Landwirtschaft

Fruchtbare Zusammenarbeit

Entwicklungshilfe, die schmeckt: Tomaten aus Israel Foto: Flash 90

Die Preise für Lebensmittel steigen weltweit. Nach Meinung von Experten wird sich das auch nicht so schnell ändern. Die Ursachen dafür sind recht einfach zu erklären: An vielen Orten der Erde ändert sich das Muster des Wetters – in einem Monat gibt es zu wenig Regen oder Sonne, in einem anderen zu viel. In Australien, Russland und China gab es in letzter Zeit Dürren, die man an diesen Orten vorher noch nie so erlebt hatte. Außerdem wächst die Weltbevölkerung kontinuierlich – und mehr Menschen brauchen auch mehr zu essen.

Faktoren wie das Wetter und die Bevölkerungszahlen lassen sich nicht ändern. Die israelische Firma AKOL zeigt jedoch, wie man auch unter ungünstigen Klimaverhältnissen Lebensmittel produzieren kann. Denn »falsches Wetter« – gerade mit zu wenig Regen – ist aus israelischer Perspektive ein sehr subjektiver Begriff.

In Israel gibt es große Gebiete, in denen früher aufgrund der dort herrschenden Trockenheit nichts oder fast nicht wuchs; trotzdem haben die Landwirte es durch innovative Systeme zur Bewässerung und Wasserreinigung geschafft, in der vormaligen Ödnis Felder und Gärten entstehen zu lassen. Und das durchaus erfolgreich: Israelische Milchbauern produzieren mit 12.000 Litern fast doppelt so viel Milch pro Kuh und Jahr wie ihre Kollegen in den USA oder Großbritannien.

kibbuzniks AKOL gehört den Mitgliedern des Kibbuz Bror Hayil im Süden Israels. Gegründet wurde die Firma 1978 und ist seitdem federführend damit beschäftigt, Computer in die Agrarwissenschaften zu integrieren.

Man produzierte IT-Lösungen für die Landwirtschaft, die schon bald auf der ganzen Welt bekannt wurden – und das schon lange, bevor es das Internet gab. »Dabei wurden viele Gebiete der Landwirtschaft abgedeckt, wie zum Beispiel die Geflügelzucht und die Produktion von Olivenöl, aber eben auch der Betrieb von Weinbergen«, sagt Firmenchef Ron Shani rückblickend.

Aber AKOLs Angebot ist nicht einfach nur eine Internetseite mit Tipps zum Umgang mit Dürren oder Informationen, wie man die Produktivität von Milchkühen steigern kann. Solche Webseiten könnte heute fast jeder erstellen – es kommt auf das Know-how an.

Die Lebensumstände der einzelnen Landwirte sind schließlich sehr unterschiedlich: Was in einer Gegend schon als katastrophale Dürre gilt, ist in einer anderen fast normal, dazu unterscheiden sich die Böden, die zum Anbau zur Verfügung stehen, genauso wie die Kapazitäten, die ein einzelner Landwirt bewirtschaften kann.

Wolke Deshalb entwickelt AKOL sogenannte »Cloud Based Applications« – ausgefeilte Spezialprogramme, die im Internet auf einigen wenigen, dafür aber umso rechenstärkeren Servern laufen. Landwirte können von überall auf der Welt auf diese Dienste zurückgreifen und Daten über ihre spezielle Situation eingeben – daraufhin erhalten sie maßgeschneiderte Tipps, etwa, wann es günstig ist, etwas Bestimmtes zu pflanzen.

Doch AKOL ist eine kleine Firma mit nur 15 Mitarbeitern. Viel zu wenig, um so ein Projekt stemmen zu können, auch wenn das Know-how vorhanden ist. Als Technikpartner ist daher IBM in das Projekt eingestiegen. Von IBM kommen die Server und Datenbanken, die für den Betrieb benötigt werden, von AKOL das Wissen und der Inhalt.

Die Regionen, die von dieser Partnerschaft profitieren können, sind vielfältig. Denn nicht nur die zumindest in Teilen stark industrialisierten Länder wie Russland, China und Australien haben mit Dürren zu kämpfen, sondern auch die ostafrikanischen Entwicklungsländer. Alleine in Somalia – das Land erlebt zurzeit die schlimmste Dürre seit 60 Jahren – sind in den letzten drei Monaten schätzungsweise 30.000 Kinder unter fünf Jahren verhungert, 640.000 Kinder sind akut unterernährt.

Neben dem Bürgerkrieg haben Dürreperioden und Überschwemmungen die Nahrungsmittelproduktion, von der 71 Prozent der Bevölkerung leben, in den letzten 20 Jahren schon gravierend erschwert. Derzeit flüchten viele Somalier auf der Suche nach Wasser und Essen in die Nachbarländer Kenia und Äthiopien. Sie treffen dort täglich zu Tausenden in den Flüchtlingslagern ein, doch auch diese Staaten gehören zu der von der Dürre betroffenen Region.

nachhaltigkeit Natürlich muss zunächst direkt mit Lebensmitteln geholfen werden, aber Entwicklungshilfe setzt besser auf Langfristiges: den betroffenen Menschen zu ermöglichen, in Zukunft für sich selbst zu sorgen und so nachhaltig Hungersnöte zu verhindern.

Genau da liegt die Stärke des Systems von AKOL – man ist nicht auf feststehende Tabellen angewiesen, die von Voraussetzungen ausgehen, die vielleicht gar nicht mehr gelten.

Das israelische System bietet keine theoretischen Patentrezepte für ganze Regionen, stattdessen lassen sich genaue örtliche Gegebenheiten eingeben und so individuelle Lösungsmöglichkeiten finden, bis hinunter zum einzelnen Bauern. Zudem lässt sich mithilfe des Systems auch in Zukunft schnell auf veränderte Bedingungen reagieren. Wenn die Dürre einmal überstanden ist, kann die Landwirtschaft anschließend auch von dem zusätzlich verfügbaren Wasser profitieren.

www.akol4u.com

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