Bayern

Keine Entfernung von historischen »Judensau«-Plastiken

Stein des Anstoßes: »Judensau«-Relief an der Stadtkirche Wittenberg Foto: Gregor Zielke

Bayern

Keine Entfernung von historischen »Judensau«-Plastiken

Stattdessen sollen sich in Zukunft alle Beteiligten vor Ort mit den Schmähfiguren auseinandersetzen

 08.12.2020 15:42 Uhr

Historische antijüdische Plastiken an Kirchen in Bayern sollen nicht entfernt werden. Die Darstellung der sogenannten »Judensau« an Gotteshäusern und Gebäuden müsse aber »sichtbar und gut erkennbar« eingeordnet werden, betonte am Dienstag Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle (CSU) in München. Darauf einigten sich der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden, Vertreter der christlichen Kirchen und staatlicher Einrichtungen.

Im Freistaat gibt es ein rund ein Dutzend solcher »Judensau«-Darstellungen. Dabei handelt es sich meist um antijüdische Skulpturen aus dem Mittelalter in Form von Wasserspeiern, Schnitzereien oder Reliefs.

Der Runde Tisch habe sich einstimmig gegen eine Demontage ausgesprochen. Wenn die Skulpturen aus dem Kontext gerissen würden, wäre eine Erläuterung nur schwer möglich, erklärte Spaenle. Außerdem könnten die Darstellungen dann nicht mehr ihre mahnende Funktion erfüllen.

Stattdessen sollen sich in Zukunft alle Beteiligten vor Ort mit den Schmähfiguren auseinandersetzen. Für jedes Objekt müsse der geistes-, kultur- und kirchengeschichtliche Kontext erklärt und vertiefende Informationen beispielsweise über einen QR-Code zur Verfügung gestellt werden. dpa

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