Militär

Aus Erfahrung gut

Wir haben eine Lücke, die wir überbrücken müssen», gab vor wenigen Tagen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bekannt. Und sie wusste auch, wie diese zu schließen ist: durch die Anschaffung von Drohnen des Typs Heron TP, hergestellt von Israel Aerospace Industries (IAI). Denn die unbemannten fliegenden Alleskönner stehen bei der Bundeswehr wie bei allen Streitkräften auf der Welt ganz oben auf der Wunschliste.

Im Unterschied zu konventionellen Flugzeugen bringen sie viele Vorteile mit sich. Die teure Pilotenausbildung entfällt, sie sind günstiger in der Anschaffung, und vollgestopft mit modernster Elektronik können sie immer mehr Aufgaben übernehmen.

Global Hawk Doch woher nehmen und nicht stehlen? Eine Eigenentwicklung dauert sehr lange und geht ordentlich ins Geld. Und die Eurodrohne, die gemeinsam mit Frankreich, Italien und Spanien entwickelt werden soll, ist nicht vor 2025 fertig. Zwar hatte man sich bereits 2007 für den Kauf einer abgewandelten Version der Global Hawk des amerikanischen Herstellers Northrop Grumman entschieden. Mit viel Aufklärungselektronik aus dem Hause EADS sollte daraus der Euro Hawk werden.

Aber damit nahm eine weitere Pannenserie bei der Beschaffung von Ausrüstung für die Bundeswehr ihren Anfang, die den Steuerzahler am Ende über 600 Millionen Euro und den damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière beinahe den Job kostete: Der Euro Hawk verfügte nämlich über kein funktionsfähiges Antikollisionssystem und hätte daher nie eine Flugzulassung für den deutschen Luftraum erhalten. Also zog man 2013 dem Projekt den Stecker.

Nun sollen drei bis fünf Exemplare der Heron TP im Rahmen eines Leasingvertrages angeschafft werden. Es ist nicht das erste Mal, dass Deutschland auf israelisches Fluggerät dieser Art zurückgreift. Bereits seit 2010 nutzt die Bundeswehr in Afghanistan das Vorgängermodell Heron 1, das dort ausschließlich für die militärische Aufklärung zum Einsatz kommt.

Drei Drohnen dieses Typs liefern Tag und Nacht Bildmaterial aus bis zu 9000 Metern Höhe. Im Vergleich zu den bis dahin benutzten Tornado-Aufklärern, bei denen es sich aufgrund ih- res Alters von mehr als 25 Jahren eher um fliegendes Altmetall handelt, haben sie den klaren Vorteil, auch Video-, Infrarot- und Radardaten übertragen zu können. Diese werden anschließend über ein Remote-Video-Terminal weitergeleitet.

Schutz Gern wird die Heron 1 auch zum Schutz von Bundeswehrkonvois eingesetzt. Lautlos fliegt sie vor den Fahrzeugen und kann so frühzeitig vor Gefahren warnen. Ab kommendem Herbst soll sie auch zum Schutz deutscher Soldaten im afrikanischen Mali eingesetzt werden. Die Entscheidung zugunsten der Heron TP fiel nicht zuletzt aufgrund der positiven Erfahrungen, die man im Laufe der Jahre mit israelischen Drohnen gemacht hatte.

«Die Ausbildung findet in bewährter Art und Weise in Israel und simulatorgestützt auch im schleswig-holsteinischen Jagel statt. Ein weiterer Vorteil der Heron TP für die Bundeswehr ist die einfache Umstellung von Personal und Logistik von Heron 1 auf Heron TP», heißt es dazu seitens des Verteidigungsministeriums. Zudem hätte das Konkurrenzmodell Predator/Guardian Eagle aus den Vereinigten Staaten wohl erst in ein oder zwei Jahren zur Verfügung gestanden.

Die Heron TP mit ihrem maximalen Abfluggewicht von 4,65 Tonnen ist schon eine ordentliche Wuchtbrumme. Mit ihren 26 Metern kann sie locker mit der Spannweite einer Boeing 737 mithalten, bleibt bis zu 36 Stunden in der Luft und erreicht eine Höhe von bis zu 13.700 Metern. 2018 plant die Bundeswehr ihre Indienststellung.

Viel interessanter ist aber die Tatsache, dass die Heron TP im Unterschied zu ihrem Vorgängermodell wohl nicht nur zur Aufklärung vorgesehen ist. «Es wird um eine bewaffnungsfähige Drohne gehen, das wird künftig Standard sein», erklärte von der Leyen. «Sie ist wichtig für den Schutz der Soldatinnen und Soldaten in den Auslandseinsätzen.» 580 Millionen Euro inklusive Lenkflugkörper soll das Ganze kosten. Im Herbst entscheidet der Haushaltsausschuss.

Exporteur Der Deal mit der Bundeswehr bestätigt erneut Israels Status als größter Exporteur von Drohnen weltweit. Rund 90 Prozent der im jüdischen Staat hergestellten unbemannten Fluggeräte gehen ins Ausland. So erwarb erst im September Neu Delhi für 400 Millionen Dollar zehn Heron TP. «Ein äußerst wichtiger Kauf, der Indiens Fähigkeit erhöhen wird, auch jenseits seiner Grenzen militärisch eingreifen zu können», wie die indische Economic Times schrieb.

Und jüngst sorgte eine Entwicklung von Wissenschaftlern der Universität Tel Aviv für Schlagzeilen, die die Technologieführerschaft Israels in diesem Bereich noch einmal verdeutlichte. Dort hatte man zehn Zentimeter große Mini-Drohnen konstruiert, die nach dem Heuschreckenprinzip funktionieren und bis zu 3,5 Meter hoch springen können.

«Mit einem GPS-Gerät, Kamera und Solarzellen sollen sie eines Tages im Schwarm in feindliche Territorien eindringen können und Aufklärungsarbeit leisten», so ihr Konstrukteur Gabor Kosa. Vielleicht wird die Bundeswehr auch an dieser israelischen Innovation Interesse zeigen.

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