Hören!

»Klezmer Kings«

Selbst gestandene Klezmermusiker räumen inzwischen ein, dass mit ollen Schtetl-Kamellen kein Hund mehr hinterm Pripetschik hervorgelockt, geschweige denn Reibach mit CD- und Konzertkartenverkauf gemacht werden kann. Und dennoch hat der Klarinettist David Orlowsky jetzt ein reines Klezmeralbum mit 15 traditionellen Titeln auf den Markt gebracht.

Nummern wie »Oifn Pripezik«, »Papirosn« oder »Nifty’s Freilach« sind eigentlich Ohrwürmer, die man schon bis zum Überdruss gehört hat. Doch was zunächst wie eine müde musikalische Nostalgie-Pflichtübung anmutet, entpuppt sich beim genauen Hören als das glatte Gegenteil. Orlowskys Album mit dem Titel Klezmer Kings bietet herzergreifend schöne Musik, die großartig gespielt wird.

klarinettisten Klezmer Kings ist eine Hommage an zwei der größten Klezmerklarinettisten aller Zeiten: Dave Tarras (1897–1989) und Naftule Brandwein (1884–1963), die – wiewohl scharfe Konkurrenten, ja sogar persönliche Feinde – beide den amerikanischen Klezmer des 20. Jahrhunderts geprägt haben.

Der 1981 in Tübingen geborene David Orlowsky spielt seit Jahren im Trio mit Jens-Uwe Popp (Gitarre) und Florian Dohrmann (Kontrabass). Dieses Eingespieltsein führt zu einem hörbar »blinden« Verständnis untereinander. Eine derartige kompakte Interaktion zwischen drei Musikern kennt man sonst vor allem von zeitgenössischen Jazz-Trios.

Das ist in diesem Fall nur folgerichtig. Dass Dave Tarras und Naftule Brandwein als Teil der riesigen aschkenasischen Einwanderungswelle in die USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Geburtsstunde des Jazz gewissermaßen hautnah miterlebten, wird angesichts dieses Albums sonnenklar. Man muss sich heutzutage vielleicht Sorgen um die Einkommensverhältnisse von Klezmermusikern machen. Für ihre Musik gilt das nicht.

David Orlowsky Trio: »Klezmer Kings – A Tribute«. Sony Classical 2014

Programm

Lebenswille, musikalische Soiree und Fußball unterm Hakenkreuz: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 14. Mai bis zum 21. Mai

 19.05.2026

Analyse

Warum Israel beim ESC so erfolgreich war

Gegen Israels Teilnahme am ESC gab es viele Proteste, doch die Zuschauer stimmten am Ende überaus oft für den Beitrag ab. Wie passt das zusammen? Eine Analyse zum Voting-System, zur Werbung und dem Beitrag selbst

von Daniel Zander  19.05.2026

Kultur

Wer ist »Michelle«? Das Geheimnis hinter Israels ESC-Song

Noam Bettans Lied klingt wie eine Trennungsgeschichte – doch viele interpretieren den Text anders: Als die komplizierte Beziehung des jüdischen Volkes zu Europa

von Sabine Brandes  19.05.2026

New York

Bob Dylan - Der geniale Sonderling

Protestlieder, elektrischer Rock, Country-Alben, religiöse Musik. Die Welt hat ihm einige der einflussreichsten Musikstücke zu verdanken. Eine Ikone wollte er aber nie sein

von Anne Pollmann  19.05.2026

Berlin/Paris

Berliner Fotograf dokumentiert Pariser Juden-Deportation

Lange Zeit unbekannte Fotos zeigen, wie Pariser Juden 1941 ahnungslos einer Vorladung folgten – und in den Abgrund geführt wurden. Was der Harry Croner dabei dokumentierte

 19.05.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« erhält Tacheles-Preis

Der Tacheles-Preis wird alle zwei Jahre an Personen oder Organisationen verliehen, die sich für die Sicherung einer jüdischen Zukunft in Deutschland einsetzen. Die Laudatio hält der neue WELT-Chefredakteur Helge Fuhst

 18.05.2026

Ehrung ohne Preisträgerin

Nach Knieverletzung: Barbra Streisand sagt Cannes-Besuch ab

In Frankreich wollte sie die Ehrenpalme entgegennehmen. Nun hört die Sängerin und Schauspielerin aber auf ihre Ärzte. Das Filmfestival will die Ikone trotzdem ehren

 18.05.2026

Geburtstag

Bob Dylan wird 85: Genie, Grenzgänger und niemals greifbar

Die berühmte Frage in seinem bekanntestem Song lehnt sich direkt an diese Geschichte an: Wie fühlt es sich an, ohne ein Heim zu sein, wie ein völlig Unbekannter, wie ein rollender Stein?

von Paula Konersmann  18.05.2026

Meinung

Die Israel-Allergie der ARD

Douze Points für Israel - und dann Schweigen

von Guy Katz  17.05.2026