TV-Tipp

Ein Stück Fernsehgeschichte

Quizmaster und Conferencier Hans-Joachim Kulenkampff Foto: HR/SWR/HR/Kurt Bethke» (S2). HR/Pressestelle

Die Biografien der in den 60er-Jahren Geborenen sind immer auch in gewisser Weise Medienbiografien. Fernseherlebnisse – seien es nun die Mondlandung oder auch die Serien und Shows, die man gemeinsam mit der Familie oder mit Freunden sah – sind Teil der kollektiven Erinnerung: Wann kam der erste Fernseher ins Haus? Ab wann durfte man am Samstagabend aufbleiben, um Einer wird gewinnen zu sehen?

Und überhaupt: Welche Sendungen durfte man sehen, welche nicht? Die Moderatoren Hans Rosenthal, Wim Thoelke oder Hans-Joachim Kulenkampff waren so etwas wie unterhaltsame Verwandte, aber eben viel glamouröser und schlagfertiger als die eigenen Onkel.

Der Film erzählt die Biografie von Kulenkampff parallel zu der des jüdischen Moderators Hans Rosenthal.

SAMSTAGABEND Die Regisseurin Regina Schilling blättert nun in ihrem Film Kulenkampffs Schuhe ihre eigene Medienbiografie auf und verknüpft diese mit ihrer Familiengeschichte und der deutschen Nachkriegsgeschichte. Sie bleibt nicht bei anekdotischen Reminiszenzen stehen, sondern hört genau auf die Zwischentöne, auf das, was in einer Samstagabend-Show nie ausgesprochen wurde, aber oft doch anklang: die zwölf Jahre während der NS-Zeit, die kaum vergangen waren, aber mit aller Vehemenz zu verdrängen versucht wurden.

Kulenkampff und Rosenthal – diese beiden Moderatoren waren für Schilling Fixpunkte. Schilling erzählt die Biografie des Showmasters Kulenkampff parallel zu der des jüdischen Moderators Rosenthal, der die Schoa vor den Nazis versteckt in Berlin in einer Kleingartenanlage überlebte.

Dort hörte der junge Hans Rosenthal den ganzen Tag Radio. So war es nur folgerichtig, dass er nach dem Krieg zum Berliner Rundfunk marschierte und dem wachhabenden russischen Soldaten erklärte, er wolle dort arbeiten.

Die Shows halfen beim Verdrängen. Vor ihnen versammelten sich die Familien, um zu sehen, dass die Welt wieder in Ordnung war.

UNTERHALTUNG Hans Rosenthal erfand Shows, um die Deutschen zu unterhalten. Zuerst im Radio, später auch im Fernsehen. Die kleine Regina lernte mit Dalli Dalli Kopfrechnen. Für ihren Vater, meint sie, waren die Showmaster so etwas wie Therapeuten, die Gefahr der Aufregung bestand bei ihren Sendungen nicht. Die Shows halfen beim Verdrängen. Vor ihnen versammelten sich die Familien, um zu sehen, dass die Welt wieder in Ordnung war. Dem Kind vermittelten sie ein Gefühl von Geborgenheit.

Wie Regina Schilling diese Bilder einer heilen Welt nutzt, um von einer gar nicht so heilen Welt zu erzählen, ist ein großes Fernseherlebnis. Mit Kulenkampffs Schuhe ist ihr eine einzigartige sentimentale und kluge Chronik der 60er-Jahre der Bundesrepublik gelungen.

»Kulenkampffs Schuhe«. Hessischer Rundfunk, 13. Dezember, 21 Uhr. Wiederholung am 8. Januar um 20.15 Uhr im RBB

»Von Monet bis Picasso«

Ausstellung in Hamburg würdigt jüdische Kunstsammler

Die Schau versammelt rund 100 Werke unter anderem von Claude Monet, Pablo Picasso, Paul Cézanne, Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modersohn-Becker und Vincent van Gogh

 09.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 09.09.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 10. September bis zum 17. September

 09.09.2026

Zahl der Woche

22.233 israelische Kinder und Jugendliche

Fun Facts und Wissenswertes

 09.09.2026

Musik und Politik

Pink kritisiert Macklemore für Anti-Israel-Auftritt bei Ed Sheeran

Macklemore nutzte seinen Auftritt bei einem Konzert von Ed Sheeran, um Israel Völkermord vorzuwerfen. Das hat offenbar nicht nur jüdische Organisationen verärgert, sondern auch die Sängerin Pink

 09.09.2026

Ausstellung

Der zerbrochene Messias

Utopien, Visionen und eine Frau als Erlöserin: 25 Jahre nach seiner Gründung zeigt das Jüdische Museum Berlin zwölf zeitgenössische Künstler als Kontrast zu den Schrecken der Gegenwart

von Ayala Goldmann  09.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  09.09.2026

Philosophie

Zwischen Mensch und Maschine

Vor rund 100 Jahren kam Hilary Putnam 1926 in Chicago zur Welt. Der amerikanische Denker revidierte regelmäßig seine Positionen. Seine Philosophie ist überraschend dialogisch – was eine wenig bekannte judaistische Perspektive eröffnet.

von Richard Blättel  08.09.2026

Jubiläum

60 Jahre »Star Trek«: Faszinierend!

Vor 60 Jahren landete das Raumschiff »Enterprise« in den US-Wohnzimmern - und damit auch ein jüdischer Segen

von Alexander Brüggemann  08.09.2026