Echo-Verleihung

»Es ist eine Schande«

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Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Verleihung des Echos an Kollegah und Farid Bang scharf kritisiert. »Die Entscheidung, den beiden Rappern den Deutschen Musikpreis Echo zu verleihen, ist eine Schande. Der Bundesverband Musikindustrie und die Jury haben bei ihrer Entscheidung das historische Erbe Deutschlands völlig ausgeblendet«, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster.

Rapper, die für Millionen von Jugendlichen ein Idol seien und diese wiederum mit antisemitischen und menschenverachtenden Texten beeinflussten, dürften keine Akzeptanz in der Gesellschaft erfahren und erst recht keine Preise hierfür gewinnen, so Schuster weiter. »Dass die Verantwortlichen der Musikindustrie für solche Texte unter dem Deckmantel der Kunst‐ und Meinungsfreiheit einen Freifahrtschein erteilen, ist ein Skandal.«

Auschwitz Am Donnerstagabend wurden Kollegah und Farid Bang für ihr Album Jung, brutal, gutaussehend 3 in der Kategorie »Album des Jahres« ausgezeichnet. Auf der Bonus‐EP des Albums heißt es im Song »0815«: »Mein Körper definierter als von Auschwitz‐Insassen.«

Kein Einzelfall: Auf anderen Alben von Kollegah finden sich Zeilen wie »Es ist die Endlösung der Rapperfrage: Kugeln ins Gesicht«, »Ich leih dir Geld, doch nie ohne ’nen jüdischen Zinssatz.« In dem Video »Apokalypse« imaginiert Kollegah eine Welt ohne Juden; in einem anderen Video von Kollegah veröffentlichte der Rapper eine antisemitische Karikatur.

Auf der Preisverleihung nutzte der »Tote Hosen«-Sänger Campino bei der Dankesrede für seinen Preis in der Kategorie »Best Rock national« die Gelegenheit, um Kollegah und Farid Bang scharf zu kritisieren. »Jeder von uns muss eine Linie ziehen, wo bei uns eine Grenze der Toleranz erreicht ist. An sich halte ich Provokation für wichtig und richtig«, stellte Campino klar. »Für mich persönlich ist diese Grenze aber überschritten, wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme und antisemitische Beleidigungen gegen Andersdenkende geht.«

Konsequenzen WDR‐Intendant Tom Buhrow zog aus den antisemitischen Textzeilen der umstrittenen Rapper am Freitagmorgen Konsequenzen für alle Programme des Westdeutschen Rundfunks. »Ich kann Ihnen versichern, dass in unseren Radioprogrammen keine Musik aus der betreffenden Albumreihe Jung, brutal, gutaussehend der beiden Musiker gespielt wird«, schrieb Buhrow in einem Brief an die Kölnerin Malca Goldstein‐Wolf.

»Das gilt auch für unsere junge Welle 1LIVE, die grundsätzlich zwar sehr offen für deutschen Rap ist, im konkreten Fall aber eine Ausstrahlung als unvereinbar mit öffentlich‐rechtlichen Programmgrundsätzen eingeschätzt hat.« Goldstein‐Wolf hatte Buhrow zuvor mitgeteilt, dass ein öffentlich‐rechtlicher Sender wie der WDR den Judenhass der Rapper nicht unterstützen dürfe.

Auch der neue Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, verurteilte die Auszeichnung der beiden Rapper. »Einer renommierten Veranstaltung wie der Echo‐Preisverleihung ist das nicht würdig. Das ist inakzeptabel. Das missbraucht die Kunstfreiheit«, sagte Klein der »Bild«-Zeitung (Online). Es sei sehr problematisch, dass mit einer solchen Musik auch noch Hunderttausende junger Menschen erreicht würden. »Solche Zeilen verletzen nicht nur Holocaust‐Überlebende, sondern auch ihre Familien.«

Straftaten Das Bundeskabinett hatte Klein in dieser Woche zum Beauftragten für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus berufen. In diesem neu geschaffenen Amt soll der Diplomat Ansprechpartner für jüdische Gemeinden sein und Maßnahmen gegen Judenhass koordinieren. Auf die Frage, was er als Erstes angehen wolle, sagte Klein in dem »Bild«-Interview: »Nach jetzigen Zahlen sind etwa 90 Prozent der antisemitischen Straftaten rechtsradikal motiviert, doch das spiegelt die Realität nicht wider.« Dem wolle er gemeinsam mit Experten im Innenministerium auf den Grund gehen.

Neben der Überprüfung der Datenerfassung bei judenfeindlichen Straftaten wolle er sich intensiv mit dem Antisemitismus an Schulen befassen. »Zusammen mit den Ländern müssen wir schnelle Maßnahmen auf den Weg bringen, um den Betroffenen, aber auch den Schulen, effektiv zu helfen«, sagte er. Dazu gehöre ein Meldesystem für antisemitische Vorfälle. Ein Schuldirektor dürfe solche Vorkommnisse nicht als Schande empfinden und versuchen, sie zu vertuschen, so Klein. epd/ppe

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