Frankfurt am Main

Saul Friedländer erhält Ludwig-Landmann-Preis

Der israelische Historiker Saul Friedländer bei seiner Rede zur Gedenstunde an die Opfer des Nationalsozialismus 2019 im Bundestag Foto: imago

Der Historiker und Schoa-Überlebende Saul Friedländer (88) erhält den erstmals verliehenen »Ludwig-Landmann-Preis für Mut und Haltung«. Friedländer werde für sein Lebenswerk ausgezeichnet, teilte die Stadt Frankfurt am Mittwoch mit. Die wegen der Corona-Pandemie um eineinhalb Jahre verschobene Preisverleihung finde am Sonntag (27. Juni) im Schauspielhaus Frankfurt statt und werde ab 11 Uhr live auf dem Youtube-Kanal des Jüdischen Museums Frankfurt gestreamt. Die Laudatio hält der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne).

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde anlässlich der Wiedereröffnung des neuen Jüdischen Museums Frankfurt ins Leben gerufen und wird von der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Museums verliehen.

Friedländer wurde 1932 als Sohn einer jüdischen Familie in Prag geboren. Infolge der deutschen Besetzung emigrierte die Familie nach Frankreich. Während er als Kind im Versteck überlebte, wurden seine Eltern verhaftet und in Auschwitz ermordet.

ISRAEL Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wanderte Friedländer nach Israel aus. Er lehrte in Jerusalem, Tel Aviv und Los Angeles und wurde für sein Werk unter anderem mit dem Pulitzer-Preis sowie dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. 2019 hielt er eine Rede zum Holocaust-Gedenktag im Bundestag. Der international renommierte Historiker hat die Geschichte des Nationalsozialismus und insbesondere das Schicksal der europäischen Juden erforscht.

Der Namensgeber des Preises, Ludwig Landmann (1868–1945), war von 1924 bis 1933 Oberbürgermeister von Frankfurt am Main. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde Landmann 1933 seines Amtes enthoben, seiner Pension beraubt und in die Flucht getrieben. Er starb 1945 verarmt im niederländischen Exil.

Landmann habe als letzter demokratisch gewählter Oberbürgermeister Frankfurts vor der nationalsozialistischen Machtübernahme »dank seiner visionären Regierungspolitik« die Stadt Frankfurt zu einer modernen Metropole entwickelt, betonte der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums, Andreas von Schoeler. Bei der Preisverleihung werden auch der amtierende Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und die Direktorin des Jüdischen Museums, Mirjam Wenzel, sprechen. kna

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