Medizin

Heilender Kälteschock

Das ist die Zukunft», erklärt Hezi Himmelfarb voller Euphorie. Der Grund für seine Freude ist eine gelungene Testreihe in Japan. «Dort haben wir im klinischen Versuch sehr erfolgreich kleinere Karzinome mithilfe des Kryoablationsverfahrens zerstören können. Ein chirurgischer Eingriff war also gar nicht mehr nötig», erklärt der Chef des jungen israelischen Meditech-Unternehmens IceCure.

Dahinter verbirgt sich eine Behandlungsmethode, die bereits seit Jahren aus der Kardiologie bekannt ist und dort zur Korrektur physiologisch bedingter Herzrhythmusstörungen angewendet wird. Zum Einsatz kommt dabei ein Katheder, dessen Spitze Temperaturen von bis zu minus 75 Grad erzeugt, wodurch dem umliegenden Gewebe Wärme entzogen wird und genau jene Herzmuskelzellen manipuliert werden, die für die Unregelmäßigkeiten des Organs verantwortlich sind. Der Patient spürt während der Behandlung so gut wie nichts.

Vereist «Das IceCure3-System ist eine Weiterentwicklung unserer seit über einem Jahr bewährten Technik», erklärt Himmelfarb. Denn bereits im Dezember 2010 erhielt das im Jahr 2006 gegründete israelische Unternehmen aus Caesarea von der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA den offiziellen Segen für seine Kälteschockmethode.

Seither behandeln Ärzte in den USA auch auf diese Weise gutartige Geschwüre in der weiblichen Brust, die sogenannten Fibroademone. Nur eine örtliche Betäubung ist notwendig, wenn das ultraschallgesteuerte Gerät die entsprechenden Stellen mit Eis umhüllt und damit unschädlich macht. Zwischen fünf und 15 Minuten dauert das Ganze, anschließend kann die Patientin die Klinik sofort wieder verlassen. Eine Nachbehandlung ist im

«Es gibt wohl keine einzige Frau der Welt, die gerne jeden Morgen nach dem Aufstehen einen Knoten in ihrer Brust ertastet, selbst wenn sie genau weiß, dass dieser nur eine gutartige Verdickung des Bindegewebes ist», meint Himmelfarb. «Die Angst bleibt weiterhin, dass sich dahinter möglicherweise ein richtiges Krebsgeschwür versteckt. Daher will man diese Geschwulst unbedingt loswerden.» Zwei Monate nach der Zulassung durch die FDA wagte IceCure den Gang an die Börse in Tel Aviv und konnte dabei 10,5 Millionen Dollar einspielen.

IceCure3 Die Beseitigung bösartiger Tumore war folgerichtig der nächste Schritt. Und der fand jetzt in Japan statt. Am 1. Juni dieses Jahres hatte Eisuke Fukuma vom Kameda Medical Center in Kamogowa bei den ersten vier Patientinnen mit dem IceCure3 kleinere Krebsgeschwüre unschädlich machen können. Weitere 26 sollen noch folgen. «Diese Methode ist ein bedeutender Fortschritt in der Therapie von Mammakarzinomen in ihrer Entstehungsphase», glaubt er. «Das Kryoablations-Verfahren ist eindeutig die psychologisch und kosmetisch bessere Alternative zu jedem chirurgischen Eingriff.»

Der japanische Mediziner weiß, wovon er spricht. Schließlich hat er bereits vor Jahren 37 Patientinnen mit einer früheren Gerätegeneration eines anderen Anbieters dieser Technik behandelt. «Die Erfolgsquote lag bei 100 Prozent», berichtet Fukuma nicht ohne Stolz.

Nun plant IceCure eine weitere Versuchsreihe in den USA. Eine Zulassung für Europa ist zwar schon erteilt worden, aber bis dato ist dort noch kein Gerät im Gebrauch. «Gerade weil immer mehr Frauen regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen, wird Brustkrebs auch häufiger in einem früheren Entwicklungsstadium entdeckt», erklärt Himmelfarb. «Und dieser kann dann mit IceCure3 schnell und schmerzfrei bekämpft werden.» Zudem lässt sich der Eingriff in einer normalen ärztlichen Praxis oder einem entsprechenden Therapiezentrum ambulant vornehmen, sodass anders als bei konventionellen Operationen auch die anfallenden Kosten deutlich geringer ausfallen.

Statistik Wie wichtig die Forschungen von IceCure sind, das beweisen die Fakten: Allein in den USA sind jährlich über 300.000 Brustkrebsoperationen notwendig. Und in Israel ist, statistisch gesehen, Brustkrebs die häufigste Karzinomerkrankung. Ursache dafür sind unter anderem Mutationen der Gene BRCA1 und BRCA2, die besonders oft bei aschkenasischen Frauen zu finden sind.

Während diese genetischen Abweichungen bei nur 0,3 Prozent aller Menschen vorkommen, haben sie 2,5 Prozent aller Jüdinnen europäischer Herkunft. Genau deshalb erhöht sich für sie die Wahrscheinlichkeit, dass eines Tages ein Mammakarzinom entdeckt wird, um bis zu 80 Prozent.

Und jedes Jahr werden allein in Israel 4.000 Frauen mit dieser schrecklichen Diagnose konfrontiert. 900 Todesfälle sind jährlich zu beklagen. Oder anders gerechnet: Eine von acht israelischen Frauen wird eines Tages in ihrem Leben Brustkrebs bekommen, wobei natürlich Risikofaktoren wie Ernährung, Rauchen oder Umweltbelastungen ebenfalls eine Rolle spielen. Für sie kann der heilende Kälteschock wirklich die Zukunft bedeuten.

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