Finale

Benis Welt

Von Moses wird berichtet, dass er kein guter Redner war. Trotzdem hat ihn Gott zu seinem Sprachrohr auserwählt. Hätte damals schon ein »Haschagrir«-Wettbewerb stattgefunden, bei dem im Fernsehen der beste ehrenamtliche Botschafter Israels gesucht wurde – Moses wäre nie und nimmer ins Recall gekommen.

Ich auch nicht, wie mir vorige Woche deutlich wurde. Meine Nichte hatte Batmizwa. Ich war bei der Feier der »Tischmajor«. Das ist ein helvetischer Ausdruck. Der Tischmajor koordiniert die Abläufe der Festlichkeit und fungiert auch als eine Art Moderator oder Conférencier. Wenn er es denn kann. Wenn nicht, langweilt er.

showeffekte So wie auch ich. Dabei hatte ich mir so viel vorgenommen. Ich wollte eine gute Show abziehen und hatte mir in den Tagen vor der Feier Witze, Überleitungen sowie Apercus ausgedacht und aufgeschrieben. Zum Beispiel diesen: Der Rektor der jüdischen Schule hatte akkurat zu der Zeit, als die Feier stattfand, einen Radioauftritt zum Thema »Sex und der Talmud«. Also wollte ich das Fest mit den Worten eröffnen: »Liebe Schüler und Schülerinnen, schön dass ihr alle zur Batmizwa eurer Freundin gekommen seid. Der Rektor ist leider verhindert, er redet gerade über Sex im Talmud.«

Nun muss man allerdings wissen, dass ich ein ziemlich verklemmter Mensch bin. Das Wort »Sex« benutze ich nicht häufig. Vor allem nicht in einer Jeschiwa vor über hundert Menschen. Also sagte ich lediglich: »Das Buffet ist eröffnet.« Die Gäste schauten mich enttäuscht an, denn mein Schwager hatte mich als Komiker vorgestellt, der lustige Kolumnen schreibt.

rülpser Auch in der Folge gelang mir kein einziger Lacher. Es war wie verhext. Den Rabbiner etwa, der wie alle Männer und Frauen seines Berufs gerne lange redet, wollte ich mit den Worten einführen (die ich extra auf einen Zettel aufgeschrieben hatte): »Herr Rabbiner, darf ich Sie bitten, einen Vortrag zu halten? Wir haben noch drei Minuten Zeit bis zum Tischgebet!« Doch als es soweit war, verließ mich der Mut und ich sagte nur: »Unser Herr Rabbiner wird nun einige Worte an die Batmizwa richten.« Stille im Saal. Alle erwarteten noch einen lustigen Kalauer, auch der Rabbiner selbst. Aber ich konnte nicht. Mir fiel nichts ein.

So verhaspelte ich mich weiter durch den Abend. Von Moderation zu Moderation wurde es schlimmer. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Als wieder ein Auftritt mit Mikro auf der Bühne anstand, schaute ich verzweifelt gen Himmel: »Moses hilf mir!« Und Moses half tatsächlich in Gestalt eines Milchrülpsers meines Sohnes. Mein Anzug war dahin, und ich konnte die Tischmajorsfunktion an meinen Bruder abgeben. Von Komikerallüren bin ich geheilt.

Nachruf

Jürgen Habermas – die jüdische Gemeinschaft verliert einen großen Freund

Der große Soziologe war zeitlebens mit Israel verbunden

von Michael Brenner  16.03.2026

Oscars 2026

Timothée Chalamet muss warten

»Marty Supreme« war der überraschende Verlierer des Abends. Aber nach dem großen Mischpoche-Fest im Vorjahr gab es einen großen und viele kleine Erfolge für die jüdischen Filmfans

von Sophie Albers Ben Chamo  16.03.2026

Serie

Sarah Michelle Gellar: »Buffy«-Neuauflage abgesagt

Die Schauspielerin wendet sich in einem Video an ihre Fans, um sie über den Stopp des Projektes zu informieren

 15.03.2026

TV-Tipp

Fast rundes Alterswerk

Der rbb zeigt »Ein Glücksfall«, den 50. Film von Woody Allen

von Kira Taszman  15.03.2026

Philosophie

Ende einer Epoche und Auftrag

Jürgen Habermas ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Zum Tod des renommierten Denkers ein Nachruf aus jüdischer Sicht

von Johannes Heil  15.03.2026

Zahl der Woche

615,5 Kilo

Fun Facts und Wissenswertes

von Katrin Richter  15.03.2026

Geheimnisse und Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

 15.03.2026

Jürgen Habermas

Die Macht des Arguments

Meisterdenker und öffentlicher Intellektueller – in beiden Rollen höchstes Ansehen zu genießen, gelingt nur wenigen. Jürgen Habermas war einer von ihnen. Nun ist der Philosoph mit 96 Jahren gestorben.

von Sandra Trauner  14.03.2026

Berlin

Wirbel um Weimer: Regierung weist Rücktrittsforderung zurück

Erst gab es Debatten über Antisemitismus auf der Berlinale, jetzt über den Buchhandlungspreis: Die Bundesregierung stellt sich hinter ihren Kulturstaatsminister Wolfram Weimer

von Julia Kilian, Verena Schmitt-Roschmann, Sabrina Szameitat, Silke Sullivan  12.03.2026