Bayreuth

Der Fliegende Holländer als Kinderoper

Szene aus »Der fliegende Holländer« Foto: Bayreuther Festspiele/ ©David Mews

Bayreuth

Der Fliegende Holländer als Kinderoper

Der Israeli Kerem Hillel bringt jungen Zuhörern die Lust an der Oper bei – und macht auch Erwachsene glücklich

von Maria Ossowski  31.07.2024 10:50 Uhr

Er ist Israeli und 29 Jahre alt. Seine Großeltern sind der Schoa entkommen. Er hat in der israelischen Armee gedient, er studiert Regie in Berlin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler. Jetzt hat Kerem Hillel auf dem Grünen Hügel in Bayreuth klug und genial Wagners Fliegenden Holländer inszeniert – als Oper für Kinder, auf der Probebühne im Ostflügel des Festspielhauses. 199 Kinder, kleine Jungs mit Weste und passender Fliege, Mädchen in Tüllkleidern und mit Lackschuhen fiebern mit, wenn der Holländer nach sieben Jahren an Land gehen darf.

Keine Sekunde Langeweile

Sie langweilen sich keine Sekunde, denn dieser Fliegende Holländer, der noch bis 3. August gespielt wird, dauert nur eine Stunde. Das reicht vollkommen. Alle Hits sind dabei, Sentas Ballade »Traft ihr das Schiff im Meere an«, Holländers Klage »Die Frist ist um«. Der Chor fehlt, egal. Die Kinder müssen den Steuermann selbst rufen. Der ist verpennt, klettert vom Ausguck runter, springt im Rettungsring vom Schiff und holt erst einmal aus dem Meer einen Fisch. Außerdem geht die Story endlich gut aus. Den Holländer ziehtʼs wieder aufs Schiff, aber Senta kommt mit, weil ihr das Dorf zu langweilig ist.

Das Brandenburgische Staatsorchester sitzt hinter einem schlichten und kindgerechten Bühnenbild. Alle Sänger sind Stars der großen Bühne. Der Holländer singt in der Götterdämmerung den Hagen, die Senta die Ortlinde in der Walküre. Die Kinder sitzen ganz nahe an ihnen dran, wenige Meter, und bekommen hautnah mit, wie schön und anspruchsvoll Gesang ist.

Auf der Schulter vom Holländer, der auch bauchreden kann, sitzt ein Stoff-Papagei.

Hillel lässt sich ein auf die Fantasie und die Neugierde der Kinder. Auf der Schulter vom Holländer, der auch bauchreden kann, sitzt ein Stoff-Papagei. »Och nö«, nölt der Papagei. »Ich will nicht schon wieder sieben Jahre aufs Schiff.« Der Holländer versucht vergeblich, ihm den Schnabel zuzuhalten. Ein Gag jagt den nächsten, der Seemann ist seekrank und kotzt, ein Wunschfelsen kann plappern, da können sich Kinder auch Taylor-Swift-Tickets wünschen. Sentas Vater Daland trällert zwischendurch: »Völlig losgelöst von der Erde …«

Die Kinder singen mit, jubeln und trampeln. Katharina Wagner hat diese Reihe 2008 erfunden und betreut sie. So bringt man Kindern die Lust an der Oper bei. Und macht Erwachsene wieder glücklich, die in der Premiere von Tristan und Isolde arg gelitten haben.

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