Geburtstag

Mel Brooks wird 90

Mel Brooks Foto: dpa

Fans können sich freuen: Vor ein paar Monaten hat Mel Brooks verkündet, dass er an einer Fortsetzung seines Films Spaceballs arbeitet. Der Film aus dem Jahr 1987 war eine Parodie der Star Wars-Saga und anderer Science-Fiction-Streifen – und einer der größten Erfolge des Regisseurs, der heute 90 Jahre alt wird.

Rick Moranis spielte darin »Lord Helmchen« und Mel Brooks den Präsidenten Skroob – ein Sprachspiel mit seinem Namen – und Yoghurt, was natürlich auf Yoda gemünzt war. Spaceballs: The Search For More Money solle der neue Film heißen, sagte Brooks. Ob das ernst gemeint war oder nur ein Witz, das weiß man bei einem Komiker nie.

markenzeichen In Spaceballs jedenfalls bricht sich einmal ein Alien Bahn und tanzt dann auf einer Bartheke wie in einem Musical. Solche Gags sind das Markenzeichen von Mel Brooks, gerade in seinen Parodien: zugespitzt, derb, gern auch geschmacklos und sarkastisch, aber doch immer auch mit einem wahren Kern.

Kein anderer Komödienregisseur im Kino, außer vielleicht der frühe Woody Allen, hat die Devise »Alles für einen Lacher« so sehr beherzigt wie Mel Brooks. Meist sind die Handlungen seiner Filme nur der rote Faden, an denen er seine Sketche und Gags aufhängen kann.

Der 1926 als Melvin Kaminsky in Brooklyn/New York geborene Brooks – sein Vater stammte aus Danzig, seine Mutter aus Russland – begann als Schlagzeuger in Nachtklubs und sprang ein, als ein Komiker erkrankte. Als Stand-up-Comedian wurde er von dem TV-Komiker Sid Caesar entdeckt, für den er zehn Jahre lang Sketche schrieb.

1965 entwickelte er die Fernsehserie Get Smart, die in der Bundesrepublik unter dem Titel Mini-Max lief. Hauptfigur war ein tollpatschiger Geheimdienstmann, der vom wilden Agentenleben träumte und doch nur jede Menge Schwachsinn produzierte. In Zeiten des Kalten Krieges war das gewissermaßen der Gegenentwurf zu den Siegertypen in Film und Fernsehen à la James Bond – und entsprechend politisch unkorrekt.

Brachialkomik Das war Mel Brooks schon, als es diese Wortverbindung noch gar nicht gab. Er liebt nicht nur das politisch Unkorrekte, er hat die Brachialkomik US-amerikanischer Teenie-Komödien der 90er-Jahre mit Vulgaritäten und Obszönitäten vorweggenommen, und er hat mit der Genreparodie ein ganz eigenes Format kreiert.

Mit Der wilde wilde Westen begann Mel Brooks 1972 seine Parodieserie – in diesem Fall auf den Western. Und dass der Originaltitel Blazing Saddles (Lodernde Sättel) viel mit den Bohnen zu tun hat, die die Cowboys am Lagerfeuer essen, liegt auf der Hand.

Es folgten die Monsterfilm-Parodie Frankenstein Junior (1974), die Stummfilm-Hommage Silent Movie (1976) und 1977 die Hitchcock-Persiflage Höhenkoller, die durchaus subtil auch die ästhetische Handschrift des Meisters aufs Korn nahm. In Mel Brooks – Die verrückte Geschichte der Welt parodiert er Monumentalfilme und in Dracula – Tot aber glücklich (1995) die Welt der Blutsauger.

Hitler In den vergangenen Jahren hat es immer wieder Diskussionen darüber gegeben, ob man Adolf Hitler als Witzfigur darstellen darf. Brooks, der Jude, der als Corporal im Zweiten Weltkrieg gegen Nazideutschland kämpfte, hat sich nie darum geschert. In seinem ersten Film aus dem Jahr 1968, Frühling für Hitler – im Original wesentlich dezenter The Producers – ging es um zwei Musicalproduzenten, die mit einer Naziklamotte einen unbedingten Misserfolg landen wollen.

Sie erreichen aber das Gegenteil. Schon in der Eröffnungsszene tanzt ein SS-Ballett zu einem Song, in dem es heißt: »Frühling für Hitler und Deutschland/ Winter für Polen und Frankreich.« Für das Drehbuch erhielt Brooks einen Oscar. Mehr als drei Jahrzehnte hat es gedauert, bis aus dem Film über ein Musical tatsächlich ein hochdekoriertes Broadway-Musical wurde: 2001 hatte The Producers Premiere.

Brooks selbst hat Hitler in dem – nicht von ihm inszenierten – Remake von Sein oder Nichtsein (1983) gespielt, in einem surrealen Rap. Er hat das eine »umgekehrte Machtergreifung« genannt und in einem Interview gesagt: »Über Hitler darf man sich lustig machen, weil man ihn so am besten auf Normalmaß zurechtstutzen kann.«

Er hat aber auch ernste Filme produziert: David Lynchs Regie-Durchbruch Der Elefantenmensch (1980) oder David Cronenbergs Die Fliege (1986) etwa. Und das so kommentiert: »Ernste Filme muss man denen überlassen, die keine lustigen drehen können.«

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