Sehen!

Einen O-Saft gegen Krebs, bitte

Belle (Kaitlyn Dever) in »Apple Cider Vinegar« Foto: © 2025 Netflix,Inc

Lucy kann nicht mehr. Sie liegt in den Armen ihres Mannes, nachdem sie vor Schwäche auf der Treppe zusammengebrochen ist. Die vielen Chemotherapien haben Spuren hinterlassen. Die junge Frau hat Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium und sehnt sich nach einer Behandlung – wie einer, mit der Belle Gibson ihren Gehirntumor besiegt hat, oder wie der von Milla Blake, die einen seltenen bösartigen Weichgewebstumor hat.

Wie, fragt sich Lucy, haben die beiden es geschafft, ihre Erkrankung ohne aggressive Therapien in den Griff zu bekommen, wie sie es in ihren Lifestyle-Blogs beschreiben? Sollte das wirklich nur mithilfe von gesunden Rezepten, frisch gepressten Säften und Kaffee-Einläufen passiert sein? Lucy will das auch. Sie will ihr gesundes Leben zurück.

Um menschliche Abgründe, skrupellose Lügen und das perfide Geschäft mit verletzlichen Menschen dreht sich die Serie Apple Cider Vinegar beim Streamingdienst Netflix. Die sechsteilige sehenswerte Miniserie ist eine emotionale Achterbahn aus schnellen, optisch zeitgemäßen Instagram-Referenzen, Feelgood-Organic-Momenten, der Abgebrühtheit von Menschen, die schonungslos vorgeben, Krebs zu haben, und damit wirklich Erkrankte abzocken, und dem verzweifelten Kampf von Familien, die ihre Partner und erwachsenen Kinder nicht an einen Gesundheitskult verlieren wollen, der sie umbringt.

Die Australierin Belle Gibson täuschte der Öffentlichkeit Krebs im Endstadium vor

Apple Cider Vinegar basiert auf der wahren Geschichte der Australierin Belle Gibson, die der Öffentlichkeit vortäuschte, Krebs im Endstadium zu haben, die Verlage überzeugte, dass Rote-Bete-Burger gegen Tumore helfen, und deren App »The Whole Pantry« 2013 zur »Best Food and Drink App« bei Apple gekürt wurde. Sie sammelte Geld für krebskranke Kinder, gab das Geld aber nicht weiter und wurde wegen Betrugs verurteilt.

Die Serie, die an das Buch The Woman Who Fooled The World angelehnt ist, erzählt indirekt auch die Geschichte von Max Gerson, einem jüdischen Deutschen, der vor den Nazis in die USA floh und in New York eine stark kritisierte Safttherapie gegen Krankheiten wie Krebs entwickelte.

13 Gläser Saft am Tag trinkt auch Milla Blake, deren Geschichte teilweise auf der einer wahren Person basiert: Jessica Ainscough, einer Australierin, die wirklich Krebs hatte und einen Wellness-Blog betrieb. Ainscough starb 2015 an Krebs. Belle Gibson lebt.

»Imanuels Interpreten« (19)

Bette Midler: Das Energiebündel

Sängerin, Comedienne und Schauspielerin mit Persönlichkeit: »The Divine Miss M« ist ein Unikum

von Imanuel Marcus  31.03.2026

München

Urys »Interieur mit Kindern« werden restituiert

Ein Bild mit einer spannenden Geschichte kehrt nun aus Bayern in den Schoß der rechtmäßigen Erben zurück. Vorausgegangen ist eine umfangreiche Provenienzforschung zur Herkunft des Gemäldes

von Barbara Just  30.03.2026

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

Quedlinburg

Feininger-Museum mit Jubiläumsausstellung zur »Blauen Vier«

Quedlinburg bietet mehr als Stiftskirche und Fachwerk: Am Montag wird im Museum Lyonel Feininger eine Sonderausstellung mit Werken der Künstlergruppe »Die Blaue Vier« um Paul Klee und Wassily Kandinsky eröffnet

 30.03.2026

Kolumne

Der Mandelbaum und die »hot mitzvah«

Fernsehen statt Fernreise oder Warten auf ein Ende des Krieges

von Sophie Albers Ben Chamo  29.03.2026

Aufgegabelt

Israelischer Salat mit Silan-Dressing

Vor dem großen Schlemmen an Pessach gibt es noch etwas Leichtes: Israelischer Salat mit Silan-Dressing. Unser Rezept der Woche

von Katrin Richter  29.03.2026

Giora Feidman

Ton der Seele

Der Klarinettist feierte seinen 90. Geburtstag in der Berliner Philharmonie – eine Doku auf ARTE würdigt sein Lebenswerk

von Maria Ossowski  27.03.2026

TV-Tipp

Arte-Doku über die Komponistin Meredith Monk

Arte zeigt einen Dokumentarfilm über die 1942 geborene New Yorker Komponistin, Choreografin und Regisseurin Meredith Monk. Mit ihren stilisiert naiven Bühnen- und Klangwelten hat sie ein besonderes Werk geschaffen

von Michael Kienzl  27.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

»Sowohlalsauch« oder Wenn das Lieblingscafé schließt

von Katrin Richter  27.03.2026