Meinung

Kollegah und der Holocaust

»Kollegahs Aussage ist antisemitisch und spricht für sich«: Benny Fischer Foto: BF

Meinung

Kollegah und der Holocaust

Der Rapper fällt erneut mit antisemitischen Statements auf

von Benny Fischer  15.11.2018 18:35 Uhr

Einen Monat vor der Veröffentlichung seines neuen Albums ist für Felix Blume alias Kollegah wieder einmal die heiße Promophase angebrochen – und mit seinem neuen Interview vom 9. November ist die Akte Kollegah nun um ein weiteres Kapitel dicker geworden.

Wir erinnern uns: Zuvor rappte Felix Blume wiederholt antisemitische Verse, bekam trotz aller Kritik den Musikpreis Echo verliehen und entledigte sich dann während eines kurzen Besuchs der KZ-Gedenkstätte Auschwitz aller Sünden – natürlich alles schön medienwirksam.

Kollegahs Aussage ist nicht nur per definitionem antisemitisch, sie spricht vor allem auch für sich.

Jetzt spricht Felix Blume im Interview Klartext: Er habe »dem Volk mit der Abschaffung des Echos auch etwas Gutes getan«. Danach stellt er sich zunächst als Opfer einer Hetzkampagne dar, um im selben Atemzug zu postulieren, dass in den palästinensischen Gebieten genau das Gleiche geschehe »wie bei uns damals in Deutschland – nämlich während des Holocaust«.

SCHOA Nach seinen Krokodilstränen in Auschwitz tritt Kollegah also auch beim Holocaust nochmal kräftig nach. Er relativiert die Verbrechen der Nazis und dämonisiert zugleich den jüdischen Staat. Die Aussage ist nicht nur per definitionem antisemitisch, sie spricht vor allem für sich. Ob es sich hierbei also auch um beabsichtigten Völkermord handele, fragt der Moderator. »Natürlich, dass weiß doch jeder«, betont Blume.

Der Fall erinnert an den französischen Comedian, Dieudonné. Diese Melange aus Israelhass, Holocaustrelativierung und Verschwörungstheorien kommt einfach gut an – und jede weitere Klage aus der jüdischen Gemeinschaft garantiert neue Verkaufsrekorde.

Seine Argumentationsweise und die Selbstdarstellung als Opfer erinnern an die Polemik der vermeintlich neuen Rechten.

Später wird Blume im Interview auf sein Video zu »Apokalypse« angesprochen, in dem der Teufel Davidstern trägt und Banken steuert. Der einzige Weg aus dieser Dystopie führt zum Miteinander aller Regionen, nur Juden finden im Bild seines utopischen Endzustands – ausgerechnet in Jerusalem – keinen Platz. Blume, der sich erneut falsch verstanden fühlt, entgegnet, »dass man sich das Werk im Gesamtkontext anschauen« müsse.

Gerichte Doch seine Argumentationsweise und die Selbstdarstellung als Opfer erinnern an die Polemik der vermeintlich neuen Rechten. Die jüngsten Aussagen machen es jedenfalls immer einfacher, den Gesamtkontext zu verstehen. Nehmen wir ihn deshalb beim Wort, denn er meint, was er sagt. Schenken wir ihm keine Promo, indem wir über jedes Stöckchen springen, und überlassen wir den überstehenden faulen Rest den Gerichten.

Die breite Gesellschaft aber, allen voran die Hip-Hop-Szene, muss jetzt klare Kante zeigen. Kollegahs Album wird übrigens von Warner Music vertrieben. Neben Blume hören also auch deutsche Major-Labels nichts mehr vom Nachklang des Echos.

Eröffnung

Museum Zwangsarbeit zeigt Ausstellung zu »unerwünschten Kindern«

Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern im NS-Regime waren verboten. Trotzdem gab es diese Kontakte ebenso wie Kinder aus diesen Beziehungen. Eine Ausstellung in Weimar widmet sich den Geschichten der betroffenen Eltern und Kindern

 30.10.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  30.10.2026

Literatur

»Empfänger unbekannt«: Wenn ein Freund zum Feind wird

Die judenfeindlichen Novemberpogrome von 1938 jähren sich zum 88. Mal. Anlass, die Geschichte »Empfänger unbekannt« aus demselben Jahr zur Hand zu nehmen. Darin schlägt ein Jude zurück, mit überraschenden Mitteln

von Leticia Witte  30.10.2026

München

Julia Klöckner: Verteidigung jüdischen Lebens Aufgabe für alle

Jüdische Kultur ist in Deutschland tief verwurzelt. Zum 40. Mal wollen die Kulturtage diesen Reichtum würdigen. Für die Bundestagspräsidentin ein Anlass zu Mahnung und Hoffnung

 30.10.2026

Frankfurt

Eine Akademie für Deutschland

Am Montag wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  30.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Bettina Piper, Imanuel Marcus  29.10.2026

Auszeichnung

Shimon-Peres-Preis für deutsch-israelische Projekte

Für einen Dialog in Krisenzeiten werden jetzt zwei deutsch-israelische Projekte ausgezeichnet. Der Preis erinnert an den Friedensnobelpreisträger und israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres

 29.10.2026

Kulturkolumne

Tikkun Olam am Abend

Das Geheimnis der Waldschnepfe

von Sophie Albers Ben Chamo  29.10.2026

Tel Aviv

Gal Gadot will mit ihrer Familie nach Israel zurückkehren

Die Hintergründe

 29.10.2026