TV-Legenden

Die Star-Trek-Opas

Nur echt mit Faser und spitzen Ohren: Captain Kirk (M.) und sein Erster Offizier Spock (l.) Foto: cinetext

Wenn ein Rabbiner in der Jeschiwa seinen Schülern einen Kurs zu »Jüdischen Themen in Star Trek« anbietet, dann scheint dies auf den ersten Blick ein Gag zu sein, ein unkonventioneller, fast kindischer Zugang zum Studium jüdischer Texte. Doch Yonassan Gershom, der sogar ein Buch mit dem Titel Jewish Themes in Star Trek. Where no Rabbi has gone before! veröffentlicht hat, kann sich auf eine unbestrittene Autorität berufen.

Für Leonard Nimoy, der den spitzohrigen Vulkanier Spock in der Kult-Serie verkörperte, ist Star Trek eminent jüdisch: »Wenn die hohe Wertschätzung von Bildung jüdisch ist, dann kann man durchaus sagen, dass es in Star Trek jüdische Aspekte gibt«, erklärte der Schauspieler einmal bei einem Vortrag. »Und wie steht es mit der Toleranz gegenüber jedem Individuum, seiner Würde? Wie steht es mit Wohltätigkeit und Sorge um die Bedürftigen? Das sind Werte, die in der ganzen Serie sehr wichtig sind, und es sind jüdische Werte!«

Vulkanier Er habe, sagt Nimoy, das Glück gehabt, in der Serie eine Figur mit ausgeprägtem »Diaspora-Charakter« zu verkörpern: Halb Vulkanier, halb Mensch sei Spock der »Andere«, der »Fremde«. Ein Grund, warum Leonard Nimoy, am 26. März 1931 als Sohn jiddischsprachiger Eltern geboren, nie Probleme hatte, sich in Spock hineinzuversetzen. »Ich bin in Boston aufgewachsen. Eine sehr katholische Stadt. Ich wuchs in dem Bewusstsein auf, der Andere zu sein und dass der Rest der Welt katholisch ist.«

Als der junge Nimoy seinem Vater im Alter von 17 Jahren gestand, dass er Schauspieler werden wollte, war die Antwort eindeutig: »Lerne lieber, Akkordeon zu spielen. Damit kannst du dir immer dein Geld verdienen!«

Doch Leonards Großvater bestärkte den Enkel, seinen Traum zu verwirklichen. So wurde Leonard Nimoy auch jenseits von Star Trek zu einem angesehenen Charakterdarsteller, unter anderem an der Seite von Ingrid Bergmann in dem Golda-Meir-Biopic A Woman called Golda (1981) oder als Schoa-Überlebender Mel Mermelstein in dem Dokudrama Never Forget (1989). Mittlerweile hat der inzwischen 80-Jährige sich einen Namen als Fotograf gemacht, unter anderem mit jüdischen Themen, wie in dem Fotoband Shekhina. A photographic essay about the feminine presence of God (2002).

Denny Crane! Auch Nimoys Freund und Kollege William Shatner, am 22. März 1931 in Montreal geboren, stammt aus einer osteuropäisch-jüdischen Immigrantenfamilie. Shatner, der in Star Trek den Captain James T. Kirk verkörperte, ist wie in der Serie so auch im Leben ein quirliger, extrovertierter Charakter. Bereits in seiner Kindheit lernte er, sich durchzuboxen.

Die antisemitischen Altersgenossen in seinem von Katholiken dominierten Viertel gaben ihm reichlich Gelegenheit dazu. »Es gab fast jeden Tag eine Prügelei«, erinnert sich Shatner in seiner Autobiografie Durch das Universum bis hierher (2009). »Toughy Shatner«, wie man ihn in seinen Kindertagen nannte, zeigte es auch später allen. Lange nach dem Ende von Star Trek spielte er sich im Rentneralter noch einmal an die Spitze. Für seine Darstellung des liebenswert-verrückten Anwalts Denny Crane in der TV-Serie Boston Legal wurde er mit einem Golden Globe und zwei Emmys ausgezeichnet.

Auch als eigenwilliger Musikinterpret machte sich Shatner einen Namen. Seine bizarre Cover-Version von Lucy in the Sky with Diamonds wurde 2003 zur schlechteten Beatles-Interpretation aller Zeiten gewählt. Doch unerschrocken und kämpferisch wie stets, verfolgte Bill Shatner seine Gesangskarriere trotz Hohn und Spott weiter, bis er die Musikkritiker schließlich 2004 mit seinem erfolgreichen Album Has Been verblüffte.

Während Leonard Nimoy seinen Abschied von der Schauspielerei genommen hat, steht Shatner bis heute vor der Kamera. Immer mit Toupet und manchmal – als Talkmaster – sogar mit seinem Freund Lenny Nimoy. Denn, wie Kirk über Spock in Star Trek II: Der Zorn des Khan sagt: »Von allen Seelen, die mir auf meinen Reisen begegnet sind, war seine die menschlichste.«

Amulette

Erfurter Ausstellung zeigt israelische Kunst

Die Galerie Waidspeicher zeigt Werke israelischer Künstlerinnen und 555 Hamsa-Amulette aus Jerusalem. Das Motiv der Hamsa in Form einer geöffneten Hand ist im Judentum, im Islam und im Christentum gebräuchlich

von Matthias Thüsing  10.03.2026

München

Ermittlungen zu Nazi-Parole gegen Fleischhauer eingestellt

Der Kolumnist bedient sich bei einem Podcast eines Slogans der Nationalsozialisten, um damit den AfD-Nachwuchs zu kritisieren. Deshalb wird gegen ihn ermittelt - jedoch nicht besonders lang

 10.03.2026

TV-Tipp

Die Puppe mit dem Hitlergruß: Das turbulente Leben der Unternehmerin Käthe Kruse

»Ich kauf‘ Euch keine Puppen - macht Euch selber welche!« Max Kruses junge Geliebte nahm diese brüske Absage wortwörtlich und wurde berühmt. Arte zeichnet die bewegte Biografie von Käthe Kruse nach

von Manfred Riepe  10.03.2026

New York

Ben Stiller: »Krieg ist kein Film«

Immer wieder nutzt die US-Regierung bekanntes Film- oder Musikmaterial für eigene Videoclips - wohl ohne zu fragen. Jetzt beschwert sich deswegen Schauspieler Ben Stiller

 10.03.2026

Comedy

Streichelzoo mit Fischen

Die Serie »JoJo & Simha: Exploring Berlin3000« erzählt auf Social Media von drei tollpatschigen jüdischen Handwerkern der Zukunft

von Pascal Beck  09.03.2026

Women’s Asian Cup

Trump fordert von Australien Asyl für iranische Fußballerinnen

Die Spielerinnen hatten sich vor dem Anstoß im Robina Stadium geweigert, die iranische Nationalhymne zu singen

 09.03.2026

Magdeburg

Auftakt für jüdische Kultur in Sachsen-Anhalt

Ministerpräsident Sven Schulze betonte als Schirmherr die Bedeutung der Kulturtage als klares Signal der Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Sachsen-Anhalt

 09.03.2026

Sprache

»Wat willste?«

Die Autorin Lea Streisand hat ein Buch über den vielleicht schönsten Dialekt des Deutschen geschrieben, das Berlinerische. Ein Besuch zwischen »ick«, »icke« und »dufte«

von Katrin Richter  08.03.2026

Berlin/Los Angeles

Weimer lädt Chalamet in die Oper ein: »Kann mal daneben liegen«

Interessiert sich wirklich niemand mehr für Oper und Ballett? So findet es zumindest »Marty Supreme«-Star Timothée Chalamet. Wie der Kulturstaatsminister den Oscar-Anwärter umstimmen will

 08.03.2026