Identität

Gainsbourg, Auster, Superman

Foto: Ventil

Identität

Gainsbourg, Auster, Superman

Ein neues Sachbuch zeigt, wie die jüdische Popkultur auf Klischees des Jüdischen reagiert hat

von Benjamin Moldenhauer  25.07.2016 19:59 Uhr

Popkultur erlaubt den spielerischen Umgang mit den Bildern, die sich die Mehrheitsgesellschaft von einer Minderheit macht. Jonas Engelmanns schmaler, aber materialreicher Band Wurzellose Kosmopoliten. Von Luftmenschen, Golems und jüdischer Popkultur zeigt, wie jüdische Musiker und Autoren auf Klischees des Jüdischen reagiert haben.

ironisch Das Spektrum reicht von Underground-Bands über Lou Reed bis hin zu Serge Gainsbourg, Leonard Cohen und Autoren wie Hubert Fichte, Paul Auster und Dutzenden anderen mehr. Und mag die Sammlung zuerst eklektisch wirken, die Argumentation ist stringent: Immer geht es um den Versuch, den vorgefertigten Bildern zu entrinnen, indem man sie unterläuft, ironisiert oder ins Positive verkehrt.

Die Schlüsse sind plausibel und immer wieder überraschend: Superman etwa erscheint als Spielart der Golem-Legende, und das antisemitische Klischee des Luftmenschen bekommt eine utopische Qualität. »Das nicht Eindeutige und nicht Verwurzelte«, schreibt Engelmann, »wird zur Möglichkeit einer Unabhängigkeit von religiösen wie gesellschaftlichen Zwängen, zur Vision einer nicht territorial oder national gebundenen Identität.«

Jonas Engelmann: »Wurzellose Kosmopoliten. Von Luftmenschen, Golems und jüdischer Popkultur.« Ventil, Mainz 2016, 128 S., 12 €

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