Nanotechnik

Sechs Zacken gegen Diabetes

Sogar blau: die Davidstern-Partikel Foto: Frank Albinus

Ein Davidstern, so winzig, dass er mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist – 10.000 Mal so klein wie der Durchmesser eines menschlichen Haares. Der Anblick, der sich beim Blick durch das Mikroskop bietet, ist allerdings kein natürlicher Gottesbeweis, der darauf wartete, entdeckt zu werden, sobald die Menschheit reif dafür ist. Es ist ein künstlich geschaffenes Etwas – ein Nanopartikel, hergestellt in den Labors der Hebräischen Universität Jerusalem. Unter der Leitung von Uri Banin, Direktor des Zentrums für Nanowissenschaft, arbeitete ein Forscherteam zwei Jahre lang daran, dieses ungewöhnlich geformte Nanoteilchen herzustellen und zu analysieren.

Nanoteilchen sind winzige Partikel, die nur aus wenigen tausend Molekülen bestehen. Sie können künstlich hergestellt und dabei mit zusätzlichen Eigenschaften versehen werden, die in der Natur nicht vorkommen und die sie für den Einsatz in Industrie, Elektronik, Medizin, Umwelttechnik und vielen anderen Bereichen tauglich machen. Ein Sonderfall sind hybride Nanopartikel – die aus zwei oder mehreren unterschiedlichen Materialien bestehen, was ihre Einsatzfähigkeit erweitert.

hilfe aus jülich Ein solches hybrides Nanoteilchen ist auch der mikroskopisch kleine Davidstern. Janet Macdonald, Doktorandin in Banins Team, synthetisierte dazu Kupfersulfid und das Metall Ruthenium. Bei solchen Zweikomponenten-Teilchen umschließt normalerweise ein Material das andere, wie ein Ei das Dotter, oder sitzt dem anderen Material auf, wie ein Streichholzkopf auf dem Streichholz. Macdonald war daher überrascht, unter dem Elektronenmikroskop ein Davidstern-artiges Gebilde zu sehen.

Nun ging es darum, die dreidimensionale Struktur des Partikels herauszufinden, die von oben betrachtet einen Davidstern ergibt. Dies war aufwendig und nahm mehrere Monate in Anspruch. Gelöst wurde das Rätsel schließlich mithilfe von Maya Bar Sadan und Lothar Houben vom Institut für Festkörperforschung am Forschungszentrum Jülich sowie eines gigantischen Elektronenmikroskops. Die Wissenschaftler fanden heraus: Der Nano-Stern hat die Form eines Käfigs, bedingt durch seine hexagonale (sechseckige) Kristallstruktur. Das Metall Ruthenium umschließt das Kupfersulfid wie eine Art Vogelkäfig. Aus einer bestimmten Richtung betrachtet, ergibt sich der Eindruck eines sechszackigen Sterns. Nanopartikel mit einer solchen Käfigstruktur waren bisher unbekannt, erklären die Forscher aus Jülich und Jerusalem.

sonnenenergie Und was fängt man mit dem Teilchen nun an? Banin und Macdonald betonen, dass Zusammensetzung und Struktur des Nanopartikels nicht nur schön anzusehen, sondern auch nützlich sind. Die Forscher beschichteten eine Elektrode mit dem neuen Material, und es zeigte sich, dass auf diese Weise winzige Mengen an Wasserstoffperoxid aufzuspüren sind. Dies wiederum, so Banin, sei ein wichtiger Schritt zur Entwicklung besserer Glukosesensoren, die zur Diagnose von Diabetes eingesetzt werden. Nun wollen Banin und sein Team weitere Versuche machen, um herauszufinden, ob sich das Nanomaterial auch für andere Zwecke als Sensor einsetzen lässt. Auch an den Bereich Umwelt und erneuerbare Energien denken die Experten dabei. Eventuell, so Banin, lässt sich das Material als Photokatalysator nutzen, um Sonnenlicht in Energie umzuwandeln. Dann würde der Davidstern die Welt buchstäblich zum Leuchten bringen.

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  16.09.2026

Programm

Vernissagen, Workshops und eine Zeitreise ins Berlin von »Babylon Berlin«: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 17. September bis zum 30. September

 16.09.2026

Gaza-Krieg

Der falsche Genozidvorwurf

Der US-Historiker Jeffrey Herf widerspricht seinem viel zitierten israelischen Kollegen Omer Bartov. Eine Klarstellung

von Jeffrey Herf  16.09.2026

Gegen Vorurteile

Über Tattoos, Sport und die Frage, was eigentlich koscher ist - Neuauflage eines Projekts zu jüdischem Leben

Vorne Fotos, hinten Erklärtexte und QR-Codes: Eine neue Box mit Material zu jüdischem Leben in Deutschland ist erschienen. Gedacht ist sie für Schule oder Erwachsenenbildung - und als Beitrag gegen Antisemitismus

von Leticia Witte  16.09.2026

New York

Jetzt äußert sich Ed Sheeran zum Macklemore-Aus

Wegen israelfeindlichen Aussagen wurde US-Rapper Macklemore von Sheerans Tour ausgeschlossen. Nun schildert der Popstar seine Sicht der Dinge

 16.09.2026

Kino

»David« - Familienfreundliches Musical nach Motiven aus der Bibel

Ein kleiner Junge besiegt einen furchteinflößenden Riesen mit der Steinschleuder. Die Geschichte von David und Goliath kennen auch viele, die sonst nicht so bibelfest sind. Und sie bietet viel Stoff für eine Verfilmung

von Martin Ostermann  15.09.2026

Israel

Wie Quentin Tarantino Israelis den Kinobesuch vermiest

Berichte über Quentin Tarantinos Kinobesuche gehen in Israel viral. Eine Frau hätte ihn beinahe angebrüllt

von Sophie Albers Ben Chamo  15.09.2026

Dearborn

Henry Fords antisemitische Vergangenheit in Ausstellung behandelt

Im nächsten Jahr öffnet Fair Lane, das frühere Anwesen von Henry Ford, wieder für Besucher. Die Einrichtung stellt sich nun einer Vergangenheit, die in der Region lange nur unzureichend thematisiert wurde

 15.09.2026