Finale

Der Rest der Welt

Foto: Getty Images

Finale

Der Rest der Welt

Kinder in der Vollkorn-Lethargie: Sollen sie doch wieder Kuchen essen

von Margalit Berger  08.04.2021 08:58 Uhr

So muss sich Weihnachten anfühlen. Glitzernde Kinderaugen, die Aufregung und Vorfreude im Raum ist greifbar. Kleine Hände strecken sich zögernd aus nach dem Wunderbaren, das sie so lange entbehrt haben: Croissants, Schokoriegel, rosa Streusel-Donuts – Tausende verlockender Chametz-Kalorien stapeln sich auf den Regalen.

Tanke Es ist der erste Tag nach Pessach, und wir stehen seit geschlagenen 30 Minuten vor dem Süßigkeitenregal an der Tankstelle um die Ecke. Meine Kinder können sich einfach nicht entscheiden, mit welchen der abgepackten Cremetörtchen sie ihre diesjährige Chametz-Orgie starten wollen.

Die Lage ist einigermaßen verzweifelt. Es ist halb zehn Uhr früh am Ostermontag, und alle Geschäfte haben heute zu! Und es wird zunehmend schwieriger, die gierigen Post-Pessach-Gelüste meiner Kinder zu befriedigen. Pizza! Eis! Gummibärchen! Ja, wo soll ich das denn alles hernehmen? Zögernd schlage ich vor, heute mal selbst Pizza zu backen. Es folgt ein empörtes Aufheulen seitens der Kids: Man habe die Nase voll von meinem Bio-Vollkorn-Gemüse-Schlangenfraß. Man wolle sich jetzt mit fettigen, von E150 triefenden Leckereien vollfuttern. Na gut.

Kurze Zeit später verlassen wir die Tanke mit einem Riesen-Rucksack voller ungesunder Billigprodukte zweifelhafter Herkunft. Draußen regnet es in Strömen. Was jetzt? Wir könnten zum Beispiel zusammen zuckerfreie Dinkel-Vollkornkekse backen! Als Antwort kommt nur ein unwilliges Grunzen, dann schnappen sich die Kids den Laptop und sperren sich in ihrem Zimmer ein, um ungestört Netflix zu gucken und sich den Bauch mit leeren Kalorien vollzuschlagen. Den Rest des Tages bleiben sie incommunicado, aus ihrem Zimmer dringt nur Zellophangeraschel, wenn sie eine neue Keks­packung aufreißen, gedämpftes Gekicher, und Geballer von ihren hirnlosen Marvel-Lieblingsfilmen.

Netflix Ich glaube, Pessach war dieses Jahr too much für die Kids. Nicht nur durften sie tagelang weder fernsehen noch am Computer spielen, sondern ich hatte außerdem noch eine strikte Anti-Süßigkeiten-Policy durchgezogen. Das fördert die Charakterbildung, finde ich. So folgten wir alle einer frugalen Diät aus Kartoffeln, Eiern, Fisch und Gemüse. Und natürlich bergeweise Mazzot (Vollkorn!). Um das Ganze etwas aufzulockern, erfand ich jede Menge neue Kremsli-Rezepte. Ich liebe Kremsli-Mazzepfannkuchen, weil sie so vielseitig sind. Ich servierte sie mit geriebenen Äpfeln, Zucchini, Karotten und einmal, ganz innovativ, mit Quinoa und geriebenem Rosenkohl. Ich verstehe immer noch nicht, warum meine Kreationen jedes Mal nur mit einem gequälten Stöhnen quittiert werden.

Komisch, von den Kids habe ich seit Stunden nichts gehört. Na ja, wenigstens hatte ich inzwischen Zeit, ihnen leckere Rote-Bete-Puffer mit Leinsamen und Blumenkohl-Dip zum Abendbrot zu backen. Das wird bestimmt ein Riesenhit! Falls Sie das Rezept möchten, Sie wissen ja, wie Sie mich erreichen können.

Literatur

Shida Bazyar für ihren Roman »Die Lücken« mit Deutschen Buchpreis ausgezeichnet

Der Preis wurde am Montagabend im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse vergeben

 05.10.2026 Aktualisiert

Glosse

Der Rest der Welt

Einmal Gastro, immer Gastro

von Margalit Edelstein  05.10.2026

Zahl der Woche

136 israelische Athleten

Fun Facts und Wissenswertes

 05.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Frankfurt

Kronen der Schrift

Im Jüdischen Museum ist die weltweit größte Privatsammlung von Rimonim zu sehen. Sie stammen aus China, dem Jemen oder Marokko. Gesammelt hat sie ein heute 100-jähriger Schweizer Jude

von Mascha Malburg  05.10.2026

Biennale Jerusalem

Aus den Tiefen ins Licht

250 Künstler aus Israel und anderen Ländern verarbeiten das Massaker des 7. Oktober

von Sabine Brandes  05.10.2026

Literatur

Dorfroman mit Ewigkeitsnote

Die Eltern der Autorin Shida Bazyar stammen aus dem Iran. Ihr Buch »Die Lücken« ist einer der besten deutschen Romane überhaupt

von Maria Ossowski  05.10.2026

Literatur

Als der Flieder in Kreuzberg blühte

Die deutsch-jüdische Schriftstellerin Dana Vowinckel trifft mit ihrem zweiten Roman »Anton und Alma« den Nerv der Zeit

von Ayala Goldmann  05.10.2026

7. Oktober 2023

Sie war 25

Eine Erinnerung an Mai Itzhaki aus Hod Hasharon

von Ayala Goldmann  05.10.2026