Finale

Der Rest der Welt

Weg mit all der Folklore und dem Kitsch! Mit »Köln’s Next Toprabbi« können wir endlich die Darstellung von Juden in der Medienlandschaft umkrempeln. Foto: Thinkstock

Finale

Der Rest der Welt

Wie neue TV-Formate das Judentum in Deutschland beleben könnten

von Naomi Bader  27.11.2017 18:18 Uhr

Fernsehen ist für mich eine äußerst jüdische Angelegenheit: Eigentlich sehe ich nur fern, um von neuen bahnbrechenden Theorien über Hitlers angebliches Überleben zu erfahren, oder weil es mal wieder eine Antisemitismus-Doku gibt. Wüsste ich allerdings nur durch die Glotze über uns Bescheid, würde ich denken, dass wir den ganzen Tag entweder mit langem Bart und Schläfenlocken beten oder aber ständig verfolgt werden.

Solche Dokus sind einfach out! Und dieses ganze Antisemitismus-Zeug ist keine gute Publicity! Mal ehrlich: Wir sind nicht permanent damit beschäftigt, verfolgt zu werden. Wir haben andere Hobbys und können uns zumindest über andere Dinge beschweren als über Judenhass.

Humor Zum Beispiel über den Gemeinderabbiner. Ich denke da an meine Oma, die an einem Rabbiner gerne dessen fehlenden Humor bemängelt, wenn er nicht über ihre anzüglichen Witze lacht. Oder an einen Freund, der einen Rabbiner, dem kein anständiger Bart wächst, nicht als religiöse Autorität ansehen mag.

Andere halten den Rabbiner für unfähig, weil sie seine Frau nicht mögen. Wieder andere sind gerade mit ihrem Rabbiner zufrieden, weil er die Tora so auslegt, dass die Autofahrt zur Synagoge am Schabbes erlaubt ist.

Wo könnten solche zarten, kritischen Stimmchen im Fernsehen Gehör finden? Ich denke nicht, dass Anne Will mit der Synagogen-Gemeinde Köln über ihren nächsten Rabbiner diskutieren möchte, und bezweifle, ob wir für den nicht mehr gewollten Rabbiner bei der Trödelshow Bares für Rares noch etwas bekämen.

Viel eher bietet sich eines der beliebtesten TV-Formate an – die Castingshow! Mit »Köln’s Next Toprabbi« können wir endlich die Darstellung von Juden in der Medienlandschaft umkrempeln. Weg mit all der Folklore und dem Kitsch! Rabbinerinnen und Rabbiner werden von einer Jury bewertet. Diese bestünde aus der oder dem Gemeindevorsitzenden, einem älteren Gemeindemitglied, vielleicht einer Studentin (Ich biete mich an!) und natürlich einem echten Promi. Wollen wir mehr in Richtung RTL gehen, gibt Henryk M. Broder den Dieter Bohlen. Geht es mehr nach ProSieben, macht Gal Gadot die Heidi Klum.

Toprabbiner Fabelhafte Unterhaltung garantiert ein Wettkampf in den folgenden Disziplinen: »Witze erzählen«, »Familienzusammenhalt«, »Tora-Interpretation«, »Aussehen« und »Gesang«. Nach und nach scheidet einer aus. Frei nach dem Motto: »Tut mir leid. Wir haben heute leider kein Foto für dich.«

Die Jury trifft dann eine Vorauswahl von zwei Spitzenrabbinern, und schließlich stimmen alle ab. Das würde auch die demokratischen Strukturen in Gemeinden wieder etwas beleben. Am Ende hat die Gemeinde ihren Traumrabbiner oder ihre Traumrabbinerin gewählt und etwas für die Öffentlichkeitsarbeit des Weltjudentums getan.

Und wenn’s nicht mehr passt, kann die Gemeinde sich für Schlag den Rabbiner bewerben. Der verzweifelte, getriebene und zu viel kritisierte Rabbiner kann indessen bei Ich bin ein Rabbiner, G’tt holt mich hier raus mitmachen. Falls Leute aus Funk und Fernsehen diesen Beitrag lesen: Bitte melden, ich hätte da ein paar Ideen.

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