eine der grundlegendsten menschlichen Fähigkeiten?

von Nicole Dreyfus  01.07.2026

Fußball

Länderspiel verlegt: Irland verzichtet auf Israel-Boykott

Irlands Fußballverband FAI will das UEFA-Nations-League-Spiel gegen Israel nun in Serbien austragen - auch, um einen Abstieg zu vermeiden

 01.07.2026

Berlin

Jüdische Kunstschule und UdK wollen kooperieren

Auch die Universität der Künste war nach dem 7. Oktober 2023 mehrfach Schauplatz »propalästinensischer« Aktionen. Nun will sie jüdischen Künstlern einen geschützten Raum bieten

 01.07.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Burkhard C. Kosminski

»Ich würde das Stück gerne im Osten spielen«

Der Intendant am Schauspiel Stuttgart über »Die Ermittlung« von Peter Weiss, die Existenzberechtigung Israels in der Kunst und seine Auszeichnung mit der Otto-Hirsch-Medaille

von Nicole Golombek  30.06.2026

Interview

»Der Oscar öffnete mir neue Türen«

Daniel Roher über seinen ersten Spielfilm »The Piano Tuner« und den Dreh mit Dustin Hoffman und Lior Raz

von Patrick Heidmann  30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026