Medizin

Das geht ans Herz

Auch Männerherzen brauchen keinen Stress. Foto: Getty Images

Ständiger Streit und ewiges Nörgeln sind Gift für die Ehe – diese Binsenweisheit dürfte wohl jeder kennen. Was die meisten allerdings nur erahnt haben dürften, sind die Folgen, die eine unglückliche Beziehung für die Gesundheit haben kann. Konkrete Zahlen dazu liefert jetzt eine aktuelle Studie aus Israel.

»Was wir herausgefunden haben und auch für uns überraschend war, ist die Tatsache, dass die Unzufriedenheit mit ihrer Ehe für Männer ein ähnlich hoher Risikofaktor sein kann wie das Rauchen oder Bewegungsmangel«, bringt Shahar Lev-Ari, Forscher an der Sackler-Fakultät für Medizin an der Universität Tel Aviv, die Ergebnisse auf den Punkt.

Ausgangsbasis der Studie, die gerade im »Journal of Clinical Medicine« veröffentlicht wurde, bildeten die Daten von knapp 9000 israelischen Männern, die teilweise bis in das Jahr 1965 zurückreichen. Untersucht wurden seit damals Beamte und Mitarbeiter von Stadtverwaltungen sowohl aschkenasischer als auch misrachischer Herkunft im Alter von mindestens 40 Jahren. Dabei erfasste man nicht nur alle Angaben wie beispielsweise solche über den Nikotinkonsum oder das Essverhalten, sondern prüfte auch regelmäßig Body-Mass-Index, Blutdruck und Diabetes-Status.

VORHERSAGE Bereits damals sollten die Teilnehmer auch ihr Eheglück bewerten, und zwar auf einer Skala von eins bis vier, also von »sehr glücklich« bis zu »sehr unzufrieden«. »Heute wissen wir einfach mehr über die Zusammenhänge zwischen psychischem Wohlbefinden und körperlicher Gesundheit«, so Lev-Ari. »Und bei einer erneuten Betrachtung all dieser Zahlen fanden wir heraus, dass die Aussagen über die Zufriedenheit mit der Ehe tatsächlich eine Art Vorhersagekriterium für den Tod generell, aber vor allem für Schlaganfälle sein können.«

Denn die Sterblichkeitsrate von Männern, die angegeben hatten, dass ihre Ehe nicht ganz so toll ist, lag um 19 Prozent höher als die von solchen in einer glücklichen Beziehung. Die Forscher stellten ebenfalls fest, dass der Tod Personen, die zu Beginn der Studie unter 50 Jahre alt waren, sogar noch häufiger ereilte.

Aber auch die Anfälligkeit für Schlaganfälle fiel den Wissenschaftlern dabei auf. Wer seiner Ehe die Note vier gegeben hatte, dessen Risiko, an den Folgen eines Schlaganfalls zu sterben, hatte sich deutlich erhöht, und zwar um satte 69 Prozent im Vergleich zu denen, die mit ihrer Gattin – nur heterosexuelle Beziehungen wurden untersucht – in Harmonie zusammenlebten.

THERAPIEANGEBOTE Sehr wahrscheinlich stehen diese Zahlen ebenfalls im Zusammenhang mit dem Nikotinkonsum. Wer mit seinem Eheleben eher unzufrieden war, so die Studie, griff nämlich auch häufiger zur Zigarette. Über den Genuss von Alkohol war dagegen nichts zu lesen. Vielleicht liegt es daran, dass in Israel im Verhältnis zu anderen Ländern relativ wenig getrunken wird, weshalb die Frage danach erst gar nicht gestellt wurde.

Die Empfehlung der Experten lautet daher: »Ähnlich wie bei Kampagnen zur Nikotinentwöhnung oder für mehr Bereitschaft zu sportlichen Aktivitäten sollten ebenfalls Programme zur Verbesserung von Paarbeziehungen entwickelt und eingesetzt werden.« Sie glauben, dass entsprechende Therapieangebote einen signifikanten Beitrag zu Verbesserung der Gesundheit in der Bevölkerung leisten können.

Über die Zusammenhänge zwischen einer konfliktreichen Partnerschaft und der Gesundheit ist schon viel geforscht und geschrieben worden. So hatten britische Forscher über zwölf Jahre lang 9000 Freiwillige zu ihren negativen Erlebnissen in Beziehungen befragt und bereits 2013 festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden, bei streitsüchtigen Paaren um 34 Prozent höher lag. Und erst vor drei Jahren hatte eine Studie der Universitäten von Michigan und Nevada ergeben, dass toxische Beziehungen vermehrt Stresshormone freisetzen, das Herz-Kreislauf-System belasten und die körperlichen Abwehrkräfte schwinden lassen.

GLÜCK Im Unterschied zu den Arbeiten von Shahar Lev-Ari deckte diese Studie aber nur den Zeitraum der ersten 16 Jahre einer Ehe ab, auch war der Datenpool mit weniger als 400 Personen deutlich kleiner. Dafür wurden beide Geschlechter untersucht. Das Ergebnis: Männer leiden unter einer unglücklichen Ehe mehr als Frauen.

Was aber alle Wissenschaftler widerlegen können, ist die alte These, dass verheiratete Menschen länger leben und weniger anfällig für Krankheiten sind als Singles, Verwitwete oder Geschiedene. Offensichtlich spielt das Glück, das in einer Ehe vorhanden sein sollte, die entscheidende Rolle.

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