Jüdisches Museum Berlin

Neue Leitung bis 2020

Der Neubau des Jüdischen Museums von Daniel Libeskind Foto: dpa

Das Jüdische Museum Berlin soll bis Frühjahr 2020 eine neue Leitung bekommen. Als Nachfolger des vor einer Woche zurückgetretenen Museumsdirektors Peter Schäfer werde ein international erfahrener Museumsprofi gesucht.

Stiftungsrat Dieser müsse das Haus leiten und weiterentwickeln können, erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Freitag als Vorsitzende des Stiftungsrates der Einrichtung. Eine Berufung im Frühjahr 2020 werde angestrebt. Die Stelle soll unverzüglich ausgeschrieben werden.

»Jetzt heißt es, den Blick nach vorn zu richten.«Kulturstaatsministerin Monika Grütters

Zugleich wies der Stiftungsrat auf seiner Sitzung am Donnerstagabend Vorwürfe zurück, das Museum verfehle seine Stiftungsziele oder habe seine inhaltliche Richtung verloren.

Autonomie Der Stiftungsrat dankte dem renommierten Judaisten Peter Schäfer ausdrücklich für seine Arbeit in den zurückliegenden Jahren. Grütters betonte, die inhaltliche Autonomie des Museums und seine Unabhängigkeit seien ein hohes Gut und garantierten ein innovatives, diskursorientiertes Programm.

Schäfer hatte in der vergangenen Woche nach harscher Kritik des Zentralrates der Juden seinen Rücktritt erklärt. Aktueller Auslöser der Kritik von Zentralratspräsident Josef Schuster am Museum war eine Leseempfehlung der Museums-Pressestelle über Twitter.

Darin wurde auf einen Zeitungsartikel über eine Erklärung israelischer und jüdischer Wissenschaftler verwiesen, die gegen den Anti-BDS-Beschluss des Bundestages Stellung bezogen hatten. BDS fordert den Boykott Israels sowie Sanktionen wegen der Besatzungspolitik.

Judentum Grütters erklärte, in der Stiftungsratssitzung sei erneut deutlich geworden, dass gerade auch Juden sich in der Arbeit des Museums wiedererkennen müssten und die nicht-jüdische Welt mehr über das Judentum erfährt.

»Aus Fehlern der Vergangenheit, nicht zuletzt in der öffentlichen Kommunikation der letzten Monate, haben Professor Schäfer und das Museum ihre Konsequenzen gezogen. Jetzt heißt es, den Blick nach vorn zu richten«, sagte Grütters.

Am 28. Juni soll erstmals ein Beirat zusammentreten.

Bis zur Ernennung eines neues Direktors soll das Haus vom geschäftsführenden Direktor Martin Michaelis geleitet werden. Außerdem soll die Stiftung bis zum Antritt eines neuen Direktors durch eine noch zu benennende »Vertrauensperson« in konzeptionellen Fragen beraten werden, hieß es weiter.

Dauerausstellung Zur Fertigstellung der neuen Dauerausstellung wird der Stiftungsrat künftig durch einen Beirat unterstützt, der am 28. Juni erstmals zusammentreten soll. Ihm gehören sieben ausgewiesene Wissenschaftler an, darunter Historiker und Museumsfachleute. epd

7. Oktober

Maxim Biller und die Barbaren

In »Schwarze Samstage« kämpft der Schriftsteller mit den Folgen des Massakers in Israel – und zieht eine harte Linie zwischen Juden und »Gojim«

von Tobias Kühn  07.10.2026

TV-Tipp

»Phoenix« - herausragender Film über eine Holocaust-Überlebende

Christian Petzolds grandiose Parabel auf Deutschland im »Jahre Null«

von Felicitas Kleiner  07.10.2026

Programm

Musikalische Crossovers, Kontroverse, Krimi und Krav Maga: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 8. Oktober bis zum 14. Oktober

 07.10.2026

Deutscher Buchpreis

Hermeskeil ist stolz auf Shida Bazyar

Die Auszeichnung würdigt den Roman einer Autorin aus dem Hunsrück. Das gibt der Stadt neuen Anlass, sich mit den verdrängten Kapiteln seiner Geschichte auseinanderzusetzen.

von Ira Schaible, Sandra Trauner  07.10.2026

TV-Tipp

Zwischen Terror und Trauma

Eine Reportage von Jan Philipp Burgard auf WELT TV zeigt Israel und seine Menschen drei Jahre nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023

von Detlef David Kauschke  07.10.2026

Im Kino

Mutiges Biopic über Österreichs Ex-Kanzler: »Bruno – Der junge Kreisky«

Harald Sicheritz hat ein Biopic gedreht, das die politischen Kämpfe zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten, zwischen der Linken an sich und den Nationalsozialisten in den 1930er Jahren differenziert darstellt

von Sascha Westphal  06.10.2026

Literatur

Neues Jugendbuch von Holly-Jane Rahlens: Ein eher unbekanntes Kapitel deutsch-jüdischer Geschichte

Displaced Persons Camps der Nachkriegszeit: Sie stehen im Zentrum eines neuen Buches von Holly-Jane Rahlens. »Frostblüten« heißt und erzählt von der Freundschaft der jüdisch-polnischen Estera und der Berlinerin Lotte

von Nina Schmedding  06.10.2026

Aufruf

Buchpreis-Trägerin Shida Bazyar warnt vor AfD

Shida Bazyar ist mit dem diesjährigen Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. In einem Vorab-Interview äußerte sie sich auch politisch

von Anita Hirschbeck  06.10.2026

Literatur

Shida Bazyar für ihren Roman »Die Lücken« mit Deutschen Buchpreis ausgezeichnet

Der Preis wurde am Montagabend im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse vergeben

 05.10.2026 Aktualisiert