Trauer

Hilde Zadek ist tot

Hilde Zadek (1917–2019) Foto: dpa

Trauer

Hilde Zadek ist tot

Sie stand in den wichtigsten Opernhäusern auf der Bühne. Nun ist die Sopranistin mit 101 Jahren gestorben

von Fabian Nitschmann  23.02.2019 18:49 Uhr

Zu ihren glanzvollsten Partien zählten etwa die Aida, die Tosca oder die Ariadne in Ariadne auf Naxos von Richard Strauss. Doch das Repertoire von Hilde Zadek war weitaus größer, auch zahlreiche Operetten gehörten dazu. Zwischen 1947 und 1971 trat die bedeutende Sopranistin in allen wichtigen Opernhäusern auf, ehe sie sich von der Bühne zurückzog. Am Donnerstag ist Hilde Zadek im Alter von 101 Jahren in Karlsruhe gestorben.

Besonders verbunden war Zadek mit der Wiener Staatsoper, deren Ehrenmitglied sie ist. Am 3. Februar 1947 debütierte sie als Aida in einer Aufführung des Ensembles im Theater an der Wien – neben der Volksoper eine Ausweichbühne der im Krieg zerstörten Staatsoper. Schnell wurde sie zu einer wichtigen Säule des Ensembles und zu einem Opernstar überhaupt. Allein die Aida verkörperte sie mehr als 70-mal. Später erzählte sie, dass sie die Rolle vor ihrem Debüt innerhalb einer Woche gelernt habe.

Ikone »Mit ihr hat uns nun eine weitere Staatsopernikone des 20. Jahrhunderts verlassen, eine bedeutende Künstlerin, die das Nachkriegsensemble der Staatsoper repräsentierte wie wenige, eine legendäre Pädagogin, die Generationen prägte«, sagte Staatsoperndirektor Dominique Meyer. »Wir werden Hilde Zadek – unseren Sonnenschein, wie ich sie nennen durfte – vermissen.«

1935 musste Hilde Zadek Deutschland verlassen und flüchtete nach Palästina.

»Die Zadek«, wie die Sopranistin auch lange nach ihrer Bühnenzeit noch respektvoll genannt wurde, wurde am 15. Dezember 1917 als Kaufmannstochter in Bromberg (Provinz Posen, heute Bydgoszcz) geboren und ging in Stettin zur Schule. 1935 musste die Jüdin Deutschland verlassen und flüchtete nach Palästina, wo sie als Säuglingsschwester arbeitete, um sich ihr Gesangsstudium bei Rose Pauly und an der Musikakademie Jerusalem zu finanzieren.

Konservatorium Nach Kriegsende setzte Zadek ihren Unterricht am Konservatorium in Zürich fort. Dort entdeckte sie Franz Salmhofer, damals Direktor der Wiener Staatsoper. Er holte sie nach Wien. Nach ihrem Debüt in der Rolle der Aida folgten die verschiedensten anspruchsvollen Partien wie die Desdemona, die Marschallin im Rosenkavalier oder die Chrysothemis in Elektra. Sie trat an allen großen Opernhäusern der Welt und bei den bedeutendsten Festivals auf. Zwischen 1947 und 1971 sang Hilde Zadek nach Angaben der Wiener Staatsoper 39 Rollen in 37 verschiedenen Opern. 1971 verabschiedete sie sich von der Bühne.

Seitdem war sie in Österreich und international als Gesangslehrerin tätig. Von 1964 bis 1978 leite sie etwa die Gesangsabteilung am Konservatorium der Stadt Wien. 2012 erhielt sie das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Seit einigen Jahren wird zudem ein nach ihr benannter internationaler Gesangswettbewerb ausgetragen. Für April 2019 ist die elfte Ausgabe geplant.

 

 

 

 

New York

John Legend spielt Harry Belafonte in neuem Film

»The Road Home« bringt die Geschichte der Musiker Hugh Masekela, Miriam Makeba und Harry Belafonte auf die Leinwand. Die Soul-Größe John Legend sieht seine Rolle als Privileg

 31.07.2026

London

Nach Protesten gegen sein Lied über Israel: Boy George tritt nicht mehr im London Palladium auf

Die Hintergründe

 31.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  30.07.2026

Kulturkolumne

»Absteiger« oder Zünglein an der Waage?

Israelis im Ausland und die Wahl am 27. Oktober: Expats, bucht einen Flug!

von Ayala Goldmann  30.07.2026

London

Gericht verurteilt Amy Winehouses Vater zu Millionenzahlung nach gescheiterter Klage

Mitch Winehouse muss das Geld an zwei langjährige Vertraute seiner Tochter überweisen

 30.07.2026

Beziehungen

Es geht nicht um Leben oder Tod

Gute Freunde sind ein Geschenk. Und wenn es Krach gibt, sollte man tief durchatmen – und ein paar Tage später wieder anrufen

von Adriana Altaras  30.07.2026

Zahl der Woche

7 Wochen

Fun Facts und Wissenswertes

 28.07.2026

Literatur

Von der Liebe in Zeiten der ’Ndrangheta

In seinem Tatsachenroman erzählt der italienisch-jüdische Autor Roberto Saviano die Geschichte einer verschwundenen Frau

von Knut Elstermann  28.07.2026

Aufgegabelt

Marokkanische Bällchen

Rezepte und Leckeres

 28.07.2026