Wuligers Woche

Rentner gegen Zionismus

Gerontopsychiater empfehlen Ruheständlern dringend, sich ein Hobby zu suchen – sonst können sie unangenehm werden. Foto: Thinkstock

Wuligers Woche

Rentner gegen Zionismus

Fossilien der Israelkritik treffen sich in Berlin

von Michael Wuliger  05.02.2018 18:53 Uhr

Kaum jemand ist so unglücklich wie alte Leute, die nichts mehr zu tun haben und sich deshalb – manchmal im Wortsinn – zu Tode langweilen. (Ich weiß, wovon ich rede: Ich bin 66.) Gerontopsychiater empfehlen deshalb Ruheständlern dringend, sich ein Hobby zu suchen. Das kann Rosenzüchten sein, Scherenschnitt oder Yoga für Senioren. Oder linker Antizionismus.

Am kommenden Sonntag treffen sich in Berlin betagte Israelkritiker zu dem Kongress »Projekt Kritische Aufklärung«. Zu den angekündigten Hauptrednern zählen der Schauspieler Rolf Becker (82), die Sängerin Esther Bejarano (93) und der britisch-israelische Politaktivist Moshe Machover (81). Als Vertreter der jüngeren Generation dabei ist auch der Tel Aviver Soziologe Moshe Zuckermann (69).

Front Trotz ihres Alters haben sich die Aufklärer den Schwung ihrer Jugend erhalten: »Hört die Signale, kommt am 10. Februar zu unserer Konferenz nach Berlin und reiht euch ein in unsere internationalistische Front gegen die kriegstreiberischen Rechtsopportunisten in der Linken und die rechten Demagogen von AfD, BAK Shalom, Bahamas & Co«, so ihr Aufruf. »Die Westliche-Welt-Chauvinisten, NATO-Patrioten, Nationalisten und Faschisten dürfen nicht durchkommen mit ihrer Hasspropaganda gegen jüdische Linke, palästinensische und andere Migranten! Internationale Solidarität statt (anti-)deutsche Hetze!«

Älteren Lesern wird das Vokabular aus den 70er-Jahren bekannt sein, als an den Universitäten K-Gruppen und andere linke Sekten den Ton angaben. Aus diesem politischen Spektrum stammen auch die Stars der Konferenz. Becker tummelt sich seit Jahrzehnten in diversen progressiven Initiativen; unter anderem war er im »Internationalen Komitee zur Verteidigung von Slobodan Milosevic« aktiv.

Bejarano ist ein Urgestein der stalinistischen »Deutschen Kommunistischen Partei« (DKP). Machover war Gründer der antizionistischen israelischen Bewegung »Matzpen« (deutsch »Kompass«), die sich in den 70ern in klassischer linker Manier in verfeindete Fraktionen zersplitterte und danach sanft entschlief.

Irrtümer Ich war vor 40 Jahren auch in der extremen Linken engagiert. Wie die meisten, die damals die rote Fahne schwangen, schaue ich inzwischen längst mit amüsiertem Blick darauf zurück. Noch amüsierter bin ich darüber, dass es noch lebende Fossilien aus dieser Ära gibt, die, unbeirrt von allen Irrtümern und Scheitern, an den Fantasien ihrer späten Pubertät festhalten. Das hat fast etwas Rührendes an sich. Deshalb mag ich die Tagung auch nicht kritisieren.

Natürlich handelt es sich bei ihr um das übliche linksradikale Israel-Bashing, angereichert mit jüdischem Selbsthass. Aber alte Leute zu harsch anzugehen, gehört sich nicht. Gönnen wir ihnen das Vergnügen. Greisen muss man ihre Schrullen lassen.

Meinung

Warum der Begriff »Davidstern-Skandal« unpassend ist

Die Formulierung beschreibt den Vorfall nicht nur falsch, sie deutet ihn auch als ein jüdisches Vergehen

von Martin Krauß  30.01.2026

TV-Tipp

Brillanter Anthony Hopkins glänzt in »One Life«

Kurz nach dem Holocaust-Gedenktag zeigt 3sat ein biografisches Drama über den Briten Nicholas Winton, der 1939 Kindertransporte von Prag nach London organisierte und damit mehrere hundert Kinder vor den Nazis rettete

von Jan Lehr  29.01.2026

Kairo/Berlin

Ägypten verbietet Buch zu Gaza-Krieg - Autoren: Das Interesse ist riesig

Ihr Streitgespräch über den Nahostkonflikt sorgte in Deutschland für viel Aufmerksamkeit - doch Ägyptens Zensur verbietet das Buch von Philipp Peyman Engel und Hamed Abdel-Samad. Die Autoren nehmen es eher gelassen

 29.01.2026 Aktualisiert

Literatur

Waisenkinder des Lebens

Aus Barbara Honigmanns neuem Buch »Mischka. Drei Porträts« lässt sich erfahren, welch strenge Schönheit und unprätentiöse Würde in der Erinnerung liegen

von Marko Martin  29.01.2026

Kulturkolumne

Jüdischer Humor als Überlebensstrategie

»Happy Place«: Eine TV-Serie, bei der es sich sicher anfühlt zu lachen, aber den Schmerz dahinter auch tatsächlich zu spüren

von Laura Cazés  29.01.2026

Rechtsstreit

Bericht: Schauspielerin verliert Hauptrolle wegen Pro-Israel-Haltung

In »Die Todessehnsucht der Maria Ohm« sollte Sarah Maria Sander laut Vertrag die Hauptrolle spielen

 29.01.2026

Kino

»EPiC: Elvis Presley In Concert« feiert Kinostart

Laut Regisseur Baz Luhrmann ist das Werk weder eine reine Dokumentation noch ein klassisches Konzertfilm-Format, sondern ein tiefgründiges Porträt des 1977 verstorbenen jüdischen Stars. Die Kritiker sind beeindruckt

 29.01.2026

Australien

»Respekt für Gil«

Was das Dschungelcamp an seinem 5. Tag abliefert, könnte glatt schon hart an die großen Brecht’schen Dramen heranreichen

von Martin Krauss  29.01.2026

Fernsehen

Gil Ofarim: »Das kann es nicht gewesen sein«

Was genau er damit meint und ob er sich auf den Skandal bezieht, der das öffentliche Bild von ihm zuletzt geprägt hatte, lässt Ofarim als Cliffhanger offen

 28.01.2026