Hören!

Hebräisch, arabisch, deutsch, musikalisch

Israelischer Weltmusiker: Idan Raichel Foto: Gregor Zielke

Hören!

Hebräisch, arabisch, deutsch, musikalisch

Idan Raichels neues Album »Quarter to Six«

von Jonathan Scheiner  26.08.2013 18:44 Uhr

Mit dem Album The Tel Aviv Session 2012, einer Kollaboration mit dem Sänger Vieux Farka Touré aus Mali, hat der Israeli Idan Raichel gezeigt, dass ihm Multikulti nicht als verkaufsfördernder Beigeschmack dient, sondern dass er die gleichberechtigte Zusammenarbeit mit Musikern aus aller Welt wirklich sucht. Und das meint: gleichberechtigtes Musizieren statt gönnerhaft-postkolonialem Zugriff auf »exotischen Klangzauber«.

tabulos Das gilt auch für die 16 Titel von Raichels neuem Album Quarter to Six. Bei »Achshav Karov« umschwirrt eine mediterrane Ney-Flöte Raichels melancholischen Gesang. »Sabe Deus« ist ein Duett mit der portugiesischen Fadosängerin Ana Moura.

Dass Idan Raichel, wenn es um Erweiterung und Multiplizierung seiner eigenen Musikalität geht, keine politischen oder historischen Tabus kennt, zeigt sich spätestens bei »Ana Ana wa Enta Enta«, das arabisch gesungen wird, und beim Song »In Stiller Nacht« mit dem deutschen Countertenor Andreas Scholl, der Friedrich von Spees barockes Lied in gewohnt meisterhafter Manier singt. Deutsch zu singen, ist kein Problem für Raichel, dessen Großmutter vom Berliner Alexanderplatz stammt.

Multikulti Natürlich gibt es unter den 16 Songs auch schwächere Nummern. Doch ganz abgesehen vom virtuosen Multikulti-Budenzauber, den Idan Raichel zuweilen zelebriert, zeigt sich auf diesem Album eine kompositorische Klasse, die den Musiker in eine Reihe mit den großen israelischen Songschreibern stellt.

Ob Idan Raichel allerdings eine Nachhaltigkeit erreichen kann wie Arik Einstein, Shalom Hanoch oder Matti Caspi, ob er Songs schreibt, die in Israel jedermann »aus tiefster Seele« mitsingen kann, das wird die Zeit zeigen. Vielleicht hat er mit diesem Album ja nicht nur den richtigen Ton getroffen, sondern auch den Nerv seiner Landsleute. Die Chancen dafür stehen gut.

Idan Raichel: »Quarter to Six«. Cumbancha Records 2013/Indigo (kommt in Deutschland im Oktober heraus, auf iTunes bereits erschienen)

Kinder

Noah, Ben oder Lea?

Warum sich biblische Namen im deutschsprachigen Raum großer Popularität erfreuen

von Nicole Dreyfus  26.08.2026

Ludwigshafen

Neue Ausstellung zu Ernst und Karola Bloch: Fotografische Reise

Eine neue Schau in Ludwigshafen zeigt das ereignisreiche Leben der Familie Bloch zwischen Exil und Heimatsuche anhand des fotografischen Nachlasses – in privaten und öffentlichen Momenten

von Norbert Demuth  26.08.2026

Nachruf

Großmeister der ausgreifenden Erzählung

Mit seinen Epochenromanen prägte er das literarische Bild Europas. Nun ist der vielfach ausgezeichnete Autor Peter Nadas gestorben

von Gregor Mayer  26.08.2026

Bremen

Philosophin Lea Ypi erhält Hannah-Arendt-Preis 2026

Die albanisch-britische Philosophin Lea Ypi erhält den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken 2026. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird im Dezember im Bremer Rathaus verliehen

 26.08.2026

70 Jahre »Bravo«

Dr. Sommers Vermächtnis

Von 1969 bis 1984 war der Arzt Martin Goldstein »Dr. Sommer«, einer der wohl berühmtesten Ratgeber, den der deutsche Journalismus je hatte

von Hanna Persson  26.08.2026

Programm

Vortrag, Führung, Finissage: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 27. August bis zum 3. September

 26.08.2026

Nachruf

Wie Dolly Parton zur Ikone wurde

Die Country-Legende Dolly Parton ist tot. Dass sie zu einem weltweit verehrten Star wurde, lag auch an ihren jüdischen Freunden und Geschäftspartnern

von Sophie Albers Ben Chamo  26.08.2026

Orlando (Florida)

Harrison Ford wird erneut zu Indiana Jones

Diesmal wird der jüdische Darsteller kein Abenteuer auf der Leinwand erleben. Aber worum geht es dann?

 26.08.2026 Aktualisiert

Kommentar

Unpolitisch war gestern

Der ESC unterliegt künftig neuen Regeln für Krisenstaaten, Israel kann nach wie vor am Wettbewerb teilnehmen. Noch ist das keine Lex Israel. Aber der Eindruck entsteht

von Nicole Dreyfus  26.08.2026