Finale

Der Rest der Welt

»Ich war mir sicher, Gott wäre, verglichen mit meiner Statistikprofessorin, der weniger strenge Prüfer.« Foto: Thinkstock

Fühlen Sie sich auch manchmal ausgebrannt, völlig fertig und reif für einen Ort – egal wo, Hauptsache ganz weit weg? Dann habe ich genau das Richtige für Sie: Werden Sie jetzt Teil meiner Jüdische-Aussteiger-Gemeinde.

Es soll eine jüdisch-anarchistische Mischung aus Hippie-Kommune (ohne Ba­tik-Dresscode, aber mit diesen »Naturheilkräutern«), Kibbuz (ohne Alles-Teilen, aber mit großer Orangen-Plantage) und Schweigekloster (ohne Christentum, aber mit dieser wunderbaren Ruhe) werden.

Tanach Sie dürfen eigentlich alles von Speck bis zu Ihrem Tanach mitbringen. Nur bitte beschränken Sie sich auf maximal zwei Meinungen (wegen der Ruhe) und sehen Sie davon ab, Zeitungen, Magazine oder internetfähige Geräte mitzubringen, damit wir uns nicht mit Horst Seehofer, Polizisten, die Kippa tragenden Juden hinterherlaufen, und Rappern, die Auschwitz besuchen, befassen müssen.

Ihnen kommt das Angebot zweifelhaft vor? Sie fragen sich, wieso eine 22-Jährige weder den sozialen Aufstieg anstrebt noch den sozialen Abstieg fürchtet und stattdessen den sozialen Ausstieg plant? Wenn Sie studiert haben oder mit dem komplexen Innenleben von Studierenden vertraut sind, kennen Sie die Antwort: Die schlimmsten Qualitäten eines Menschen kommen, anders als gemeinhin vermutet, nicht hungrig an Jom Kippur oder in hitzigen Diskussionen mit Antise ... äh, Antizionisten zum Vorschein, sondern – richtig: in der Klausurphase.

Eigentlich bin ich nicht besonders religiös, weshalb ich nie nachvollziehen konnte, warum manche meiner jüdischen Freunde sich über Klausuren am Samstag beschwerten. Ich fand: Wenn wir Studis Freitagabend fröhlich Bierpong spielen können, dann gehen auch Klausuren am so furchtbar heiligen Schabbes. Aber der Mensch hat ja bekanntlich mindestens zwei Meinungen. Eine, wenn es ihm gut geht, und eine, wenn es ihm schlecht geht. Als ich also vor einigen Wochen herausfand, dass ich samstags Klausur schreiben muss, dachte ich sofort ganz empört: Das geht nicht, der Chef verbietet es!

Ausrede Orthodox werden, um fürs Klausur-Verschieben eine gute Ausrede zu haben? Erschien mir logisch nach harten Lerntagen mit vielen Tassen Kaffee. Ich war mir sicher, Gott wäre, verglichen mit meiner Statistikprofessorin, der weniger strenge Prüfer. Sie verzeiht dir ja nicht mal die falsche Berechnung eines Standardfehlers – Gott dagegen verzeiht dir all deine Fehler.

Als ich dann, kurz davor, die Klausur zu verschieben, herausfand, dass Statistik jedes Semester auf einen Samstag fällt, wurde mein von zu viel Kaffee panisch schlagendes Herz ganz ruhig und entspannt. Ich legte die Lernsachen weg – die würde ich schließlich nicht mehr brauchen, denn ich würde samstags keine Klausur schreiben. Den perfekten Grund, mein Studium zu schmeißen, hatte ich also gefunden. Und schuld wäre die Universität oder Gott. Einer von beiden. Egal wer, die müssen wir beide nicht mit in unsere Aussteigergemeinde nehmen.

Meinung

Warum ich mich für meine Teilnahme am »Dschungelcamp« niemals schämen würde

Die »Lindenstraßen«-Darstellerin Rebecca Siemoneit-Barum war 2015 bei der berühmt-berüchtigten RTL-Sendung in Australien dabei. Hier erzählt sie, was die Zeit im Dschungel bis heute für sie bedeutet

von Rebecca Siemoneit-Barum  06.02.2026

Erfurt

Einzigartiges Klezmer-Projekt: Jubiläumskonzert zum Zehnjährigen als »Höhepunkt eines Prozesses«

Im Klezmerorchester Erfurt musizieren Laien und Profis gemeinsam. Nun feiert das Projekt sein zehnjähriges Bestehen - mit einem einzigen Konzert

von Matthias Thüsing  06.02.2026

Fernsehen

Doku über Geisel-Familie zeigt zerrissene israelische Gesellschaft

Ein 3sat-Dokumentarfilm zeigt das Martyrium einer amerikanisch-israelischen Familie, deren Angehörige am 7. Oktober 2023 von der Hamas entführt wurde

von Manfred Riepe  06.02.2026

Fernsehen

»Er verarscht hier alle«: Ofarim wird wieder Zielscheibe von Ariel

Endspurt im Dschungelcamp vor dem großen Finale am Sonntag. Gil Ofarim tritt nach seinem Unfall zur nächsten Prüfung an, das Kandidatenfeld lichtet sich weiter - und der Ton wird rauer

von Lukas Dubro  06.02.2026

Australien

»Action, Action, Action« im Dschungel

Regeln sind Regeln. Und Überraschungen sind Überraschungen: Jetzt unterhalten sich sogar Ariel und Gil

von Martin Krauß  06.02.2026

Berlin

Liebermann-Villa zeigt »Alles für die Kunst!«

Seinen Erfolg musste sich der Künstler Max Liebermann hart erkämpfen. Eine Ausstellung in der Liebermann-Villa am Berliner Wannsee zeigt, wie strategisch und konsequent er dabei vorging

 05.02.2026

Kulturkolumne

Make Judaism cool again!

Wie Tel Aviver Mode für Empowerment und Hoffnung sorgt

von Sophie Albers Ben Chamo  05.02.2026

Theater

Mit Kufiya und Kippa

Noam Brusilovskys Stück »Fake Jews« in Berlin knüpft an die Geschichte von Fabian Wolff an

von Stephen Tree  05.02.2026

Film

Ganz links in der Ecke

»Coexistance, my Ass« porträtiert die israelische Comedian Noam Shuster Eliassi und ein polarisiertes Land. Doch eine wichtige Info fehlt

von Ayala Goldmann  05.02.2026