FINALE

Benis Welt

In Zürich gibt es eine orthodoxe jüdische Mädchenschule. Die Schülerinnen gehen in langen Röcken zum Unterricht. Wenn die Lehrer ins Schulzimmer kommen, erheben sie sich brav. Auf dem Lehrplan steht unter anderem auch Nähen.

Da ich von Natur aus Angst vor Frauen habe, bin ich froh, nicht an dieser Schule zu unterrichten. Jeglicher Kontakt lässt sich allerdings nicht vermeiden. Vorige Woche fand an der frommen Lehranstalt ein »Schul-Basar« statt. Meine Gattin schleppte mich dort hin. Es gab koschere Zuckerwatte und eine jüdische Hüpfburg. An einem Stand wurde israelischer Schmuck verkauft, an einem anderen lange Röcke. Die Besucherinnen waren begeistert. Basare sind für Frauen offenbar das, was für uns Männer ein Fußball-Bier-Abend ist.

Mir selbst gefiel es weniger. Ständig lief ich in Kinderwagen hinein. Babys plärrten und Frauen schnatterten, als ob es kein Morgen gäbe. Ich dachte an muslimische Selbstmordattentäter und deren Hoffnung auf 72 kreischende Jungfrauen. Ist es das wirklich wert?

tombola Dann sah ich ein Mädchen, das Lose verkaufte. Tombolas gehören zu Basaren wie Schnaps zu Purim. Ich wollte wissen, was man gewinnen kann und bekam als Antwort eine Handbewegung Richtung Vitrine. Dort lagen die erschnorrten Hauptgewinne: eine goldene Uhr, ein Flugticket nach Israel und ein wertvoller Ring. Auf einem Podest daneben standen die Trostpreise, ebenfalls alle gespendet: Eine Schabbat-Tischdecke, ein 100-Franken-Gutschein für die koschere Fleischerei und eine 75-Franken-Ermäßigung bei einem jüdischen Reiseveranstalter. Gar nicht übel, dachte ich mir, und kaufte drei Lose. Auf dem ersten stand »Danke für Ihre Unterstützung«. Mist. Auch das zweite Los war eine Niete. Aber auf dem dritten stand eine Zahl. Geil! Noch nie zuvor in meinem Leben hatte ich jemals in einer Lotterie gewonnen. Ich lief zur Preisverteilungsdame, und die versetzte mich erst recht in Superstimmung: Ich hätte einen Hauptpreis gewonnen, Gewinnausgabe aber erst am Abend.

Ich hatte dann leider Durchfall am Abend (die koschere Zuckerwatte) und schickte meine Frau, den Preis abzuholen. Ich malte mir aus, wie ich im Sommer nach Israel fahren, an der Klagemauer beten oder am Tel Aviver Strand herumdösen würde. Eine Uhr wäre auch nicht schlecht.

Gutschein Ich hörte Schritte, meine Frau! In der Hand wedelte sie mit einem Umschlag – toll, der Flug! Nein, der war’s nicht. Ich hatte einen 200-Franken-Gutschein gewonnen für »eine zahnärztliche Beratung bei Dr. J. Müller (gültig bis 31. Dezember 2010)«

Ist jemand unter den Lesern interessiert an so was? Ich bin auch gern bereit, im Preis herunterzugehen. 100 Euro? 75 Euro? 50 Euro? Wenn Sie ihn selbst nicht gebrauchen können – stiften sie den Gutschein einfach für den nächsten WIZO-Basar ihrer Gemeinde.

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