Lyrik

»Frag nicht, was sein wird«

Jehoschua Sobol Foto: Stephan Pramme

Lyrik

»Frag nicht, was sein wird«

Ein Gedicht des israelischen Schriftstellers Jehoschua Sobol zur Stimmung in Kriegszeiten. Übersetzt von Anat Feinberg

von Jehoschua Sobol  28.11.2023 09:37 Uhr

אל תשאל מה יהיה

אל תשאל מה יהיה
אל תשאל מה הסוף
אל תשאל
מה הולך להיות
מה איכפת לך
מה יהיה
מה הסוף
אל תחיה יותר
בלי לחיות

כל מה שעשיתי
כל מה שאגרתי
כל מה שקניתי
כל מה שמכרתי
לא שווה מילה
תן לי כוח
לברוח ממה שהייתי
להתחיל הכול
מהתחלה

להמשיך לדבר
להמשיך לזמר
להמשיך לבכות
ולצחוק
עד שאמצא
סופסוף את הכוח
לסגור את הפה
ולשתוק

להגיד לעצמי
די דיברת
די הרעשת
דישדשת
קישקשת
די לצעוק
תתחיל ללחוש
ללחוש בקול
הכי שקט
שאתה יכול
לדבר קצר
ופשוט

רק אל תתמכר
לטיפת גאווה
לא טיפשות
ולא אדישות
אל תחיה
בלי לחיות
העולם מדבר
אליך אדם
פתח ליבך
שמע את קולו
צא אליו כולך
אל תלך יותר
אל תלך
עם העדר כולו

אל תשאל מה יהיה
אל תשאל מה הסוף
אל תשאל
מה הולך להיות
מה איכפת לך
מה יהיה
מה הסוף
אל תחיה יותר
בלי לחיות

***

frag nicht, was sein wird

frag nicht, was sein wird
frag nicht, wie das ende aussieht
frag nicht
was sein könnte
was kümmert es dich
was sein wird
wie das ende aussieht
lebe nicht weiter
ohne zu leben

alles, was ich tat
alles, was ich anhäufte
alles, was ich anschaffte
alles, was ich verkaufte
ist keiner rede wert
gib mir die kraft
zu entfliehen von dem, was ich einst war
alles anfangen
von anfang an

weiter reden
weiter singen
weiter weinen
und lachen
bis ich endlich
die kraft finde
meinen mund zu halten
und zu schweigen

mir selbst zu sagen
du hast genug gesprochen
genug lärm gemacht
genug auf der stelle getreten
genug gequatscht
genug mit dem geschrei
fang an zu flüstern
sprechen mit
leiser stimme
so sanft, wie du kannst
kurz zu sprechen
und einfach

verfalle bloß nicht
dem anflug von stolz
der dummheit
und der gleichgültigkeit
lebe nicht
ohne zu leben
die welt spricht
zu dir mensch
öffne dein herz
höre deren stimme
geh auf sie zu
geh nicht mehr
geh nicht
mit der ganzen herde

frag nicht, was sein wird
frag nicht, wie das ende aussieht
frag nicht
was sein könnte
was kümmert es dich
was sein wird
wie das ende aussieht
lebe nicht weiter
ohne zu leben

Zeitgeschichte

Entebbe und kein Ende

Der Historiker Jan Gerber zeigt in seinem neuen Buch, wie aus dem Antizionismus der 68er-Generation radikale antisemitische Praxis wurde

von Ralf Balke  01.07.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. Juli bis zum 9. Juli

 01.07.2026

Künstliche Intelligenz

Ich schreibe, also bin ich

Noch nie war es so einfach, Gedanken mit KI in Worte zu fassen. Doch was bedeutet das für unser Denken, unseren Journalismus und eine der grundlegendsten menschlichen Fähigkeiten?

von Nicole Dreyfus  01.07.2026

Fußball

Länderspiel verlegt: Irland verzichtet auf Israel-Boykott

Irlands Fußballverband FAI will das UEFA-Nations-League-Spiel gegen Israel nun in Serbien austragen - auch, um einen Abstieg zu vermeiden

 01.07.2026

Berlin

Jüdische Kunstschule und UdK wollen kooperieren

Auch die Universität der Künste war nach dem 7. Oktober 2023 mehrfach Schauplatz »propalästinensischer« Aktionen. Nun will sie jüdischen Künstlern einen geschützten Raum bieten

 01.07.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Burkhard C. Kosminski

»Ich würde das Stück gerne im Osten spielen«

Der Intendant am Schauspiel Stuttgart über »Die Ermittlung« von Peter Weiss, die Existenzberechtigung Israels in der Kunst und seine Auszeichnung mit der Otto-Hirsch-Medaille

von Nicole Golombek  30.06.2026

Interview

»Der Oscar öffnete mir neue Türen«

Daniel Roher über seinen ersten Spielfilm »The Piano Tuner« und den Dreh mit Dustin Hoffman und Lior Raz

von Patrick Heidmann  30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026