Restitution

Schiedsverfahren zur Rückgabe von NS-Raubkunst geplant

Kulturstaatsministerin Claudia Roth Foto: Marco Limberg

Restitution

Schiedsverfahren zur Rückgabe von NS-Raubkunst geplant

Beratende Kommission war 2003 eingerichtet worden, um bei Differenzen zu vermitteln

 13.03.2024 21:43 Uhr

Die Rückgabe von NS-Raubkunst soll künftig in Schiedsverfahren rechtlich verbindlich entschieden werden. Bund, Länder und Kommunen verständigten sich am Mittwoch in Berlin darauf, die bisherige Beratende Kommission zügig durch eine Schiedsgerichtsbarkeit zu ersetzen, wie sie gemeinsam mitteilten. Die Entscheidungen sollen von einer weiteren Instanz überprüfbar sein.

Zudem einigten sich Bund, Länder und Kommunen darauf, dass nach einem erfolglosen Bemühen der an einem Streitfall beteiligten Parteien die Schiedsgerichtsbarkeit auch einseitig angerufen werden können soll. Eine Zustimmung des aktuellen Eigentümers soll nicht nötig sein. Diejenigen, die eine Rückgabe von Kunstwerken fordern, sollen besser in das Verfahren einbezogen werden. Außerdem ist geplant, die Forschung zur Herkunft (Provenienz) zu stärken.

Die Beratende Kommission war 2003 eingerichtet worden, um bei Differenzen über die Rückgabe von NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern zu vermitteln.

Von einem »wichtigen Schritt für ein beschleunigtes und transparentes Restitutionsverfahren« sprach der Vorsitzende der Kulturministerkonferenz, der hessische Kulturminister Timon Gremmels (SPD). »Mit der Einrichtung einer Schiedsgerichtsbarkeit schaffen wir es, dass aus Empfehlungen Entscheidungen werden und sorgen dafür, dass wir den Interessen der Betroffenen besser gerecht werden.«

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) sagte: »Der gemeinsame Beschluss von heute ist ein großer und wichtiger Fortschritt, um die Rückgabe von NS-Raubkunst sehr deutlich zu verbessern.« Sie unterstrich die Verständigung auf eine einseitige Anrufbarkeit. Die Reform solle bis Ende des Jahres wirksam werden. Eine bereits tätige Arbeitsgruppe von Bund, Ländern und Kommunen soll das Vorhaben weiter vorantreiben.

Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände hatten sich am Mittwoch mit Vertretern der Kulturstiftungen der Länder und des Bundes zum 20. Kulturpolitischen Spitzengespräch getroffen. kna

»Imanuels Interpreten« (26)

Paul Simon: Der Brückenbauer

Seit den 60er Jahren schreibt und spielt der New Yorker Künstler Musik, deren Texte durchweg stark sind. Mehrere Generationen haben zugehört. Heute wird das jüdische Talent 85 Jahre alt

von Imanuel Marcus  13.10.2026

Berlin

Jüdische Kulturtage müssen Hauptausstellung absagen

Wegen einer Finanzierungslücke fällt die Ausstellung aus. Die Jüdische Gemeinde kritisiert die Förderentscheidung des Senats

 12.10.2026

Jugendbuch

Zwei Mädchen im Winter 1947

Die amerikanische Schriftstellerin Holly-Jane Rahlens schreibt über Freundschaft in der Berliner Nachkriegszeit

von Katrin Diehl  12.10.2026

Slata Roschal

Der Autor ist tot

Sie las beim Bachmannpreis und verließ den Saal – in ihrem neuen Roman rechnet sie mit dem Literaturbetrieb ab

von Frank Keil  12.10.2026

Boris Schumatsky

Geografie der Entwurzelung

Der Berliner Schriftsteller erzählt von seiner Mutter, dem russischen Krieg gegen die Ukraine und vom Verlust jeglichen Halts bei Paul Celan

von Alexander Kluy  12.10.2026

Sachbuch

Treffpunkt der Egomanen

Christian Buckard erzählt die Geschichte des legendären »Romanischen Cafés« und seiner jüdischen Bohème

von Leon Stork  12.10.2026

Tomer Gardi

Auf der Spur der Fahrradkuriere

Der israelische Autor verfolgt in seinem neuen Roman Lieferketten – und widmet sich den Menschen, die per App gerufen werden

von Sophie Albers Ben Chamo  12.10.2026

Sachbuch

Jerusalem für Anfänger

Geht es um die Gegenwart, verliert sich Dietmar Pieper in Tagespolitik

von Ralf Balke  12.10.2026

Frankfurt am Main

Auszeichnung für Journalisten und Buchautoren

Der Georg-Stefan-Troller-Preis für die Berichterstattung über jüdisches Leben wurde erstmals verliehen. Mit Mascha Malburg und Joshua Schultheis sind auch zwei JA-Journalisten unter den Ausgezeichneten

 11.10.2026