Frankfurt am Main

Im Zeichen des Wiederaufbaus

Katja Riemann, Natalie Dessay und Philippe Sands (v.l.) lesen in der Alten Oper Frankfurt aus »Rückkehr nach Lemberg«. Foto: Rafael Herlich

In Frankfurt am Main wurde am Sonntagabend die internationale Konferenz »Displaced« eröffnet. Sie ist eine Kooperation zwischen der Bildungsabteilung des Zentralrats und dem Jüdischen Museum Frankfurt im Rahmen des Festjahres »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«.

»Tragische Geschichten, aber auch Geschichten von Mut und Pionieren« prägten die ersten Nachkriegsjahre aus Sicht der Juden Europas, sagte Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er verwies auf das Leid, das jüdischen »Displaced Persons« und ihren Familien in der Schoa widerfahren war.

Diese Geschichten trügen, so Dainow, die Zeichen von menschlichen und kulturellen Verlusten sowie Traumatisierungen, die auch auf folgende Generationen übertragen worden seien. Doch zugleich stünden die ersten Nachkriegsjahre auch für einen jüdischen Wiederaufbau.

FLUCHT Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, sagte am Eröffnungsabend, die im Fokus der Tagung stehenden Jahre 1945 bis 1948 seien für viele Menschen in Europa von Gewalt, Flucht und Vertreibung gekennzeichnet gewesen. »Dies gilt insbesondere für jüdische Überlebende der Schoa.«

Die meisten Überlebenden hätten daher Europa verlassen. Häufig habe ihre Weiterreise in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina geführt. Diejenigen, die geblieben seien, bauten neue jüdische Gemeinden auf und dokumentierten die NS-Verbrechen, deren Zeuge und Opfer sie und ihre Familien geworden waren.

Die Entstehung der Rechtsbegriffe »Genozid« und »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« stand am Eröffnungsabend im Mittelpunkt einer musikalisch untermalten, performativen Lesung aus Philippe Sands‘ Buch Rückkehr nach Lemberg, an der neben Sands unter anderen auch die Schauspielerin Katja Riemann teilnahm.

Die ausschließlich digital zugängliche Tagung wird am Montag und Dienstag mit Vorträgen, Podiumsgesprächen und Lesungen im Jüdischen Museum fortgesetzt und bildet zugleich den Abschluss der dort gezeigten Ausstellung Unser Mut: Juden in Europa 1945-48. el

Lesen Sie mehr am Donnerstag in der Printausgabe der Jüdischen Allgemeinen.

Kino

»Disclosure Day«: Steven Spielberg bringt neuen Alien-Film ins Kino

Der jüdische Regisseur legt mit seinem neuen Sci-Fi-Drama ein geheimnisvolles Werk vor, das einen ganz neuen Ansatz verfolgen soll

 02.02.2026

Meinung

TV: Antisemitismus auf Sendung

RTL zeigte ein Video zu einem »Betrüger-Gen« von Gil Ofarim – ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag. Das muss Konsequenzen haben

von Ayala Goldmann  02.02.2026

TV

»Stefan Raab Show« unterstellt Gil Ofarim »Betrüger-Gen«

In seiner »Dschungelcamp«-Nachlese greift der Showmaster in einem Einspieler auf antisemitische Stereotype zurück

von Ralf Balke  02.02.2026

Los Angeles

Jack Antonoff gehört zu den jüdischen Grammy-Gewinnern

Der Sänger, Songschreiber und Produzent aus New Jersey war mehrfach nominiert. Welche Juden gewannen noch?

von Imanuel Marcus  02.02.2026

Fernsehen

»Du bist ein kranker Lügner«

Ariel attackiert Gil Ofarim und Mirja muss raus: So war die zehnte Folge des Dschungelcamps

von Martin Krauß  01.02.2026

"Dschungelcamp"

Gil Ofarim: »Auch ich will ’ne Antwort - vom deutschen Justizsystem«

Musiker Gil Ofarim steht wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit

von Britta Schultejans  01.02.2026

Musik

»Ich werde alles geben«

Noam Bettan, Israeli mit französischen Wurzeln, vertritt sein Land beim Eurovision Song Contest in Wien

von Sabine Brandes  01.02.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Veränderung oder Die Welt von gestern ist nicht mehr

von Nicole Dreyfus  01.02.2026

TV

Was der Dschungel mit den Primaries zu tun hat

»Ich habe halt seeehr wenig Follower«, sagt Nicole Belstler-Boettcher als sie das Camp verlassen muss. Das Dschungelcamp serviert uns in ungewöhnlichem Rahmen einiges zur Demokratietheorie

von Martin Krauß  01.02.2026