Finale

Der Rest der Welt

Ich liebe Hochzeiten über alles! Unbeschränkter Zugang zum Buffet, Alkohol bis zum Abwinken, aber vor allem kann man mit den besten Freunden völlig hemmungslos abdancen bis in den frühen Morgen ... Toll!

Ich bin so etwas wie ein Hochzeitsveteran, habe schon Dutzende Partys mitgemacht und weiß daher, dass diese immer nach demselben Strickmuster ablaufen: Zuerst ist der Saal noch zweigeteilt durch Topfpflanzen oder kleine Bäumchen, ganz züchtig tanzen die Mädels auf der einen, die Jungs auf der anderen Seite Hora, während die anwesenden Rabbiner dem Treiben zufrieden von ihrem Ehrentisch aus zusehen. Nach der Vorspeise dann erheben sie sich wie ein Mann und suchen das Weite. Jetzt endlich werden die Topfpflanzen beiseitegeschoben und ... DISCO!!!

antwerpen So funktioniert das überall auf der Welt – außer natürlich in Antwerpen, dem wohl spießigsten Ort weit und breit. Ich werde nie meine erste Antwerpener Hochzeit vergessen, als ich wie immer in meinem engen Glitter-Aufzug ankam und es kaum bis zur Disco abwarten konnte.

Als aber bereits die Hauptspeise hereingebracht wurde, die Rabbiner immer noch in bester Laune an ihrem Tisch saßen und sich Witze erzählten (»Kennt ihr den vom linkshändigen Mohel?«), wurde ich langsam stutzig und begann, verstohlen an den Topfpflanzen zu ruckeln – um zu meinem großen Schrecken festzustellen, dass sie am Boden festgeschraubt waren. Nix also mit Disco. Stattdessen gab es öde Hora bis zum Morgengrauen, und mir drehte sich noch tagelang der Kopf.

Doch dann – unzählige Hochzeiten später – endlich einmal eine andere Variante. Braut und Bräutigam waren bereits mehrere Male geschieden, insgesamt gab es acht Kinder aus früheren Ehen zu bestaunen. Sie kam aus New York, rauchte Kette, trug stets die winzigsten Miniröcke, trank wie ein Seemann und hatte sich eine richtig heiße Disco-Hochzeit mit allem Drum und Dran in den Kopf gesetzt.

buhrufe Ich fieberte dem Datum entgegen. Was würde passieren? Würde die Braut sich durchsetzen? Und würden die spießigen Antwerpener das mitmachen oder stattdessen unter Buhrufen den Saal verlassen?

Zu Beginn des Abends zierten die altbekannten Topfpflanzen den Saal, aber schon nach einer knappen halben Stunde kamen ein paar Kellner und trugen die Spaßbremsen kommentarlos nach draußen. Braut und Bräutigam begannen einen sexy Stehblues auf der Tanzfläche. Die Rabbiner waren unbemerkt zu einem Hinterausgang hinausgelotst worden. Ganz Antwerpen versammelte sich am Rand der Tanzfläche und starrte regungslos auf das schwofende Brautpaar. Alle warteten ab, was die anderen tun würden.

Auf diesen Moment hatte ich seit Jahren gewartet – das war meine große Chance! Und während mein Mann noch wie angewurzelt dastand und sich an mir festklammerte, riss ich mich los, grapschte nach möglichst vielen Händen und zog alle auf die Tanzfläche – das Eis war gebrochen. Es wurde eine fantastische Party! Vielleicht sollte ich ja nochmal heiraten? Denselben Mann natürlich, aber diesmal mit Disco und ohne Hora und Topfpflanzen.

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der Jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  19.04.2026

TV-Tipp

Der Elvis der Violine

Ivri Gitlis ist ein Phantom. Er bespielte mit seiner Geige die großen Bühnen und musizierte mit den Stars der Musikbranche. Seinen Namen kennen heute aber nur die wenigsten. Eine Arte-Doku begibt sich auf Spurensuche

von Manfred Riepe  19.04.2026

Aufgegabelt

Falafel-Bowl mit Quinoa

Rezept der Woche

von Katrin Richter  19.04.2026

Eurovision Song Contest

Mehr als 1000 Prominente verteidigen Israels ESC-Teilnahme

Helen Mirren, Amy Schumer und Co: Internationale Persönlichkeiten unterzeichnen einen offenen Brief

von Sabine Brandes  19.04.2026

Eurovision Song Contest

»Der Künstler aus Israel kann per se natürlich nichts dafür, dass er aus Israel kommt, aber …«

Der deutsche Sänger und frühere ESC-Teilnehmer Michael Schulte ruft Israel zum freiwilligen Verzicht auf seine Teilnahme am Eurovision Song Contest auf

 19.04.2026

Kultur

Klein wünscht sich mehr Wehrhaftigkeit gegen Antisemitismus im Kulturbetrieb

Der Antisemitismus-Beauftragte Klein kritisiert einen geplanten Auftritt der palästinenisch-stämmigen DJ Sama‘ Abdulhadi im Juli in Hamburg

 19.04.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Beat statt Predigt: Wenn der Rabbiner für eine bessere Welt rappt

von Margalit Edelstein  19.04.2026

Kommentar

Hätte er doch einfach geschwiegen

Michael Schulte ist der erfolgreichste deutsche Teilnehmer des ESC der letzten Jahre. Und Schulte ist ein geschichtsbewusster Künstler. Umso befremdlicher sind seine Einlassungen zu Israel

von Daniel Killy  18.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Wir Juden sollten uns nicht verstecken. Wir sollten offen, laut und stolz sein - auch und insbesondere auf den jüdischen Staat

von Daniel Neumann  17.04.2026