Psychologie

Bitte recht unfreundlich

Meister der verbalen Gemeinheiten: Christoph Maria Herbst als Stromberg Foto: dpa

Eigentlich ist Stromberg die optimale Führungskraft. Zwar gehören Nettigkeit und Feingefühl nicht unbedingt zu den Kernkompetenzen der Hauptfigur in der gleichnamigen Comedy-Fernsehserie. Und als Ekelchef vom Dienst in einer fiktiven Versicherung macht er regelmäßig seine Untergebenen klein und sorgt mit verbalen Gemeinheiten sowie Peinlichkeiten für ein Arbeitsklima der ganz besonderen Art. Wer hier arbeiten muss, der hat bestimmt innerlich bereits gekündigt und ist alles andere als motiviert, möchte man meinen.

Doch weit gefehlt. »Obwohl es in Business-Schulen verpönt ist, betrachten nicht wenige Manager Wut und Aggressionen als potenzielle Management-Tools«, hieß es jüngst im US-Wissenschaftsmagazin Miller-McCune. »Denn Mitarbeiter, die sich der Tatsache bewusst sind, dass die Geduld eines Kunden gerade überstrapaziert wird oder dem Boss gleich der Kragen platzt, arbeiten häufig einfach schneller und effektiver.«

Kreativ Auch eine neue Studie aus Israel zeigt, dass diese Strategie des Dampf-Ablassens seitens des Vorgesetzten gelegentlich die gewünschten Erfolge bringen kann. Doch klappt das nur, wenn es sich dabei um ganz einfache Tätigkeiten handelt. Sind aber in einer Arbeitssituation kreative Lösungsansätze gefragt, sollten Führungskräfte auf andere Mittel zurückgreifen und mehr Fingerspitzengefühl an den Tag legen, um die gewünschten Resultate zu erzielen.

»Im Unterschied zur reinen Wut als Ausdrucksmittel kann der Einsatz von Sarkasmus genau den positiven Effekt haben, der gewollt ist«, erklärt Ella Miron-Spektor von der Bar-Ilan-Universität. »Wenn sich Menschen ordentlich über andere ärgern, sollten sie einfach mal den Versuch unternehmen, ihrem Feedback eine sarkastische Note zu verleihen«, rät die Psychologin und Leiterin der Untersuchung, die ihre Ergebnisse jüngst im Journal of Applied Psychology veröffentlicht hat. »Sie werden mit dem Ergebnis zufriedener sein.«

Um dies zu beweisen, hat Miron-Spektor in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Technion in Haifa eigens ein paar Testreihen konzipiert: So bekamen 72 Studenten der Ingenieurswissenschaft Beschwerdeanrufe an eine Mobilfunkfirma vorgespielt. Entweder hörten sie einen höchst unzufriedenen Kunden, der das Unternehmen und seine Mitarbeiter zum Teufel wünschte, oder aber ein sachliches und ruhiges Gespräch.

Danach mussten die israelischen Studenten rund ein Dutzend Fragen beantworten, die entweder rein analytische Begabungen voraussetzten oder aber einen kreativen Ansatz erforderten. Das Resultat war verblüffend: Die Leistungen derjenigen, die mit dem tobenden Kunden zu tun hatten, fielen deutlich besser aus als die der anderen. Jedoch geschah dies nur, wenn eine Analyse der Probleme im Vordergrund stand – sobald Kreativität gefordert schien, gerieten sie eindeutig ins Hintertreffen.

Bei einem weiteren Versuch mit 375 Studenten kamen erneut aufgezeichnete Anrufe vom Kundenservice eines Unternehmens zum Einsatz. Diesmal war rund ein Drittel dieser Gespräche in einem normalen und unaufgeregten Ton gehalten, ein Drittel dagegen zutiefst von Wut und Aggressionen geprägt. Alle übrigen kamen trotz Ärger mit einem gewissen humorvollen oder sarkastischen Unterton daher. Nun lautete die Aufgabe der Probanden, die Rolle des Kundendienstmitarbeiters zu übernehmen und den Anrufern zu helfen.

zweideutig Wer dabei an die unfreundlichen Zeitgenossen geraten war, dem fiel es auch in diesem Experiment deutlich leichter, sich auf die Sache zu konzentrieren, als bei einem neutralen Gesprächspartner. Doch blieben die Ergebnisse sehr hinter den Erwartungen zurück. Wurden die Probanden dagegen mit einer gehörigen Portion Sarkasmus konfrontiert, erbrachten sie durchweg kreative Lösungen, insbesondere bei schwierigeren Fragestellungen.

»Wir haben damit zeigen wollen, dass Wut nicht unbedingt die beste Strategie ist, um Mitarbeiter zu motivieren«, kommentiert Miron-Spektor die Ergebnisse. »Zwar arbeiten die Leute dann härter, jedoch blockiert diese Mehranstrengung genau die Denkprozesse, die für eine Herangehensweise an neue oder komplexe Probleme notwendig sind. Entsprechend sieht die Performance sehr viel schlechter aus.«

Sarkasmus dagegen produziert aufgrund seines humorvollen Untertons bei dem Empfänger deutlich weniger Furcht als bloßer Krawall. Zugleich wird das Gehirn stimuliert, weil es gezwungen ist, die Zweideutigkeiten zu entziffern, die in der feindlichen Nachricht verborgen sind.

Doch Ella Miron-Spektor ist weit entfernt davon, nun den Strombergs dieser Welt einen Freibrief auszustellen. »Ich möchte sehr wohl betonen, dass ich Sarkasmus an sich nicht für eine gute Sache halte. Aber im Vergleich zur bloßen Wut ist er als Mittel einfach besser, auch wenn eine Überdosis davon ebenfalls äußerst problematisch sein kann.«

Wien

Israel zieht ins Finale des ESC ein

Noam Bettan überzeugt mit seinem Lied »Michelle« Jury und Publikum

von Martin Krauß  12.05.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Warum ich die schlechte Antwerpener Luft so manchem Insekt vorziehe

von Margalit Edelstein  12.05.2026

Ausstellung

Zerstörung bauen

Das Jüdische Museum Berlin würdigt das Werk von Daniel Libeskind und feiert den 80. Geburtstag des Architekten

von Thomas Sparr  12.05.2026

Eurovision Song Contest

Autor von Kultserie macht TV-Sender schwere Vorwürfe

Irlands Sender RTÉ boykottiert den diesjährigen ESC, weil Israel daran teilnimmt. Jetzt kommt Gegenwind: Drehbuchautor Graham Linehan will nicht, dass zeitgleich eine Episode der von ihm mitgeschaffenen Sitcom »Father Ted« ausgestrahlt wird

 12.05.2026

Serie

Filmemacher: Tagebuch von Etty Hillesum als Pflichtlektüre an Schulen

Die jüdische Autorin Etty Hillesum wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Eine Serie über den Holocaust ist »Etty« jedoch nicht: Es geht vielmehr um ihr Leben und ihre Ideen - die heute höchst aktuell erscheinen

von Paula Konersmann  12.05.2026

Eurovision

Weimer fährt für Israels ESC-Auftritt nach Wien

»Es ist kein Ort, wo politische Dinge in dieser Dimension eine Rolle spielen sollten«, sagt der Kulturstaatsminister

 12.05.2026

Filmfestivals

Regisseurin: Filmfeste müssen politische Debatten aushalten

Wird es in Cannes ähnlich politisch wie bei der Berlinale?

 12.05.2026

Fernsehen

»Etty«: Eine junge Frau umarmt das Leben und trotzt der Vernichtung

Amsterdam 1941: Die jüdische Intellektuelle Etty Hillesum besiegt ihre Ängste und erlebt eine große Liebe. Sie führt Tagebuch, das viele weltweit berührt. Nun ist es verfilmt worden

von Annette Birschel  12.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  12.05.2026