Finale

Der Rest der Welt

Ich unterrichte seit acht Jahren an einer streng orthodoxen Grundschule. Als ich damit begonnen habe, war ich selbst noch sehr religiös. Mit den Jahren hat sich das etwas gelegt. Ich kann keinen Punkt ausmachen, wo sich bei mir eine Trendwende abgezeichnet hat. Vielleicht ist das so wie in einer Ehe, bei der sich das ursprüngliche Feuerflackern in einen Kerzenschein verwandelt hat.

Seit etwa zehn Jahren schreibe ich. In kleinen Magazinen, in großen Tageszeitungen, in jüdischen Publikationen, in elektronischen – und bald auch für ein Buch. Ich schreibe über mein Seelenleben und über die kleinen Alltagssituationen. Ich nehme mich nicht so wichtig.

Wenn ich einen dummen Fehler gemacht habe, wenn ich irgendwo versagt habe, dann bin ich immer dankbar, etwas zu haben, worüber man schreiben kann. Manchmal lese ich etwas von mir, worauf ich nicht mehr sonderlich stolz bin. Dann gibt es aber wieder Artikel, über die ich lange nachgedacht habe und für die ich mit meiner ganzen Person einstehe.

Religion Ja, auch über das Judentum schreibe ich viel. Nicht immer Schmeichelhaftes, ein bisschen kritisch, aber eigentlich immer mit viel Liebe für diese wunderbare Religion. Dass ich als Jude auf die Welt gekommen bin, nehme ich nicht als Zufall hin. Allerdings: Nicht immer erkennt man meine Liebe zur Religion. Das ist mir jetzt zum Verhängnis geworden.

Mir wurde nämlich gekündigt, und zwar an ebendieser charedischen Schule. Zu viele Eltern fürchteten den Einfluss, den ich auf ihre Kinder ausüben könnte. Mit dem steigenden Erfolg als Pädagoge wuchs auch die Angst um dessen Wirkung. Als mich der Rektor zu sich bat, wusste ich gleich, worum es ging. Ich nahm das Kündigungsschreiben an und fühlte mich – befreit. Ein dicker Knoten hat sich da gelöst. Niemandem macht eine Kündigung Spaß. Aber wenn dadurch die Meinungsfreiheit wieder garantiert wird, entspannen sich viele Druckgefäße.

Gedanken Diesem Kündigungsschreiben vorausgegangen ist das Verbot, als Schabbat-Betreuung in einem religiösen, jüdischen Altersheim hier in Zürich zu arbeiten. Nochmals die gleichen Ängste. Man befürchtete, dass ich mit meinem Gedankengut Schaden an den Institutionen verübe.

Wie erwähnt, ich betrachte mich als kleine Nummer. Ich mache mir aber Sorgen um die Meinungsvielfalt im Judentum. Ich sorge mich, dass Andersdenkende und unterschiedlich Praktizierende keinen Platz mehr in der Orthodoxie haben. Wie lange lassen sie mich noch in der Synagoge beten, obwohl ich keinen schwarzen Hut trage? Wie lange werde ich noch geduldet? Und: zu welchem Preis?

Hollywood

»Enigma Variations«: Aaron Taylor-Johnson übernimmt Hauptrolle in neuer Serie

Im Zentrum der Handlung steht eine Figur namens Paul, deren Leben durch verschiedene Beziehungen geprägt wird. Die Geschichte beleuchtet Fragen von Identität, Begehren und Liebe

 23.03.2026

Filmklassiker auf der Bühne

Premiere in Hamburg: »Zurück in die Zukunft« als Musical

In den 1980er-Jahren war der Film ein Riesenerfolg. Als Musical feierte die Komödie am Wochenende in Hamburg Premiere. Bob Gale, der jüdische Co-Autor der Filmtriologie, schrieb das Musical

 23.03.2026

Jubilar

»Mikrofon für die Seele«: Klezmer-Musiker Giora Feidman wird 90

Giora Feidman hat die jüdische Klezmer-Tradition in den Konzertsaal gebracht. In einfachen Liedern findet er große spirituelle Tiefe. Mit seiner Musik will der Klarinettist Menschen verbinden – und pflegt bei seinen Konzerten ein bestimmtes Ritual

von Katharina Rögner  23.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Mit Fran Lebowitz und Larry David in der Ringbahn – ein Traum

von Katrin Richter  22.03.2026

Geburtstag

Für immer Captain Kirk: William Shatner wird 95

Mit der »Enterprise« brach er in den 60er Jahren in die »unendlichen Weiten« des Weltalls auf. »Star Trek« machte den jüdischen Schauspieler weltberühmt

von Holger Spierig  22.03.2026

Aufgegabelt

Tahini-Gugelhupf mit Kardamom und Orange

Rezept der Woche

von Katrin Richter  21.03.2026

Journalismus

Neuer Georg Stefan Troller Preis ehrt Beiträge über jüdisches Leben

Er hat einst das Interview-Format revolutioniert. Ein neuer Journalisten-Preis wird im Namen des im September 2025 gestorbenen Schoa-Überlebenden Georg Stefan Troller ausgeschrieben

 20.03.2026

Genuss

Koschere Frühlingsblumen

Warum der Sederabend für Weinliebhaber kein Albtraum mehr sein muss

von Jacques Abramowicz  20.03.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  20.03.2026