Musik

Bucht uns, bitte!

Freuen sich auf deutsches Freibier: Nipel Twist Foto: promo

»Wir wollen bekannt werden«: Dror Goldstein, 24-jähriger Bassist und Sänger der israelischen Band Nipel Twist, hat sehr genaue Vorstellungen davon, was dieser Sommer bringen soll. Die kommenden anderthalb Monate sind die Punkrocker aus der Kleinstadt Kirjat Ono bei Tel Aviv unterwegs. Nicht wie sonst zwischen Haifa und Eilat. Ende Juli begibt sich die Gruppe nach Europa, um auf Festivals und in Clubs aufzutreten. Start ist am 31. Juli in Porta Westfalica, gefolgt von Frankfurt, Hamburg und Bünde in Westfalen. Auch Gigs in Rumänien und Schweden stehen auf dem Tourplan. Und für Auftritte zwischendurch steht man bereit: »Book us!« – »Bucht uns!« heißt es fast flehentlich auf der MySpace-Seite der Band.

nebenerwerbs-punker Zu den Großen der Punkszene gehört Nipel Twist nicht. (Der Bandname kommt, sagt Dror, von »dem Geräusch, dass du machst, wenn dir jemand den Nippel umdreht«. Die falsche Schreibweise soll an die Initialen einer Person erinnern, auf die Dror jedoch nicht näher eingehen will.) Zu den Gigs der Gruppe in Israel kommen in der Regel 40 bis 100 Zuhörer. Leben kann man davon nicht. Dror verdient wie Gitarrist Duks Geld mit Arrangements für andere Bands. Yuda, der zweite Mann an der Gitarre, hat in der Werbebranche ein Standbein. Ihr Debütalbum Here All & Now 2004 musste die Band mangels Label selbst herausbringen. Zusätzlich erschwert wurde die Produktion der CD, weil der damalige Schlagzeuger Yakov mitten in den Aufnahmen auf einmal fromm wurde und sich zugunsten der Religion vom Punk verabschiedete.

verspielt Nipel Twist ist keine brettharte klassische Punkband. Ihr druckvoller Sound mit hohem Ohrwurmfaktor und mehrstimmigen Refrains klingt sonnig und verspielt. Deutlich sind die Referenzen an US-Westküstenbands à la NOFX oder die selbst ernannten Vorbilder Blink 182, denen Nipel Twist bisweilen ziemlich nahekommt. Auch Emocore-Einflüsse schwingen mit. Kaum hörbar ist dagegen, dass einige Mitglieder auch in Metalbands spielen, die in Israel auf besser besuchte Gigs rechnen können. Immerhin, sagt Dror, nehme die Zahl der Punkbands zu, vor allem in Tel Aviv und Haifa. Dort sitzt mit Useless ID die einzige israelische Punkgruppe, die es auch außerhalb des Landes zu einem gewissen Bekanntheitsgrad gebracht hat.

Den will Nipel Twist mit seiner Europatour jetzt auch erreichen. Wobei das Wort Tour irreführt. Roadies gibt es keine, ebenso wenig einen Tourbus. Die Band fährt im Zug zu ihren Auftritten. Übernachtet wird im Schlafsack auf den Böden von Clubs und Jugendzentren. Damit haben die israelischen Punker Erfahrung. Vorigen Sommer waren sie schon einmal in Deutschland unterwegs. Von ihren damals zehn Auftritten in Deutschland schwärmen die Musiker immer noch in höchsten Tönen – vor allem von dem vielen Freibier.

www.myspace.com/nipeltwist

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