Fernsehen

Good Cops

Lustig, aber nicht platt: »HaShoter HaTov« gelingt genau das, woran deutsche Serien allzu oft scheitern. Foto: Netflix

Israel zeigt zunehmend Flagge in Deutschland – jedenfalls auf Netflix. Denn der Streamingdienst baut kontinuierlich sein Angebot an Serien und Spielfilmen aus dem jüdischen Staat aus. Nach der Agenten-Action-Serie Fauda, dem Mehrteiler Shtisel über das Leben einer ultraorthodoxen Familie in Jerusalem, und When Heroes Fly, einer Geschichte über israelische Kriegsveteranen auf der Suche nach einer Totgeglaubten im Dschungel Kolumbiens, zeigt Netflix nun HaShoter HaTov – Der gute Polizist. In der 2015 produzierten Comedyserie dreht sich alles um Danny Konfino, einen leicht neurotischen Gesetzeshüter, der mit inkompetenten Kollegen genauso gestraft ist wie mit einer höchst übergriffigen Familie.

Bereits in den ersten Folgen zeigt sich, warum: Konfino entdeckt, dass seine Frau Dalit ihn betrügt, und das nicht etwa mit einem anderen Mann, sondern mit einer Frau. Daraufhin packt er seine Sachen und zieht in sein altes Kinderzimmer zurück. Als ob das für einen erwachsenen Mann von 40 Jahren nicht schon Demütigung genug wäre, darf er sich nun auch noch mit den Streitigkeiten seiner Eltern herumschlagen sowie mit ihren Versuchen, die Rentenversicherung zu betrügen.

SATIRE Zu allem Überfluss ist Konfinos Bruder ein Kleinkrimineller, der sich einem mafiösen Kartell verschrieben hat, das die Eierpreise in ganz Israel in die Höhe schraubt. Auch mit den Kollegen auf der Polizeiwache ist es nicht immer ganz einfach. Entweder sind sie nur verfressen und zu fett, einem Verbrecher hinterherzujagen, oder aber aufgeblähte Windbeutel, wie sein Vorgesetzter Rabi, der sich ständig die Hände mit pflegenden Lotionen einmassiert und über Beauty-Produkte monologisiert.

Die Polizeiwache ist ein Mikrokosmos der israelischen Gesellschaft.

Doch die Serie ist mehr als nur gute Comedy. Dafür stehen auch ihre Macher Erez und Tomer Aviram sowie der Hauptdarsteller Yuval Semo, die zum Teil schon reichlich Erfahrungen bei der Produktion von Eretz Nehederet gesammelt hatten, der israelischen Politsatiresendung schlechthin. Und genau deshalb berührt HaShoter HaTov zahlreiche soziale und psychologische Ebenen. So ist bereits die Polizeiwache eine Art Mikrokosmos der israelischen Gesellschaft. Der Chef ist selbstverständlich Aschkenase und Dubi, der misrachische Kollege, träge, korpulent und Vater unzähliger Kinder.

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Eine Kollegin gibt es auch, aber als Frau wird sie stets zur Büroarbeit verdonnert und darf allenfalls Konfino unglücklich verliebt anschmachten. Und dem ebenso vorhandenen arabischen Polizisten Razi fahren alle regelmäßig über den Mund, wenn er denn mal etwas sagen will. Doch Klischees wollen nicht nur bedient, sondern auf die Spitze getrieben werden, um so ihre Absurdität zu zeigen.

Ein wunderbares Beispiel dafür ist in Folge elf zu sehen: Razi wird von einem Pferd ins Koma getreten, aus dem er erst nach Stunden wieder erwacht und fortan glaubt, ein religiöser jüdischer Siedler zu sein. Die Kopftuch tragende Mutter ist verzweifelt, weil ihr Sohn sie rassistisch beschimpft, und alle anderen genervt, da er plötzlich auf die 100-prozentige Einhaltung der Kaschrutvorschriften besteht.

INTIM Auch das typisch israelische Verhältnis zur Privatsphäre kommt sehr pointiert zum Ausdruck. Intime Beziehungsgespräche finden gerne im Verhörraum statt, wobei hinter einer einseitig durchsichtigen Spiegelwand dann die versammelte Kollegenschaft hockt und bei Pizza und Popcorn alles mithört und lauthals kommentiert.

Klischees werden nicht nur bedient, sondern auf die Spitze getrieben.

Konfinos nahöstlicher Machismo wird ebenfalls ständig herausgefordert, und das nicht nur durch seine plötzlich lesbisch gewordene Freundin. Denn die nächste Beziehung geht er mit einer Kunststudentin ein, die ihm das Gefühl intellektueller Beschränktheit vermittelt und ihn auch noch zu einem Sexobjekt degradiert. Darüber hinaus hat er als Polizist seine Aggressionen nicht immer im Griff. Erst haut er Anhängern des Brazlawer Rebben Nachman eins auf die Mütze, als diese zu Technomusik tanzend eine Straßenkreuzung blockieren, dann vermöbelt Konfino auch noch einen Hightech-Start-up-Millionär. All das handelt ihm ein Anti-Gewalt-Training bei einem frustrierten Polizeipsychologen ein, der eigentlich dauernd Angst vor dem Polizisten hat.

REZEPT HaShoter HaTov gelingt genau das, woran deutsche Serien allzu oft scheitern: Ganz nonchalant werden gesellschaftliche Konventionen aufgegriffen und wild durcheinandergewirbelt, ohne dass das Resultat moralisierend mit dem Zeigefinger daherkommt, zum bloßen Klamauk verkommt oder die Schauspieler stereotype Rollen erfüllen müssen, die sich bestenfalls ein Sozialkundelehrer hätte ausdenken können. Genau dieser Mangel an Respekt und diese Leichtigkeit sind das Rezept der Erfolgsserie, die wie so oft bei israelischen Produktionen zu einem amerikanischen Remake motivierte.

Der Chef ist selbstverständlich Aschkenase und Dubi, der misrachische Kollege, träge, korpulent und Vater unzähliger Kinder.

Doch trotz prominenter Besetzung – der Sänger Josh Groban spielt einen New Yorker Polizeileutnant und Tony Danza, bekannt aus Wer ist hier der Boss?, einen korrupten Ex-Cop, der aber stets beweisen will, was er als Gesetzeshüter noch so alles drauf hat – floppte die Serie. Vom israelischen Original hingegen wurde 2017 bereits eine zweite Staffel gedreht, die hoffentlich bald auf Netflix gezeigt wird.

»HaShoter HaTov«. Auf Netflix (OmU)

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