Finale

Der Rest der Welt

Voll retro! Foto: Getty Images/iStockphoto

Haben Sie schon von der »2010 Challenge« gehört? Dabei muss man einen ganzen Tag so leben wie vor zehn Jahren. Mein Lieblingsblogger hat das auch gerade gemacht: Er benutzte sein iPhone 4, hatte kein Navi, kein WhatsApp und nahm keine Selfies auf. Er konnte nichts online kaufen oder irgendetwas »liken«, konnte kein Home­office einschieben und kaufte seine Tickets für die Bahn am Automaten. Himmlisch, oder?

Laune Ein guter Vorsatz für 2020: Mal so richtig retro sein! Vielleicht hilft das ja meiner etwas gedämpften Januarstimmung. 2020 hat gerade angefangen, und meine Laune ist so mittelprächtig. Auch, weil mir noch zwei Reden im Ohr sind: die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin und die des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller.

Merkel rief die Deutschen dazu auf, zusammenzustehen, und sprach darüber, wie Digitalisierung immer mehr Teil unseres Lebens wird, dass wir den Mut haben sollten, in neuen Kategorien zu denken, und bereit sein sollen, Neues zu wagen.

Thermopapier Ach so: Und schneller sollte auch alles werden. Müller beglückwünschte Berlin dazu, dass es nicht mehr ganz so arm ist und neue digitale Unternehmen anzieht. Direkt danach las ich über dieses neue Gesetz, das kleine und große Unternehmen nun dazu verpflichtet, einen Kassenbon auszuhändigen: auf nicht recycelfähigem Thermopapier, wohlgemerkt.

Das ist nun wirklich retro: eine Kassensicherungsverordnung mit Belegausgabepflicht! Immer mehr zahlen nur noch mit Plastik, Handy oder ihrem guten Namen. Und dafür wird ihnen jetzt wieder Papier in die Hand gedrückt.

Müll Die Folge: Milliarden Kassenzettel landen auf dem Müll. Selbst Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat diesen Irrsinn kritisiert und darauf hingewiesen, dass zum Beispiel die Handelskette Rewe im neuen Jahr etwa 140.000 Kilometer zusätzliche Kassenbons ausdrucken wird. In Deutschland wird, wie ich finde, so viel Gutes getan: Das Verbot von Plastik-Trinkröhrchen ist super. Fast überall wird recycelt. Es gibt Verbotszonen für Dieselfahrzeuge.

Manchmal scheint es mir – und das verstehen Sie jetzt bitte nicht falsch –, als ob sich die Deutschen selbst im Weg stehen. Vielleicht ist es ja das, was Angela Merkel in ihrer Ansprache andeuten wollte.

Wäre das nicht ein schöner Vorsatz zum neuen Jahr? Anderen Dingen einfach mal positiv gegenüberstehen! Mehr gute Nachrichten! Ich habe auch schon Vorsätze: weniger zu meckern, offener zu sein und Veränderungen besser anzunehmen. Mehr gute Nachrichten also? Is gebongt!

Muttertag

Moja Mama!

Die jiddische Mamme ist Motiv in etlichen Witzen. Dabei ist sie ist so viel mehr. Eine Würdigung aus der Perspektive eines Sohnes

von Jan Feldmann  08.05.2026

Kulturkolumne

Heißt David demnächst »Dschihad«?

Warum Michelangelo heute nie den Goldenen Löwen der Kunstbiennale-Jury von Venedig bekommen hätte

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026

Meinung

Warum Erwin Rommel kein Vorbild für die Bundeswehr sein kann

Der Mythos vom ritterlichen »Wüstenfuchs« überlagert bis heute die wahre Geschichte hinter dem Nazi-General. Umso dringender ist eine Beschäftigung mit seiner Biografie

von Benjamin Ortmeyer  07.05.2026

Kino

Historiendrama: »Andor Hirsch« - Ein jüdischer Junge im Nachkriegs-Ungarn

»Andor Hirsch« ist ein Historiendrama um einen jüdischen Jungen, der im Ungarn der 1950er Jahre mitten in den Nachwehen des gescheiterten Volksaufstands in eine Identitätskrise gerät - als er erfährt, wer sein Vater ist

von Kira Taszman  07.05.2026

Zahl der Woche

60 bis 75 Minuten

Fun Facts und Wissenswertes

 07.05.2026

Satire

Wie die Jüdische Allgemeine in 80 Jahren entsteht

Die KI braucht keinen Urlaub und macht nie Fehler: Eine Vorausschau

von Ralf Balke  07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 18 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Presse

Laut und deutlich

Jüdische Zeitungen verstanden sich stets als Stimme ihrer Leserschaft. Daran hat sich auch in Deutschland bis heute wenig geändert

von Philipp Lenhard  07.05.2026