Glosse

Der Rest der Welt

Foto: picture alliance / Photoshot

Jesse Eisenberg ist süchtig danach, Sarah Jessica Parker auch, Jon Hamm ebenfalls. Und das Schöne ist: Das Suchtmittel ist ganz legal, es macht nicht dumm, und man kann es sogar online ansehen. Die Rede ist vom Magazin »The New Yorker«.

Sie wissen schon: diese Tote Bags, mit denen die Hipster durch die Stadt laufen? Zu diesen Jutebeuteln gibt es ein Magazin. Ha! Wer hätte das gedacht. Der »New Yorker« existiert bereits seit 100 Jahren. Und seit bestimmt 25 Jahren liebe auch ich ihn und bin – wie die berühmten Menschen da oben – irgendwie süchtig danach. Nach den Comics, den Gedichten, den Reportagen, den kunstvollen und coolen Cover-Seiten. Beinahe möchte mir das Wort »perfekt« aus den Fingern kommen, aber nichts ist perfekt. Das wissen wir alle.

Jedenfalls war klar, dass ich mir die Netflix-Doku The New Yorker at 100 über das traditionsreiche Magazin ansehen musste. Und ich wurde nicht enttäuscht: von den Redaktionskonferenzen über die Gestaltung der Titelseiten bis zur Auswahl der Comics – es gibt nämlich eine Redakteurin, die aus den vielen Einsendungen eine Vorauswahl trifft und diese dann mit ihrem Chef bespricht – oder von den Reporterinnen und Reportern, die von überall berichten. Von dem Luxus, guten Geschichten einfach viel Platz im Blatt einräumen zu können, davon können viele Zeitungen heutzutage eigentlich nur träumen.

Und wie es sich für eine richtige Droge gehört, so hat auch der »New Yorker« seinen Platz in der Popkultur bekommen. Er ist Thema bei Seinfeld, er wird bei The Devil Wears Prada genannt, er zeigt den Effekt des langsamen Verstehens wunderbar in der Zeichentrickserie Family Guy – ich finde ja: Jeder sollte sich den »New Yorker« einmal gönnen. Es gibt keine Nebenwirkungen, außer vielleicht ein belastetes Konto, denn als Print-Abo ist das Magazin außerhalb der USA nicht gerade günstig. Aber, wie hieß es Anfang der 2010er-Jahre einmal? YOLO. Und deswegen habe ich beschlossen, im Jahr 2026 den »New Yorker« zu abonnieren.

Für 260 Dollar gibt es, wenn ich mich nicht verlesen habe, sogar diese schicke Tote Bag mit dazu. Und ein Online-Abo mit Zugriff auf irgendwie fast alles. Yippie!

Falls Ihnen das zu teuer ist, empfehle ich ein Jahresabo der »Jüdischen Allgemeinen«: Wir kosten nur 109,90 Euro. Wir haben auch einen Comic und Platz für lange Reporta … also, wir haben auch Gedich … also: Wir haben auch Redaktionskonferenzen.

Über uns gibt es zwar keine Netflix-Doku, aber wir sind auch schon ganz schön alt: Kommendes Jahr werden wir 80! Das kann sich sehen lassen, finde ich. Darauf können wir anstoßen. Vielleicht in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar 2026? Also, ich wäre dabei. Le Chaim!

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