Studie

Beziehungskiller Dominanz

Liebe: Wer soft ist, gewinnt. Foto: Thinkstock

Irgendwie ist der Wurm drin. Wann immer Chaim Ostrovsky sich auf eine Beziehung mit einer Frau eingelassen hatte, wurde er nach wenigen Monaten von seiner Partnerin wieder in die Wüste geschickt. »Ich sei eine Spur zu dominant, bekam ich dann regelmäßig zu hören«, beklagt der 34-jährige Softwareingenieur aus Tel Aviv. »Dabei sehe ich mich als Gentleman alter Schule und möchte, dass sich meine Freundin bei mir sicher und geborgen fühlt.

Doch offensichtlich ist das heute nicht mehr gefragt.« Das mag vielleicht ein Grund für das serielle Scheitern seiner Beziehungen sein. Ein anderer hat wohl etwas mit männlichem Überlegenheitsverhalten zu tun, was gelegentlich mit Beschützerinstinkt verwechselt wird. Doch dahinter steckt noch viel mehr, wie jetzt israelische Wissenschaftler in einer Studie herausfanden.

Bedrohung »Auch wenn sie es noch so sehr verneinen, Männer mit sexistischen Einstellungen fühlen sich von Frauen indirekt bedroht«, bringt es die Psychologin Orly Bareket von der Universität Tel Aviv auf den Punkt. Das ist eine Erkenntnis der von ihr initiierten Studie, an der 108 heterosexuelle israelische Männer teilnahmen und deren Ergebnisse im Fachmagazin »Sex Roles« veröffentlicht wurden.

»Das hat eine Menge mit der erstmals von Sigmund Freud beschriebenen Dichotomie von ›Heiliger und Hure‹ zu tun.« In seiner Schrift Über die allgemeinste Erniedrigung des Liebeslebens identifizierte er einen bestimmten Typ Mann, der Frauen entweder ausschließlich als »gut« und damit »enthaltsam« betrachtet oder aber als »schlecht« und deshalb »promiskuitiv«. In der Fachwelt spricht man von einer »Madonna-Huren-Dichotomie«.

Bis dato lag in der Forschung der Fokus primär auf den dadurch ungelösten sexuellen Komplexen und Konflikten. »Wo sie lieben, begehren sie nicht, und wo sie begehren, können sie nicht lieben«, schrieb Freud. In den feministisch durchwirkten Diskursen der Gegenwart addierte sich dazu die Deutung dieser Zweiteilung als Bestreben nach Aufrechterhaltung patriarchaler Strukturen.

»Dieser Typ von Männern hat Schwierigkeiten, die Frauen, die sie lieben, auch attraktiv zu finden«, erklärt Bareket. Anders ausgedrückt: »Die Liebe zu Frauen, zu denen sie sich sexuell hingezogen fühlen, resultiert irgendwann in einer chronischen Unzufriedenheit mit der romantischen Beziehung.«

Hierarchie In ihrer Studie klopfte sie mit ihrem Team die Männer auf das Vorhandensein der Madonna-Huren-Dichotomie ab, indem sie auf einer Skala von eins bis sieben nach ihrer Zustimmung oder Ablehnung von Statements wie »Eine attraktive Frau ist normalerweise keine gute Mutter« oder »Die Beziehungen zwischen Männern und Frauen sind meistens fair ausgerichtet« fragte. Auf diese Weise wollten die Wissenschaftler Einstellungen wie soziale Dominanz oder Hierarchiedenken ergründen und in Bezug zu Ansichten über Frauen setzen. Rund drei Viertel der Teilnehmer der Studie waren jünger als 30 Jahre, die Mehrheit übrigens Single.

Die erste Erkenntnis mag vielleicht wenig überraschen. Männer, die sagen, dass eine aktive weibliche Sexualität und die Rolle als gute Mutter einander ausschließen, neigen dazu, »Ideologien zu befürworten, die auf Ungleichheit der Geschlechter beharren, Frauen als Objekte betrachten und ihnen das Recht auf eine eigene und gelebte Sexualität eher verweigern«.

Das eigentlich Neue, was die Studie zutage förderte, ist die Beobachtung, dass Männer, die dieser Madonna-Huren-Dichotomie anhängen, zugleich ein auffällig hohes Maß an Unzufriedenheit mit ihren eigenen Beziehungen zu Frauen äußerten. »Dadurch erweitert sich der feministische Ansatz, weil derartige patriarchalische Einstellungen wohl nicht nur Frauen schaden können, sondern gleichfalls den Männern selbst«, kommentiert die Psychologin die Ergebnisse.

Behandlung Für Therapeuten sind derartige Forschungen wichtig, weil sie ihnen helfen, Männer mit dem Hang zu der besagten Madonna-Huren-Dichotomie besser zu behandeln und in entsprechende Interventionen zu integrieren. So will man ihnen helfen, die Auswirkungen dieser Zweiteilung in der Wahrnehmung des anderen Geschlechts zu überwinden. Gleiches gilt für weibliche Patienten, denn auch Frauen können die Madonna-Huren-Dichotomie aus den verschiedensten Gründen verinnerlicht haben oder sind in einer Beziehung mit einem Mann, der dafür empfänglich ist.

Aber noch etwas anderes offenbart sich in der Studie. »Bereits vor über zehn Jahren fand man in der Sozialpsychologie durch Studien heraus, dass entgegen der landläufigen Meinung feministische Einstellungen keinesfalls Romantikkiller sind«, so Bareket. »Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Heterosexuelle Männer, die sich diese zu eigen machen und weitgehend nach dem Prinzip der Gleichheit der Geschlechter handeln, haben bewiesenermaßen stabilere und glücklichere Beziehungen mit ihren Partnerinnen.«

Wer dagegen Dominanzverhalten an den Tag lege, kann das nicht von sich behaupten und wird überdurchschnittlich oft mit dem Verlust der Partnerin konfrontiert.

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