Antisemitismus-Skandal

documenta-Beirat: Ausstellung ist »fröhlich und einladend«

Angela Dorn (2.v.l.) bei Eröffnung der documenta fifteen Mitte Juni 2022 in Kassel Foto: IMAGO/epd

Die Findungskommission der documenta, auch Beirat genannt, hat erstmals Stellung zu dem Antisemitismus-Skandal rund um die Kunstausstellung in Kassel bezogen.

Das Team aus acht internationalen Künstlern und Kuratoren hat die Vergabe der künstlerischen Leitung an das Kollektiv ruangrupa zu verantworten. Der indonesischen Gruppe wurde im Vorfeld der Ausstellung eine Nähe zur antisemitischen BDS-Bewegung attestiert. In den letzten Tagen sorgten dann judenfeindliche Motive auf einem mittlerweile abgehängten Wandgemälde der Künstlergruppe Taring Padi für heftige Kritik.

Ruangrupa und den ausstellenden Künstlern möchte man »zu ihrer außergewöhnlichen Leistung gratulieren«.

»Insgesamt fanden wir die Präsentationen großzügig, zum Nachdenken anregend, fröhlich und einladend«, schildert nun die Findungskommission ihren Eindruck von der documenta. »Sie bieten ein Bild von einer Welt, die aus vielen Welten besteht, ohne Hierarchie oder Universalismus.« Ruangrupa und den ausstellenden Künstlern möchte man »zu ihrer außergewöhnlichen Leistung gratulieren«.

Man sei jedoch »erschüttert über die Entdeckung von Karikaturen, die nicht anders als antisemitisch gelesen werden können«, lässt die Kommission wissen. »Auch wenn wir eine Grenze zwischen Kritik am israelischen Staat und Antisemitismus ziehen wollen, können Bilder, die auf Nazi-Karikaturen verweisen, nicht zugelassen werden, und wir verstehen den Schmerz, den sie verursacht haben.« Die Entscheidung, das Wandgemälde abzuhängen, unterstütze man.

Dennoch wolle die Kommission ihren »Respekt für das indonesische Kunstkollektiv Taring Padi und ihren langen Kampf gegen die Unterdrückung und Diktatur der Suharto-Jahre in Indonesien zum Ausdruck bringen.« Man ermutige jeden, »dem, was ruangrupa, das künstlerische Team und die Partner zusammengestellt haben, Aufmerksamkeit zu schenken.«

HINTERGRUND Seit der Eröffnung der documenta am vergangenen Sonntag stehen mehrere ausgestellte Stücke wegen der Verwendung antisemitischer Motive massiv in der Kritik. Das gilt insbesondere für das Wandgemälde »People’s Justice« des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi, das zunächst verhüllt und am Dienstagabend schließlich abgebaut wurde.

Auf dem zehn Mal zehn Meter großen Wandbild ist eine Figur zu sehen, die mit ihren Schläfenlocken klar als orthodoxer Jude zu erkennen ist. Auf ihrem Hut trägt sie eine »SS«-Rune, hat blutrote Augen und Vampirzähne. An einer anderen Stelle marschiert ein Soldat mit Schweinsnase, auf dem Helm steht »Mossad«, und auf seinem Halsband prangt ein Davidstern.

Schon im Vorfeld wurde den Kuratoren der documenta, der indonesischen Gruppe ruangrupa, sowie mehreren ausstellenden Künstlern von Kritikern eine Nähe zur antisemitischen BDS-Bewegung attestiert. Dass es trotz Vorwarnungen nicht gelungen war, antisemitische Kunstwerke von der documenta auszuschließen, wurde sowohl der Geschäftsführerin der documenta, Sabine Schormann, als auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth als Versagen angelastet. js

Meinung

Die Israel-Allergie der ARD: Douze Points für Israel und dann Schweigen

Die ARD-Aftershow zum Eurovision Song Contest offenbarte mehr als nur eine redaktionelle Panne. Sie zeigte ein tiefgreifendes Problem

von Guy Katz  17.05.2026

Sachbuch

Pageturner zum Nahostkonflikt

Hamza Abu Howidys Erstlingswerk »Muscheln am Strand von Gaza« erzählt von einer Jugend unter der Terrorherrschaft der Hamas

von Sabine Brandes  17.05.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Bettina Piper, Imanuel Marcus  17.05.2026

Das hebräische Alphabet übersetzt in Magnetbuchstaben.

Glosse

Der Rest der Welt

Urlaub in Italien oder Warum ich überall Hebräisch höre

von Nicole Dreyfus  17.05.2026

Kulturkolumne

Meine halbierte Bibliothek

Ein Umzug steht an. Warum Uwe Johnson bleibt und Günter Grass rausfliegt

von Maria Ossowski  17.05.2026

Wien

14 Aktivisten bei Anti-Israel-Demo festgenommen

Vor Beginn des ESC-Finales gab es mehrere Demonstrationen gegen Israels Teilnahme

 17.05.2026

Meinung

Ein Mutmacher in trüben Zeiten

Die Abstimmung für Noam Bettan beim Eurovision Song Contest zeigt, dass sich die Bürger nicht so einfach von israelfeindlicher Propaganda beeinflussen lassen

von Daniel Killy  17.05.2026

Eurovision Song Contest

Als die Zuschauer abstimmten, rutschte Israel deutlich nach oben

Das Zuschauervoting mit einer Abstimmung für Israels Ansehen zu verwechseln, wäre ein Fehler. Aber es sagt etwas über ESC-Fans

von Martin Krauss  17.05.2026

Aufgegabelt

Mocktail: Tel Aviv Spritz

Rezepte und Leckeres

 17.05.2026