Trauer

Königin der Schlagzeilen

Zsa Zsa Gabor (1917–2016) Foto: dpa

Berühmt war sie weniger für ihr Schauspieltalent denn für ihre Selbstinszenierung als Glamourgirl. Ein Blick auf ihre Filmografie verrät, dass sie fast ausschließlich in heute wohl zu Recht vergessenen Werken mitgewirkt hat. Prominente Ausnahmen sind John Hustons Moulin Rouge (1952) und Orson Welles‘ Im Zeichen des Bösen (1958), in dem sie allerdings nur eine kleine Rolle als Nachtklubbesitzerin spielte.

In die Schlagzeilen geriet Zsa Zsa Gabor vielmehr wegen ihrer zahlreichen Skandale, Scheidungen, Beleidigungsprozesse und Affären – darunter mit Mustafa Kemal Atatürk, Sean Connery, Richard Burton und Frank Sinatra.

bonmots Doch auch für ihre Bonmots war sie berühmt, mit denen sie ihre Ansichten zum Thema Ehe und Männer kundtat: »Ein Mann mit einem großen Bankkonto kann gar nicht hässlich sein«, »Ich bin eine wunderbare Haushälterin: Jedes Mal, wenn ich einen Mann verlasse, behalte ich sein Haus« oder »Der beste Freund einer Ehefrau ist nicht der Diamant, sondern ihr Scheidungsanwalt«. Mit dieser Lebensphilosophie wurde sie zumindest sehr reich.

Zsa Zsa Gabor war die Tochter des ungarischen Gardeoffiziers Vilmos Gábor und der Schauspielerin Janci Tilleman Gábor, beides Juden. Sie studierte an der Wiener Musikakademie und wurde 1934 von dem Tenor Richard Tauber entdeckt, der ihr eine Gesangsrolle in der Operette Der singende Traum vermittelte. 1936 gewann sie den Wettbewerb zur Miss Ungarn. 1941 emigrierte Gabor in die USA und spielte in zahlreichen kleineren Filmen und mehreren Fernsehproduktionen mit. 2004 wurde sie mit der Aufnahme in die »B-Movie Hall Of Fame« geehrt.

schicksalsschläge Ihre letzten Lebensjahre waren von Schicksalsschlägen geprägt. Im Jahr 2002 erlitt sie einen Verkehrsunfall auf dem Sunset Boulevard in Los Angeles und saß seitdem im Rollstuhl. Schließlich wurde sie von dem Anlagebetrüger Bernie Madoff um einen großen Teil ihres Vermögens gebracht.

Bis zuletzt war Zsa Zsa Gabor mit Frédéric Prinz von Anhalt verheiratet, ihrem neunten oder zehnten Ehemann, je nachdem, ob man ihre annullierte Ehe mit Felipe de Alba mitzählt. Am 18. Dezember starb Zsa Zsa Gabor nach langer Krankheit im Alter von 99 Jahren in ihrer Villa in Los Angeles an den Folgen eines Herzinfarkts.

Kulturkolumne

Heißt David demnächst »Dschihad«?

Warum Michelangelo heute nie den Goldenen Löwen der Kunstbiennale-Jury von Venedig bekommen hätte

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026

Meinung

Warum Erwin Rommel kein Vorbild für die Bundeswehr sein kann

Der Mythos vom ritterlichen »Wüstenfuchs« überlagert bis heute die wahre Geschichte hinter dem Nazi-General. Umso dringender ist eine Beschäftigung mit seiner Biografie

von Benjamin Ortmeyer  07.05.2026

Kino

Historiendrama: »Andor Hirsch« - Ein jüdischer Junge im Nachkriegs-Ungarn

»Andor Hirsch« ist ein Historiendrama um einen jüdischen Jungen, der im Ungarn der 1950er Jahre mitten in den Nachwehen des gescheiterten Volksaufstands in eine Identitätskrise gerät - als er erfährt, wer sein Vater ist

von Kira Taszman  07.05.2026

Zahl der Woche

60 bis 75 Minuten

Fun Facts und Wissenswertes

 07.05.2026

Satire

Wie die Jüdische Allgemeine in 80 Jahren entsteht

Die KI braucht keinen Urlaub und macht nie Fehler: Eine Vorausschau

von Ralf Balke  07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 18 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Presse

Laut und deutlich

Jüdische Zeitungen verstanden sich stets als Stimme ihrer Leserschaft. Daran hat sich auch in Deutschland bis heute wenig geändert

von Philipp Lenhard  07.05.2026

Presse

Stimme des Neubeginns

Anfang 1946 kehrten Karl und Lilli Marx aus dem britischen Exil nach Deutschland zurück und übernahmen in Düsseldorf die Herausgeberschaft eines jüdischen Gemeindeblattes. Im Laufe der Jahre ging daraus die Jüdische Allgemeine hervor. Porträt eines Vermittlerpaares

von Ralf Balke  07.05.2026