Interview

»Diese Initiative kann eine Brücke sein«

Yair Qedar, Gründer des Aleph Festivals Foto: Aleph festival

Interview

»Diese Initiative kann eine Brücke sein«

Der Dokumentarfilmer Yair Qedar über den Berliner Auftakt zum ersten »Aleph Festival« der hebräischen Sprache und Kultur

von Helmut Kuhn  17.02.2026 11:43 Uhr

Herr Quedar, das Aleph Festival ist ein neues, internationales Kulturformat, das der hebräischen Sprache und Kultur gewidmet ist. Es verbindet die Genres Film, Literatur und Graphic Novel. Was war Ihre Intention, es zu gründen und warum findet der Auftakt in Berlin statt?
Ich bin schon seit einiger Zeit meistens in Berlin, arbeite aber immer noch gleichzeitig in Tel Aviv. Ich habe mich für Berlin entschieden als Zentrum für meine Aktivitäten in Europa, weil es eine sehr offene Stadt ist. Ich habe hier viele gute Freunde. Es ist eine Feier des Hebräischen und der hebräischen Kultur, ein Teil des Festivals ist aber auf Englisch und ein Teil auf Deutsch. Es wird jedes Jahr in mehreren Ländern stattfinden, in London, Rom, New York, Stockholm, Boston, und ab nächstem Jahr auch in anderen deutschen Städten wie Frankfurt und Leipzig.

Zugleich erlebte Berlin seit dem 7. Oktober aber auch eine Welle des Antisemitismus und der Israelfeindlichkeit. Ist das Festival eine Antwort darauf?
In der Weimarer Republik war Berlin ein wichtiges jüdisches Zentrum. Hundert Jahre später ist es das wieder. Ich habe mit dem Kino Moviemento und den beiden großen Bibliotheken zusammengearbeitet. Ich denke, nach dieser sehr intensiven Zeit, die auch die israelische und die jüdische Gemeinschaft gespalten hat, kann diese neue Initiative eine Brücke sein, ein neuer Raum, in dem wir über uns selbst sprechen und uns um das Hebräische herum vereinen können. Wir befinden uns in der Zeit nach dem 7. Oktober und den Höhepunkten dieser Ära, wir haben das hinter uns, und wir können die bereits bestehenden Beziehungen stärken.

Vom 18. bis zum 20. Februar präsentiert das Festival Filmvorführungen und Begegnungen mit Filmemachern und Autoren aus Israel. Das Programm widmet sich zentralen Figuren der hebräischen Kultur wie Amos Oz, Yona Wallach und dem queeren Dichter Hezi Leskly.  Sie haben selbst 19 Dokumentarfilme gedreht, sind Aktivist und Herausgeber der ersten israelischen LGBTQ+-Zeitung. Wie wichtig ist die queere Perspektive dieses Festivals für Sie?
Die erste Veranstaltung des Festivals wird die Vorführung unseres Films über den wichtigsten israelischen queeren Dichter sein, Hezi Leskly. Es handelt sich um einen Film, der noch in Arbeit ist, aus meinem Projekt The Hebrew. Der Regisseur des Films Dear Pervert, Hezi Leskly, Shauli Melamed, der zu den talentiertesten derzeit im Fernsehen tätigen Regisseuren gehört, wird zu dieser Auftaktveranstaltung kommen und Antworten geben. Das wird also sicherlich bereits ein besonderer Schwerpunkt sein. Und nächstes Jahr werden wir eine Reihe von Veranstaltungen zum Thema Queer anbieten. Ich denke, das ist eines der interessantesten Themen. In London sprechen wir über den Ursprung der Sprache und die Verbindung zwischen Jiddisch und Hebräisch. In New York werden wir mit Maya Arad und Ruby Namdar sprechen, zwei der wichtigsten hebräischen Schriftsteller, die in den Vereinigten Staaten israelisches Hebräisch schreiben.

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Wie kam es dazu, das Festival so breit aufzustellen?
Es ist sehr überraschend für mich, dass es so schnell so groß geworden ist. Es handelt sich um eine multikulturelle Veranstaltung, die mehrere Kunstformen umfasst und jetzt anläuft. Ich wollte eigentlich nur eine kleine Veranstaltung für das internationale Publikum organisieren, um eine Art Pilotprojekt zu starten. Aber so viele Menschen und Organisationen wollten daran teilnehmen, dass es zu einer ziemlich großen Veranstaltung geworden ist. Ich denke, dass viele Menschen daran interessiert sind und dieses erste Jahr dient dazu, zu lernen, wie wir es nächstes Jahr besser und größer machen können. Und ich lade wirklich alle ein, daran teilzunehmen. Wir möchten, dass Israelis kommen, dass Juden kommen und dass Deutsche kommen, die einfach nur interessiert sind.

Mit dem Journalisten und Dokumentarfilmer sprach Helmut Kuhn. Alle Veranstaltungen unter www. https://linktr.ee/aleph.celebratinghebrew

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