Barrie Kosky

»Die politischen Probleme an der Garderobe abgeben«

Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper Berlin Foto: dpa

Die Bühne ist nach den Worten des scheidenden Intendanten der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky, auch ein Ort zum Träumen. »Wenn es auf der Bühne nur noch darum gehen würde, wer wir sind, wo wir politisch stehen, was unsere Identität ist – dann könnten wir die Häuser auch dichtmachen«, sagte der Australier dem »Spiegel« (Samstag).

Musik sei Abstraktion. »Wenn ich mir eine Sinfonie anhöre, können mir die unterschiedlichsten Dinge durch den Kopf gehen: Gefühle, Gedanken, Erotik, Liebe. Es ist wichtig, dass Musik auch einfach nur Freude geben kann«, betonte Kosky (55).

Traumwelt »Wer in die Oper geht, dem ist es erlaubt, die politischen Probleme an der Garderobe abzugeben: den Ukraine-Krieg, die Klimakrise, Corona, die Ausbeutung des globalen Südens, Arbeitslosigkeit. Man betritt für drei Stunden eine Traumwelt. Und wenn sie vorbei ist, bekommt man seine Probleme mit dem Mantel zusammen wieder ausgehändigt«, so Kosky weiter.

Solche Orte seien wichtig. Viele Menschen gingen nicht mehr in die Kirche, die Synagoge oder in die Moschee, sondern ins Theater und die Oper. »Das sind ’safe spaces for dreaming‘. Und ohne diese Möglichkeit zu träumen wären wir verloren«, sagte Kosky, der zehn Jahre lang das Haus geleitet hatte. kna/ja

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