Berlinale

»Helen Mirren ist für mich wie eine Jüdin«

Die ehemalige israelische Ministerpräsidentin Golda Meir regierte das Land von 1969 bis 1974. Foto: IMAGO/Cola Images

Berlinale

»Helen Mirren ist für mich wie eine Jüdin«

Regisseur Guy Nattiv reagiert auf die Debatte, ob eine Nichtjüdin die Rolle der israelischen Ministerpräsidentin übernehmen könne

 20.02.2023 17:14 Uhr

Die Besetzung der israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir mit der Nichtjüdin Helen Mirren ist aus Sicht von »Golda«-Regisseur Guy Nattiv kein Problem. »Als ich Helen bei mir zu Hause traf, fühlte sich das für mich an, als würde ich ein Familienmitglied treffen, wie eine Tante«, sagte der Oscar-Preisträger (»Skin«) am Montag in Berlin während der Berlinale. »Als jüdischer, israelischer Regisseur habe ich kein Problem damit.«

Er reagierte damit auf eine Debatte zur Frage, ob Mirren als Nichtjüdin die Rolle von Meir übernehmen könne, die von 1969 bis 1974 Regierungschefin in Israel war. »Für mich fühlte es sich an, als träfe ich eine jüdische Person«, sagte Nattiv. Für ihn sei es nur wichtig gewesen, die Schauspielerin in ein israelisches Team einzubetten, um einen israelischen Film zu machen. Zudem spielten israelische und jüdische Schauspielerinnen und Schauspieler ohne Einschränkungen auf der ganzen Welt.

»Helen ist für mich eine der besten Schauspielerinnen der Welt«, ergänzte Nattiv. Auch Enkelkinder von Meir seien von der Besetzung sehr überzeugt gewesen.

Auch Enkelkinder von Meir seien von der Besetzung sehr überzeugt gewesen, sagte Regisseur Guy Nattiv bei der Berlinale.

Der Film erzählt die Situation während des Jom-Kippur-Kriegs von 1973 zwischen Israel auf der einen und Ägypten, Syrien und anderen arabischen Staaten auf der anderen Seite.

RAUCH Im Film wird viel geraucht. »Das ist auch ein Bild für die Unklarheiten der Situation«, sagte Nattiv. Gleichzeitig wird der Krieg in die Szenen transportiert, ohne dass entsprechende Bilder gezeigt werden. Meir habe nicht zum Militär gehört, sondern sei Politikerin gewesen. Sie sei extrem gefordert gewesen angesichts der zu treffenden Entscheidungen.

Oscar-Preisträgerin Mirren (»Die Queen«) sprach von Meir als »unglaublich starker Person«, die ihr Leben völlig Israel gewidmet habe. »Der Film ist keine Biografie, es geht um den Teil, an dem sie am meisten gefordert wurde.« In der Vorbereitung habe sie viel über Israel und Meir gelesen und Filme gesehen. Die Rolle war zuvor bereits von Ingrid Bergman und und Anne Bancroft verkörpert worden.

Der Krieg habe Israel in einer sehr frühen Phase des Landes getroffen. »Zu dem Zeitpunkt gab es nur wenige junge Menschen in Israel«, sagte die 77-Jährige. »Es war der Verlust einer Generation«, umschrieb sie die Auswirkung auf das Land.

Für die Umsetzung der Rolle verwies Mirren, die im Film kaum noch zu erkennen ist, auf die Bedeutung von Kostümen und Maske. Nattiv sagte zu den Dreharbeiten: »Helen war 35 Tage nicht zu sehen, sondern nur Golda.« dpa

Lesen Sie mehr dazu in der kommenden Printausgabe der Jüdischen Allgemeinen.

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Frankfurt

Eine Akademie für Deutschland

Heute wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  02.11.2026 Aktualisiert

Konferenz in Berlin

Wie die Schlagzeile das Israelbild formt

Bei einem Workshop an der Technischen Universität Berlin gingen Wissenschaftler und Journalisten der Frage nach, wie deutsche Medien über Israel berichten, welche Narrative dabei wirken und wo sich Fehler einschleichen

von Ralf Fischer  01.11.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Der ungelesene Bücherstapel oder Die Bibliografie des idealen Menschen

von Nicole Dreyfus  01.11.2026

Eröffnung

Museum Zwangsarbeit zeigt Ausstellung zu »unerwünschten Kindern«

Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern im NS-Regime waren verboten. Trotzdem gab es diese Kontakte ebenso wie Kinder aus diesen Beziehungen. Eine Ausstellung in Weimar widmet sich den Geschichten der betroffenen Eltern und Kindern

 30.10.2026

Literatur

»Empfänger unbekannt«: Wenn ein Freund zum Feind wird

Die judenfeindlichen Novemberpogrome von 1938 jähren sich zum 88. Mal. Anlass, die Geschichte »Empfänger unbekannt« aus demselben Jahr zur Hand zu nehmen. Darin schlägt ein Jude zurück, mit überraschenden Mitteln

von Leticia Witte  30.10.2026

München

Julia Klöckner: Verteidigung jüdischen Lebens Aufgabe für alle

Jüdische Kultur ist in Deutschland tief verwurzelt. Zum 40. Mal wollen die Kulturtage diesen Reichtum würdigen. Für die Bundestagspräsidentin ein Anlass zu Mahnung und Hoffnung

 30.10.2026