Demoskopie

Barometer der Beziehungen

Foto: Getty Images

Demoskopie

Barometer der Beziehungen

Eine Umfrage beleuchtet die gegenseitige Wahrnehmung von Israelis und Europäern

von Ralf Balke  02.05.2024 18:45 Uhr

Am Puls der deutsch-israelischen Beziehungen möchte man sein und verstehen, wie Deutsche auf Israel blicken sowie umgekehrt. Das ist die Zielsetzung des HU-EF-Barometers, dessen neue Ergebnisse dieser Tage veröffentlicht werden.

»Wir haben aber dieses Mal unseren Fragenkatalog erweitert und in den Umfragen drei zusätzliche Länder mit einbezogen: Großbritannien, Frankreich und Polen«, weiß Gisela Dachs, Professorin am DAAD Center for German Studies des European Forum an der Hebräischen Universität in Jerusalem und zugleich Leiterin des Projekts, zu berichten. Pro Land wurden je 1000 Menschen online befragt.

Wird Israel als ein nahöstliches oder eher wie ein europäisches Land wahrgenommen – oder ist es vielleicht eher mit den Vereinigten Staaten vergleichbar? So lautete eine der Fragen. Bemerkenswerterweise ist in Deutschland die Wahrnehmung Israels als ein europäisches Land mit 29 Prozent Zustimmung im Vergleich zu Großbritannien, Frankreich und Polen am höchsten, wobei auffällt, dass mehr Männer (33 Prozent) als Frauen (25 Prozent) diese Ansicht teilen.

»Wenn es um Deutsche geht, die Israel bereits einmal besucht hatten, liegt der Wert sogar bei 53 Prozent«, ergänzt Dachs. Aber auch in den anderen europäischen Staaten steigt dieser an, sobald die Befragten das Land aus erster Hand kennen. Bei den Israelis dagegen sieht das anders aus. Sie betrachten sich eher als nahöstliches und weniger als europäisches Land.

Der Einfluss des aktuellen Krieges in Gaza ließ sich gut erfassen

Weil die Umfragen im Februar und März dieses Jahres durchgeführt wurden, ließ sich auch der Einfluss des aktuellen Krieges im Gazastreifen auf die Wahrnehmung erfassen. So gaben in Deutschland 33 Prozent der Befragten an, die Ereignisse sehr genau zu verfolgen – in den anderen Ländern war dieser Wert teilweise deutlich niedriger. Generell aber dominierte überall die Gruppe derer, die die Nachrichten dazu sporadisch zur Kenntnis nimmt.

Gefragt, ob dieser Konflikt ihre Meinung zu Israel beeinflusst hätte, gab es ebenfalls interessante Einblicke. Mehr als die Hälfte der Deutschen (54 Prozent) gaben an, dass dies nicht der Fall sei – damit unterscheiden sie sich auch unwesentlich von den Befragten in den drei anderen europäischen Ländern. Neun Prozent erklärten, dass sie durch die Ereignisse eher pro-israelischer geworden seien, 14 Prozent dagegen würden nun stärker der palästinensischen Seite zuneigen. 24 Prozent hatten keine Meinung oder wollten sich nicht dazu äußern.

Laut der Umfrage halten 53 Prozent der Israelis Deutschland für einen Freund in Europa.

Spannend sind ebenfalls die Angaben zu der Frage, inwieweit man sich vorstellen kann, dass das eigene Land eine Vermittlerrolle zwischen Israel und anderen Staaten im Nahen Osten einnehmen sollte. Während 38 Prozent der Briten und 35 der Franzosen das durchaus begrüßen würden, liegt dieser Wert in Deutschland bei 32 Prozent.

Als die gleiche Frage 2022 in Deutschland gestellt wurde, sah das noch anders aus: Damals hatten sogar satte 50 Prozent dieser Vermittlerfunktion zugestimmt. Mit der Aussage, dass Israels Sicherheit Teil des nationalen Interesses sei, gingen immerhin 45 Prozent der deutschen Befragten konform, gleichzeitig aber begrüßten lediglich 22 Prozent die Unterstützung der Bundesregierung im aktuellen Konflikt im Gazastreifen.

Will man von den Israelis wissen, wer in Europa als ein Freund angesehen wird, so nennen 53 Prozent Deutschland, auf Platz zwei rangiert Großbritannien mit 38 Prozent, gefolgt von Frankreich mit 27 Prozent und Polen mit 19 Prozent.

Israelis betrachten Deutschland als das am wenigsten antisemitische Land

Diese Aussagen spiegeln sich – unter umgekehrten Verhältnissen – wider, wenn es um die Frage geht, welches der europäischen Länder antisemitisch sei. Dann nimmt Frankreich mit 55 Prozent den Spitzenplatz ein. Deutschland wird mit 21 Prozent dagegen als das am wenigsten antisemitische Land betrachtet. Zudem geben 59 Prozent der befragten Israelis an, dass die Erinnerung an den Holocaust einen eher positiven Effekt auf die deutsche Politik gegenüber Israel habe.

Und noch eine Überraschung fördert die Studie zutage: 68 Prozent nennen Deutschland, wenn es um die Länder geht, mit denen die Beziehungen als normal betrachtet werden. 60 Prozent verweisen auf Großbritannien, 50 Prozent auf Frankreich und lediglich 40 Prozent auf Polen.

Auch im Falle eines möglichen Wegzugs, mit dem rund ein Fünftel der Israel durchaus gelegentlich liebäugelt, wird Deutschland an erster Stelle genannt. Zwar betrachtet man den Aufstieg der AfD als eine Gefahr, doch 32 Prozent der Israelis sehen in dieser Entwicklung eher ein europäisches Phänomen und kein spezifisch deutsches.

Last but not least sind viele auch stolz darauf, dass Deutschland das israelische Raketenabwehrsystem »Arrow 3« erworben hat, wobei 21 Prozent der Aussage zustimmen, dass es ein historisches Paradox sei, wenn Israel nun für Deutschlands Schutz sorge.

»Die Zahlen vermitteln interessante wie auch differenzierte Einblicke«, lautet des Fazit von Studienleiterin Dachs zu den vom Meinungsforschungsinstitut Kantar ermittelten Daten. »Seit Beginn der 1990er Jahre – so weit reicht unsere Timeline zurück – haben sich die Israelis gegenüber Deutschland immer mehr geöffnet, so dass heute im Vergleich das Verhältnis als normaler als mit anderen europäischen Staaten gesehen wird, wobei mit ›normal‹ gute Beziehungen gemeint sind.«

Leipzig

Nach Ofarims Dschungel-Triumph: Influencer sammelt Spenden für Markus W.

Der Mann, den der Musiker 2021 fälschlicherweise des Antisemitismus beschuldigt hatte, bedankt sich und plädiert für Transparenz

 19.02.2026

Programm

Lesung, Erkundung, Abrechnung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. Februar bis zum 25. Februar

 19.02.2026

Essay

Losing My Religion?

Warum Selbstmitleid und Eskapismus im Kampf gegen die Feinde der Demokratie nicht helfen

von Ayala Goldmann  19.02.2026

Kulturkolumne

Späte Erkenntnis

Warum es Zeit wird, sich nicht alles gefallen zu lassen – schon gar nicht von sich selbst

von Maria Ossowski  19.02.2026

Berlinale

Der richtige Film

Nach der Freilassung der Hamas-Geisel David Cunio hat der israelische Regisseur Tom Shoval eine neue Version seiner Doku »A Letter to David« gedreht. Nun wird sie in Berlin gezeigt

von Katrin Richter  19.02.2026

Berlin

Israelischer Künstler verhüllt Altar

»Parochet«: Die Rauminstallation des Künstlers Benyamin Reich ist für 40 Tage in der Berliner St. Matthäus-Kirche zu sehen

 19.02.2026

Köln

Gil Ofarim belog seine Kinder wegen der Davidstern-Affäre

In einer neuen RTL-Dokumentation gibt der Sänger Auskunft darüber, wie er mit der Situation gegenüber seinen Kindern umgegangen ist

 19.02.2026

Theater

Buh-Rufe, »Halt die Fresse«-Schreie: Tumult bei Premiere - Zuschauer greifen Schauspieler an

Am Bochumer Schauspielhaus hat ein Stück einen Tumult ausgelöst

 19.02.2026

Zahl der Woche

3,71 Mitglieder

Fun Facts und Wissenswertes

 18.02.2026