TV-Tipp

Gegen das Vergessen

Mahnmal am ehemaligen Warschauer Ghetto Foto: dpa

Es ist eine wenig bekannte Geschichte aus der Zeit des Holocaust. Während Millionen von Juden ermordet wurden, versuchten einige wenige im Warschauer Ghetto die Erinnerung an das jüdische Leben in der Stadt und an das Schicksal der Ghettobewohner vor dem Vergessen zu bewahren.

Ihrer Geschichte widmet sich nun der 90-minütige Dokumentarfilm Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto, der heute um 20.15 Uhr bei Arte und genau eine Woche später um 22.45 Uhr im Ersten zu sehen ist.

Die Alltagsszenen aus dem Ghetto werden kaum einen Zuschauer unberührt lassen.

WÄLDER Der Film setzt am 19. September 1946 ein: Eine Frau reist mit dem Zug durch eine Landschaft voller Wälder. »Die von den Toten wiederauferstandenen Schriften sind Augenzeugenberichte unserer Tragödie und unseres Widerstandes«, wird Rachel Auerbach (1903–1976) später sagen. Die Journalistin und Literaturkritikerin war Anfang 1930 nach Warschau gekommen, wo sie die Intensität und Vielfältigkeit des jüdischen Lebens sofort faszinierte.

Dort erschienen damals allein sechs jüdische Zeitungen, und es gab rund 100 moderne jüdische Schulen. Auerbach war mit Itzik Manger (1901–1969) liiert, bis der in Rumänien aufgewachsene Dichter im April 1938 aus Polen ausgewiesen wurde. Sie blieb, und sie blieb fortan allein.

Der Pädagoge und Publizist Emanuel Ringelblum, der über die Geschichte der Warschauer Juden im Mittelalter promoviert hatte, organisierte in jener Zeit Hilfsaktionen wie Suppenküchen und Waisenhäuser für alle Flüchtlinge, die nach Warschau kamen. Auerbach unterstützte ihn bei seiner Arbeit, obgleich ihre Familie sie zur Abreise drängte.

Blechkisten mit etwa 1700 Archivposten wurden 1946 unter den Trümmern ausgegraben.

FOTOS Sie und andere halfen Ringelblum dabei, Fotos und Filme zu sichern – ahnte er doch, dass Erinnerungen und Erzählungen von Menschen nicht nur geschönt werden können, sondern auch schnell zu verblassen drohen. Seine gesammelten einzigartigen Dokumente wurden in Metallkästen und Milchkannen versteckt: Plakate, Zeitungsberichte, Lebensmittelkarten, Tagebücher und Gedichte, auch Schriftstücke der Nazis.

Autorin und Regisseurin Roberta Grossmann (60, Gloria Allred – Kämpferin der Gerechten, Above and Beyond) lässt die damalige Zeit in nacherzählten filmischen Szenen wieder aufleben. Sie blendet dazu historische Fotos und Dokumente des Lebens und Sterbens ein, darunter auch Seiten aus dem Tagebuch von Ringelblum, der Ringelblum 1944 im Warschauer Ghetto erschossen wurde.

Die Doku wird anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar gezeigt.

Zehn Blechkisten mit etwa 1700 Archivposten wurden im Herbst 1946 unter den Trümmern ausgegraben und werden heute im Jüdischen Historischen Institut in Warschau aufbewahrt. Die Sammlung wurde 1999 in das Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen.

SCHICKSALE Nicht zuletzt durch die Einordnungen von Historikern erfährt der Zuschauer bislang wenig bekannte Einzelheiten und Zusammenhänge aus der Zeit des Nazi-Terrors, der für die jüdischen Menschen in Warschau und im abgeriegelten Ghetto dort wie eine »Welle des Bösen und ein unvermeidbares Schicksal« über sie hereinbrach – so heißt es im Film, der anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar ins Fernsehen kommt.

Die realistisch geschilderten Alltagsszenen aus dem Ghetto werden kaum einen Zuschauer unberührt lassen.

»Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto« läuft am 15. Januar um 20.15 bei Arte sowie am 22. Januar um 22.45 Uhr in der ARD.

New York

Zoë Kravitz sorgt mit Spitzenkleid für Aufsehen

Die frisch Verlobte Darstellerin erscheint in einem schwarzen, transparenten Spitzenkleid aus dem Haus Saint Laurent, über das alle US-Modeblätter schreiben. Aber wo ist der Verlobte?

 05.05.2026

Berlin/New York

»Der Teufel trägt Prada 2« startet mit starkem Kinoerfolg

Rund 625.000 Besucher am Startwochenende: Die Fortsetzung der Modewelt-Satire begeistert das Kinopublikum in Deutschland und sorgt für einen der besten Filmstarts des Jahres

 05.05.2026

Wien

Glanzauftritt mit »Diamant«: Noam Bettan überzeugt bei erster ESC-Probe

Zum Auftakt der Performance erscheint Bettan gemeinsam mit einer Tänzerin aus dem Inneren des Bühnenelements, das einem Edelstein nachempfunden ist

 05.05.2026

»Imanuels Interpreten« (20)

Progressive Rock-Pioniere: Die Shulman-Brüder und ihre Band Gentle Giant

Mit einer Überdosis Kreativität betrieben die drei schottischen Juden Phil, Derek und Ray Shulman eine Formation, die herausstach

von Imanuel Marcus  04.05.2026

Kunst

Iran nimmt nicht an Biennale in Venedig teil

Die wichtige Kunstveranstaltung Biennale in der Lagunenstadt Venedig hat mit heftigen Kontroversen zu tun. Nun scheidet ein Teilnehmerland aus

 04.05.2026

TV-Kritik

»Nie allein«: Arte-Drama über Finnlands Kooperation mit Nazi-Deutschland

1942 lieferte Finnland eine Gruppe von Juden an die Nationalsozialisten aus, fast alle wurden kurz darauf ermordet. Eine internationale Koproduktion erzählt ihre Geschichte - und die von Abraham Stiller

von Katharina Zeckau  04.05.2026

Belu-Simion Fainaru

»Als Künstler spreche ich eine universelle Sprache«

Der israelische Bildhauer über den Rücktritt der Jury und die Politisierung der Kunstbiennale von Venedig

von Ayala Goldmann  04.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  04.05.2026

Howard Rossbach

Wanderer zwischen Ostküste und Oregon

Er ist Spross einer Familie bekannter Politiker und Bankiers. Doch seit 50 Jahren reüssiert der gebürtige New Yorker Howard Rossbach am anderen Ende Amerikas als Winzer. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  04.05.2026