»Das Lachen der Anderen«

Gehen ein Jude und ein Atheist ...

In der WDR-Mediathek findet man Das Lachen der Anderen im Reiter Unterhaltung. Unterkategorie Kabarett und Comedy, direkt hinter Cosmo TV und vor Der Haushalts-Check. Und wenn man sich erst einmal durch die Sphären des Westdeutschen Rundfunks klickt, könnte man Angst bekommen. Angst davor, dass sich deutsche Comedy-Historie nun zum x-ten Mal wiederholt.

Doch der Sender überrascht mit einem polarisierenden Konzept samt polarisierendem Duo: Oliver Polak, Deutschlands jüdisches Stand-up-Einzelkind, und Micky Beisenherz, einer der erfolgreichsten Autoren hierzulande für Sendungen wie die heute show. Gemeinsam, so sagen sie im Vorspann, sind sie Oliver Polak und Micky Beisenherz. So einfach ist das.

Minderheiten Mit einem alten Range Rover fahren die beiden zu Deutschlands Minderheiten: zu Multiple-Sklerose-Kranken, Kleinwüchsigen, Aussteigern und Blinden. Zu all jenen also, die sich außerhalb der Komfortzone befinden. Mit einem Ziel: das Lachen dort suchen, wo sich niemand hinwagt. Manchmal bringen sie auch das Lachen mit und lassen es einfach dort. Sie hören zu und finalisieren das Ganze mit einem eigens für die Minderheit geschriebenen Stand-up.

Was die Franzosen, die Israelis und Amerikaner können, lieben und leben, landet bei uns oft in der verschlossenen Schublade. Witze über offenkundig Benachteiligte machen? Man darf, man soll, man muss. Dass gerade der WDR mit diesem Format die Büchse der Pandora öffnet, erfreut.

Dabei läge es nahe zu denken: Polak und Beisenherz? Das bedeutet Ärger! Doch ihre überraschende Feinfühligkeit, das Schweigen in den fragilen, harte Seitenhiebe in den gelösten Momenten, ist die Essenz der Sendung. Anders, als wir es von den Privatsendern kennen, werden die Protagonisten nie vorgeführt. Sie werden eingebunden, auf Augenhöhe. Auch die Rollstuhlfahrer. So avanciert Polak vom jüdischen Patienten zum Schmerztherapeuten, und Beisenherz beweist einmal mehr, dass er auch vor der Kamera überzeugt.

Stand-up Aber natürlich sind es die lauten Momente, die an tot geglaubten Nerven kitzeln. Der abschließende Stand-up in einer Konzerthalle mitten im Pott etwa, in dem Polak einmal über alle Köpfe hinwegrasiert. Ob über 1,80 oder 1,10 Meter, da macht er keinen Unterschied. Endlich mal mit uns über uns lachen, über die Schicksale, die Schmerzen und Schmähungen, steht den Protagonisten ins Gesicht geschrieben.

Doch gerade die leisen Momente stechen heraus. Jene, in denen der passionierte Fußballer Beisenherz wortlos auf den Boden schaut, als er die Geschichte des MS-Kranken Detlef Weirich erfährt. Mit 18, auf dem Platz, da hat er es zum ersten Mal gemerkt. Polak löst ab und möchte wissen, wie das so ist, mit der Sehnsucht nach Berührungen.

So etwas skriptet man nicht. So etwas geschieht. Allein dieser Momente wegen lohnt sich das Einschalten. Das Lachen der Anderen ist eine Sendung mit einem Herz und zwei Schlagadern, in der niemand und alle im Mittelpunkt stehen.

Die nächste Folge sendet der WDR am Samstag, den 30. April um 22.45 Uhr.

Sämtliche Folgen der Sendung auf der Website:
www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/das-lachen-der-anderen

Brüssel

Autorinnen canceln Auftritt wegen geplantem Konzert von Lahav Shani

Die Kontroverse um den Auftritt der Münchner Philharmoniker unter Leitung ihres israelischen Chefdirigenten hält an: Zwei Französinnen verkündeten nun, dass sie nicht wie geplant im Brüsseler Bozar auftreten wollen

 09.07.2026

Los Angeles

Chalamet und Villeneuve stellen »Dune: Teil 3«-Trailer vor

Der dritte Teil der Science-Fiction-Reihe kommt kurz nach Chanukka in die Kinos. Mit dem Regisseur stimmt der jüdische Hauptdarsteller jetzt mit einem düsteren Trailer auf das Werk ein

 09.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  09.07.2026

Speyer, Worms und Mainz

SchUM-Stätten feiern fünfjährigen »Welterbe-Geburtstag«

Vor fünf Jahren erhielten sie wegen ihrer wichtigen Bedeutung für das mittelalterliche Judentum den Welterbe-Titel. Nun feiern die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz die Aufnahme auf die Unesco-Welterbeliste mit einer Veranstaltung in Speyer

 09.07.2026

Berlin

Bücher als portatives Vaterland

»Altneuland« ist der erste säkulare hebräische Verlag in der Diaspora seit 1948. Ein Besuch in Neukölln

von Ayala Goldmann  09.07.2026

Sehen!

»In the Hand of Dante«

Die Handlung springt zwischen den Jahrhunderten hin und her. Trotzdem ist der Film mit Gal Gadot und Oscar Isaac ein gelungenes Werk

von Katrin Richter  09.07.2026

Zahl der Woche

1. Maccabiah-Goldmedaille

Fun Facts und Wissenswertes

 08.07.2026

Programm

Schostakowitsch, Punk und Nathan in der Schwebebahn: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 9. Juli bis zum 16. Juli

 08.07.2026

50 Jahre in Deutschland

»Die Deutschen haben aus ihrer Geschichte gelernt«

Was ist typisch deutsch, was typisch amerikanisch? Holly-Jane Rahlens kennt sich mit beiden Nationen aus. Die Autorin lebt seit mehr als 50 Jahren in Berlin

von Nina Schmedding  08.07.2026