Hollywood

Jüdische Oscar-Hoffnungen

Kieran Culkin (l.) und Jesse Eisenberg in »A Real Pain« Foto: © 2024 Searchlight Pictures

Nach dem Oppenheimer-Siegeszug bei den Academy Awards 2024 klotzt erneut die Verfilmung eines jüdischen Lebens mit Nominierungen, wenn auch diesmal eine fiktive: Zehn Mal hat Der Brutalist – über den Neuanfang des Architekten und Schoa-Überlebenden László Tóth in den USA – Chancen auf einen Oscar. Dicht gefolgt vom Biopic Like a Complete Unknown über den singenden Poeten Bob Dylan, gespielt vom Leinwandstar Timothée Chalamet, mit acht. Darunter in den Königsdisziplinen Bester Film und Beste Regie. Natürlich treten Chalamet und Brutalist-Hauptdarsteller Adrien Brody auch in der Kategorie Bester Hauptdarsteller an. Der Brutalist-Filmkomponist Daniel Blumberg ist für die Beste Originalmusik nominiert.

Der deutlich kleinere, aber nicht zu unterschätzende Film A Real Pain – geschrieben und inszeniert von Jesse Eisenberg (Fleishman Is In Trouble) – darf immerhin zweimal hoffen: Eisenberg wurde für das Beste Drehbuch nominiert und Kieran Culkin (Igby) als Bester Nebendarsteller. A Real Pain erzählt vom emotionalen und epigenetischen Gepäck zweier Cousins, die auf Erinnerungstour durch Polen fahren, wo die Großmutter die Schoa überlebte.

Dann ist da noch das Screwball-Drama Anora. »Vanity Fair« nennt die Liebesgeschichte zwischen einer Prostituierten und einem Oligarchensohn »eine wilde, profane Explosion«. Fünf Nominierungen gab es dafür. Eine davon für Hauptdarstellerin Mikey Madison.

In der Kategorie Bester Dokumentarfilm wurde das umstrittene Werk No Other Land nominiert, der Film eines israelisch-palästinensischen Regiekollektivs über den Nahostkonflikt. Das Dokudrama September 5 über das Massaker an israelischen Sportlern bei den Olympischen Spielen 1972 in München durch palästinensische Terroristen wurde für das Beste Originaldrehbuch nominiert.

Diese Oscars sind zudem ein Fest für den Bühnen-Hit Wicked, der es endlich auf die Leinwand geschafft hat und mit zehn Nominierungen ins Rennen geht. Produzent Marc Platt hat Chancen auf den Oscar für den Besten Film, Komponist Stephen Schwartz ist für die Beste Originalmusik und Myron Kerstein für den Besten Schnitt nominiert.

Schließlich tritt Diane Warren in der Kategorie Bester Originalsong mit »The Journey« an. Am 3. März wissen wir mehr.

Zahl der Woche

1:28,31 Minuten

Funfacts & Wissenswertes

 24.03.2026

Berlin

Holocaust: Ausstellung über das Mitwissen der Deutschen

Nach den beispiellosen Verbrechen der Nationalsozialisten sagten viele, das habe man nicht gewusst. Wie glaubwürdig war das? Die Topographie des Terrors in Berlin widmet sich der Frage

 24.03.2026

Sachsen

Rund 1000 Veranstaltungen zum »Jahr der jüdischen Kultur«

Unter dem Titel »Tacheles« steht in Sachsen 2026 das jüdische Leben im Mittelpunkt. Zahlreiche Akteure beteiligten sich. Das Programm wächst noch immer

von Katharina Rögner  24.03.2026

Lebende Legende

Barry Manilow kündigt erstes Studioalbum seit fast 15 Jahren an

Stilistisch soll das Werk verschiedene Richtungen verbinden – von klassischen Balladen bis hin zu Elementen aus R&B, Rock und Gospel

 24.03.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« reagiert auf Rüge des Deutschen Presserats

19 Rügen verteilt der Presserat an die deutsche Medienlandschaft. Eine davon geht an die »Jüdische Allgemeine« - wegen angeblicher gravierender Ehrverletzung eines in Gaza getöteten Journalisten

 23.03.2026

Hollywood

»Enigma Variations«: Aaron Taylor-Johnson übernimmt Hauptrolle in neuer Serie

Im Zentrum der Handlung steht eine Figur namens Paul, deren Leben durch verschiedene Beziehungen geprägt wird. Die Geschichte beleuchtet Fragen von Identität, Begehren und Liebe

 23.03.2026

Filmklassiker auf der Bühne

Premiere in Hamburg: »Zurück in die Zukunft« als Musical

In den 1980er-Jahren war der Film ein Riesenerfolg. Als Musical feierte die Komödie am Wochenende in Hamburg Premiere. Bob Gale, der jüdische Co-Autor der Filmtriologie, schrieb das Musical

 23.03.2026

Jubilar

»Mikrofon für die Seele«: Klezmer-Musiker Giora Feidman wird 90

Giora Feidman hat die jüdische Klezmer-Tradition in den Konzertsaal gebracht. In einfachen Liedern findet er große spirituelle Tiefe. Mit seiner Musik will der Klarinettist Menschen verbinden – und pflegt bei seinen Konzerten ein bestimmtes Ritual

von Katharina Rögner  23.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Mit Fran Lebowitz und Larry David in der Ringbahn – ein Traum

von Katrin Richter  22.03.2026